Kinder kehren in sanierte Kita zurück

Zehn Monate nach Einbruch: Ende der Container-Zeit

Mühlheim - Lämmerspiels Regenbogeninsel ist geheilt. Rund zehn Monate, nachdem Einbrecher die Kita geflutet und den Nachwuchs so ins Container-Exil gezwungen hatten, lädt die Pfarrei St. Lucia zum Wiedereinzug ein. Von Marcus Reinsch 

Für die Lämmerspieler Pfarrgemeinde St. Lucia war es eine mittlere Katastrophe, für die Kinder auch ein Abenteuer: Nach dem Einbruch Mitte September vergangenen Jahres, bei dem von der eigentlich logischen Nichtexistenz wertvoller Beute wohl enttäuschte Täter in der Lämmerspieler Kita Regenbogeninsel sechs Wasserhähne aufgedreht und die Abflüsse mit Handtüchern verstopft hatten, mussten 75 Drei- bis Sechsjährige in ein kleines Containerdorf am Lämmerspieler Feuerwehrhaus umsiedeln (wir berichteten).

Die Zeit im Exil – oder, wie die Pfarrgemeinde in Bild und Wort aus Janoschs Mutmachmärchen mit „Oh wie schön war Panama“ variiert – geht nun zu Ende. Pfarrer Dekan Willi Gerd Kost, Alfons Ott und Christine Martin für den Verwaltungsrat und Felicitas Haag als vom Bistum Mainz eingesetzte Verwaltungsträgerin laden für den 25. Juni ab 11 Uhr zum feierlichen Wiedereinzug ein.

Da wird die sanierte Kita gesegnet, da wird der Nachwuchs einen Riesenspaß haben. Und da wird es möglich, von einem sehr schmerzhaften Kita-Kapitel endlich nicht mehr in der Gegenwart zu sprechen, sondern in der Vergangenheit.

Bei der Entdeckung des Einbruchs hatte erst mal alles „gar nicht so schlimm ausgesehen“, wie Felicitas Haag gestern zusammenfasst. Es stand eine größere Pfütze in der Mitte der Kita, wo die Waschräume sind.“ Mit Aufwischen war es allerdings nicht getan. Die Versicherung schickte einen Fachmann, um den Schaden zu taxieren. Der schlug die Hände über dem Kopf zusammen, veranlasste eine Bohrung. Mit haarsträubendem Ergebnis. Haag: „Egal, wo auf den 600 Quadratmetern Fläche gebohrt wurde, überall stand das Wasser unter dem Estrich.“ Der Boden hatte wie ein Schwamm gewirkt.

Die Betreuung im gefluteten Kita-Stammdomizil an der Kirchkurve in der Offenbacher Straße war vorerst nur noch für 47 Kinder möglich. Davon 24 unter Dreijährige. Und auch das nur nach einem Kraftakt. Das Büro wurde zum Schlafraum umgewandelt, der Raum der Pfarrei-Jugend zum Gruppenraum und Bistro, das sogenannte Auqaurium, in dem sonst auch private Tagesmütter Kinder betreuen, wurde zu einem zweiten Gruppenraum. Der dritte Gruppenraum blieb einer, wurde aber extra zur Baustelle hin abgetrennt. Und „wir mussten, weil keine Toiletten für die Kinder mehr da waren, einen Toilettencontainer und einen Küchencontainer plus Zaun an die Kita selbst stellen“, zählt Haag auf.

Bis in den Januar liefen Trocknungsmaschinen, auch um Schimmelbildung vorzubeugen. Dann war klar: Der Estrich, längst mit der löchrigen Anmutung eines Schweizer Käse, muss komplett raus. Die ursprünglich angesetzten vier Monate Sanierungszeit waren Schall und Rauch. Zumal das Wasser mittlerweile rund 40 Zentimeter hoch in die Wände gekrochen war und in der Winterwitterung der Schnellestrich nicht trocknen wollte. Schließlich musste auch alles wieder tapeziert und gestrichen werden, Bodenbelag und Fliesen sind neu.

Bilder: 50 Jahre Rote-Warte-Schule Mühlheim

„Was wir zeitgleich in Angriff genommen haben“, erklärt Haag, „waren kleine Veränderungen, die schon länger auf der Liste standen.“ Ein Türdurchbruch etwa. Und eine Umstrukturierung – die Kita hat ein offenes Konzept, alle Kinder bewegen sich frei zwischen den Angeboten. Für die unter Dreijährigen gibt es nun aber einen sogenannten Ankunftsbereich.

Die genauen Kosten der Sanierung werden erst exakt zu beziffern sein, wenn alle Rechnungen eingetroffen sind. Schon jetzt sei aber klar, dass sie in die Hunderttausende gehen. Auch wegen der Kosten für die Container am Feuerwehrhaus, deren Gastgeber sich auf der Suche nach einem Ausweichquartier als wahre Freunde und Helfer erwiesen haben. Haags tiefe Dankbarkeit gilt auch der Stadt und dem Bischöflichen Ordinariat. Von dort kam Hilfe finanzieller und organisatorischer Art, die ihr und dem Verwaltungsrat der Pfarrgemeinde bei der niemals alleine zu stemmenden Mission Sanierung halfen. Außerdem gab es Spenden, von den Mühlheimer Lions etwa und anderen Vereinen.

Beeindruckend verständnisvoll verhielten sich auch die Eltern der betroffenen Kinder. Haag: „Die sind toll. Wir können uns glücklich schätzen, dass wird sie haben.“

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: dpa

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