Erfahrener Arzt ist immer dabei

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Zu den Sportgeräten bei den Übungsstunden der Reco zählen Bälle und farbige Stöcke.

Mühlheim ‐ Ein Dutzend Frauen und Männer stehen im Kreis, stützen sich mit beiden Händen auf einen farbigen Stock und beginnen, mit ihren Körpern um die eigene Achse zu kreisen. Das wiederholt die Runde noch einmal in die andere Richtung. Von Michael Prochnow

Dann weist Trainerin Yvonne Olewski die Herrschaften in den besten Jahren an, Bälle in die ausgestreckten Hände zu nehmen und so ihren Bewegungen zu folgen. Eine ganz normale Gymnastikgruppe, sollte man meinen, und doch zeichnet das Training der Rehabilitations- und Coronarsportgemeinschaft Mühlheim, kurz Reco, einige Besonderheiten aus. Die insgesamt sieben Übungsleiter der Reco-Angebote verfügten über eine spezielle Qualifikation, um die Sportstunden mit Patienten zu führen, die eine Krebsoperation oder eine Herzkrankheit hinter sich hätten, erläutert Erster Vorsitzender Michael Jäger. Stets sei ein erfahrener Arzt in der Sporthalle an der Dieselstraße dabei. Auch die Bereitstellung von entsprechenden Geräten sei Voraussetzung für die Anerkennung und Zertifizierung des Vereins.

Balance-Kissen, kleine Hanteln und die großen Pezzi-Bälle zählten zu diesem Repertoire. Auch Ringe, Reifen und Schläger für eine Partie Badminton setzten die Leiter ein, um die Teilnehmer sanft in Schwung zu bringen.

Aufwärmphase zu Beginn jeder Stunde

Jede Stunde beginnt mit einer Aufwärmphase“, konkretisiert der erfahrene Internist und Kardiologe Dr. Siegmund Drexler. „Dazu geht die Gruppe oder greift zu den Bällen“. Dann würden Koordination, Kraft und Schnelligkeit geschult, es folge ein Partner- oder Mannschaftssport und schließlich eine Übung zur Entspannung.

Die Bewegungs- und Sporttherapie wird heute als wichtiger Bestandteil der Krebstherapie anerkannt“, informiert Dr. Drexler. Die gezielte Bewegung vermöge einerseits die Therapie zu unterstützen und tumorfreie Intervalle zu verlängern. Andererseits stelle der Sport „ein wirksames Instrument zur psychischen Bewältigung der krisenhaften Situation und zur psychischen Stabilisierung“ dar, verdeutlicht der Internist und Kardiologe.

Reco-Sprecher Michael Jäger führt weitere Argumente für das Engagement ins Feld: Nach Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs-OP oder Krankengymnastik erleichtere das Training berufliche und häusliche Aufgaben zu bewältigen.

Das Vertrauen in den eigenen Körper steigt, die Bewegungsprogramme stärken die Abwehrkräfte und wirken sich positiv auf das allgemeine Wohlbefinden aus“, wirbt der Lämmerspieler.

Balance von Körper, Geist und Seele

Konkret könnten beeinträchtigte Muskeln gestärkt werden, ohne sich zu überfordern, der Aktionsradius im Arm-Schulterbereich könne erweitert sowie die Balance von Körper, Geist und Seele gestärkt werden.

Nicht zu vergessen sei der Gewinn an Spaß und Lebensfreude. „Betroffene können sich ungezwungener untereinander austauschen und bringen ein hohes Maß an Verständnis mit“, beobachtete Jäger. Dieser Effekt hat bei Reco zu einer Eigendynamik geführt: Mehrere Mitglieder haben eine Nordic-Walking-Gruppe gegründet, andere mit ähnlichen Schicksalen treffen sich an Stammtischen.

Das gesellige Jahresprogramm beginnt traditionell mit einem Erste-Hilfe-Kurs. Es folgen Vorträge zu medizinischen Themen, die Dr. Drexler und seine Frau, Dr. Birgit Drexler-Gormann halten. Diesmal steht eine Führung durch die Mühlheimer Altstadt im Plan, es folgen ein Grillnachmittag, eine Mehrtagesfahrt in den Harz und ein Wandertag.

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