An der Schillerstraße

Erdgeschoss der Flüchtlingsunterkunft:  Kita mit 75 Plätzen

+
Vor allem das Außengelände der Unterkunft unweit des Tegut-Markts soll im Dezember kaum wiederzuerkennen sein.

Mühlheim - An der Schillerstraße soll es sich auszahlen, dass man sich frühzeitig darüber Gedanken gemacht hat, was passiert, wenn der Flüchtlingsstrom abebbt. Von Christian Wachter

Bis Dezember dieses Jahres, so sieht es die aktuelle Planung vor, entsteht im Erdgeschoss der Unterkunft eine Kindertagesstätte mit 75 Plätzen. Wo derzeit noch die Waschmaschinen und Trockner vor sich hin rotieren, sollen sich Ende des Jahres Kinder in einem Matschraum austoben können. Ab dem 1. Dezember soll die für insgesamt 75 Jungen und Mädchen ausgelegte Kindertagesstätte an der Schillerstraße ihre Tore öffnen. Das Erdgeschoss des ursprünglich als Flüchtlingsheim geplanten Familienhauses neben dem Tegut-Markt wird dafür grundlegend umgebaut.
Nun mache sich bezahlt, heißt es in einem städtischen Schreiben, dass man schon bei der Planung des Gebäudes andere Nutzungsmöglichkeiten im Blick gehabt habe, sollte der Flüchtlingsstrom einmal versiegen. Bürgermeister Daniel Tybussek fügt an: „Unsere Stadt soll auch weiterhin als familienfreundlich gelten, hierzu gehört neben einer flächendeckenden Versorgung mit Spielplätzen und Freizeitangeboten auch, dass Familie und Beruf miteinander vereinbar bleiben.“ Den Kindergärten falle dabei eine Schlüsselrolle zu, weshalb er froh sei, einen „weiteren wichtigen Schritt“ zu unternehmen.

Ob Bobbycar-Rennstrecke oder Sandkasten mit Sonnensegel – Spielmöglichkeiten sind reichlich vorgesehen. Nicht auf dem Bildausschnitt: die zehn Pkw-Stellplätze.

Ingo Kison, Geschäftsführer der Wohnbau, die Eigentümer des Hauses ist, betont, dass es zwischen den Wohnungen der Flüchtlinge auf den oberen Etagen und der neuen Kita „keine Berührungspunkte“ geben werde. Es gebe ein eigenes Treppenhaus, neue Wasch- und Trockenräume, außerdem drehe man die Fluchttreppe und die Kita sei baulich eingezäunt. Einzig aus den Fenstern ließe es sich auf das Außengelände blicken, fügt Tybussek an. „Unterschätzen darf man die Anforderungen nicht, die bisherigen Toiletten etwa sind für eine Kita natürlich nicht geeignet.“
Insgesamt 650.000 Euro wird der komplette Umbau kosten, inklusive neuer Personalräume und einem kleinen Anbau. Gefördert werden soll der Umbau über das Investitionsprogramm „Kinderbetreuungsfinanzierung 2017-2020“ – mit 150.000 beantragten Euro des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Der Großteil der Kosten entfällt auf die Erfüllung des Brandschutzes und auf das neu zu gestaltende Außengelände. Dort soll allerlei aufgestellt werden, was Kinderherzen höherschlagen lässt: Ein großer Sandkasten, in dem sich dank Sonnensegel auch im Hochsommer werkeln lässt, ein Matschtisch, Kletter-, Rutsch- und Schaukelgeräte sowie eine Bobbycar-Rennstrecke. Innen sind zwei Bauräume, außerdem ein Rollenspiel- , ein Mal- und ein Turnraum vorgesehen. Hinzu kommt der leicht zu reinigende Matschraum und ein Bistro samt voll ausgestatteter Küche.

Aufgewertet werden soll aber auch der Teil des Gartens, der ausschließlich den dort wohnenden Familien zur Verfügung steht. „Es ist wichtig, dass auch die Kinder der Flüchtlinge gute Spielmöglichkeiten haben und an dieser Stelle keine Begehrlichkeiten entstehen, die nicht erfüllt werden können“, erläutert Tybussek. Ein ungestörter Kitabesuch könne mit den neu geschaffenen baulichen Änderungen gewährleistet werden. „Flüchtlingsunterkunft und Kindergarten sind vollständig voneinander getrennt.“ Ohnehin wisse man wer dort wohne – „größtenteils Familien, die schon eine feste Struktur haben.“ Auch deshalb, fügt Ingo Kison an, sei man froh, die Menschen nicht aus ihrer gewohnten Umgebung reißen zu müssen. Das sei durchaus eine Sorge von manchem Bewohner gewesen.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Mühlheim

Lob für die städtische Immobilientochter gibt es vom Bürgermeister. „Planung, Bau und Ausführung werden hier neben allen laufenden und zukünftigen Projekten geleistet – das zeigt, wie leistungsfähig unsere Wohnbau ist, und ist nicht selbstverständlich.“ Auch den städtischen Gremien, die die Voraussetzungen für eine zügige Abwicklung geschaffen hätten, gelte sein Dank.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare