Mühlheimer Karnevalisten stemmen Neubau fast komplett in Eigenregie

Endspurt für das neue Zuhause

Bald geht‘s in die neuen Räume: In rund einer Woche wollen die Karnevalisten fertig sein. Foto: m

Mühlheim – Eigentlich war das größte Projekt des Mühlheimer Karnevalvereins (MKV) längst in trockenen Tüchern. Dann kam Corona und das Turnier der Männerballett-Gruppen und die Mühlheimer Kerb waren weg – und damit die fest eingeplanten Einnahmen für das neue Vereinsheim. VON MICHAEL PROCHNOW

Die engagierten Helfer konnte das jedoch nicht ausbremsen, sie befinden sich gerade im Endspurt.

Die neuen Räume in zusammengefügten Wohncontainern an der Siemensstraße werden in acht Tagen betriebsbereit sein, verkündet MKV-Vorsitzender Andreas Sattler. Am 15. Juni wollen die ersten der drei Sparten, Tanzsport, Musik und fastnachtliches Brauchtum, den Übungsbetrieb aufnehmen. „Für die Abteilungen gelten völlig unterschiedliche Corona-Regeln“, erläutert der Vereinschef und versichert, „die Hygienepläne liegen vor und müssen verinnerlicht werden“.

Zuerst dürfen die Tänzer ran – mit Abstand, versteht sich. „Hebefiguren und knutschen geht nicht“, scherzt der Boss. Die Formationen können auch im Hof üben, alles ist vermessen, die Höchstzahl an Aktiven festgelegt. Eventuell müssten Gruppen geteilt werden, „aber wir wollen positive Signale senden“, betont Sattler.

Die Bläser der Firedrums könnten noch nicht proben. Der Vorsitzende hat aber die Jugendleitung beauftragt, ein Konzept für eine Ferienbetreuung auszuarbeiten. „Wir stehen in der Pflicht, haben eine soziale Verantwortung unseren Mitgliedern gegenüber“, stellt er klar. „Wenn uns das etwas wert ist, müssen wir handeln, dafür sind wir da.“

Sattler erklärt, „wir werden nicht jammernd und heulend durch Mühlheim rennen“. Es gelte, „sich selbst zu motivieren, weiterzudenken und dem gerecht zu werden, was wir uns auf die Fahnen geschrieben haben“. Die Aktiven brennen darauf, ihre Kameraden zu sehen, ihr Hobby auszuüben. Doch im fast fertig eingerichteten Haus auf dem Gelände der Wohnbau sind vorerst kein Thekenbetrieb, keine fremden Personen, auch keine Eltern gestattet. Nach jeder Übungsstunde müssen Räume und Geräte desinfiziert werden. „Aber es ist ganz wichtig, dass der Vereinsbetrieb wieder anläuft“, sagt der Chef.

Beim Land Hessen haben sie Soforthilfe für Vereine beantragt, nachdem das Männerballett-Turnier um den Possmann-Cup am 14. März als erste Veranstaltung abgesagt werden musste. Bei der Kerb hätten die Fastnachter mit der DLRG die Bewirtschaftung übernommen – jetzt registrieren die Vereine „gewaltige finanzielle Einbußen“. Voraussetzung für die Hilfe aus Wiesbaden sei die Mitgliedschaft im Bund Deutscher Karnevalisten, die der MKV vorweisen könne.

Der Zuschuss soll die Liquidität sichern. Doch „über 2021 wollen wir gar nicht nachdenken“, wenn womöglich die Absage von Fastnachtsfeiern zwingend werde. Die Narren müssen schließlich laufende Kosten leisten, Miete, Versicherung, Strom, Wasser. Große Bedeutung komme der Baustein-Spendenaktion zu, neben Sachspenden und Eigenarbeit die wichtigste Säule fürs Vereinsheim. Die eingeplante Lüftungsanlage ist bereits Corona zum Opfer gefallen.

Statt der vorgesehenen 1200 bis 1500 ehrenamtlichen Arbeitsstunden seien es schon 2500, berichtet Sattler. Die Kerntruppe ist täglich vor Ort: Peter Nohl, Nadine Wahl, Michael Schmidt, Joachim Borawski, Dieter Windhäuser, Jürgen Habermann, Jürgen Kraus, Sebastian Scholz, Florian Schwarz und Vorsitzender Sattler, selbst sonntags morgens um 8 oder mittwochs um 22 Uhr. 30 bis 40 Aktive stehen regelmäßig auf dem Dienstplan, haben auch die alten Räume an der Dieselstraße zurückgebaut. Material für 40 000 Euro wurde so seit Ende Januar verbaut. In diesen Tagen werden die Sanitärräume fertiggestellt, die Bühnentechnik eingebaut, sodass Boxen und Beamer von einem Regieplatz gesteuert werden können. In der Küche fehlt noch die Spülmaschine, im Saal die Beleuchtung und am Haupteingang eine Rampe. Ansonsten könnte die fünfte Jahreszeit beginnen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare