Erheblicher Mehraufwand

Flohmarkt vor der Mühlheimer Willy-Brandt-Halle startet wieder mit Sicherheitskonzept

Blick von oben auf den Flohmarkt auf dem Festplatz mit einer Drohne von der Willy-Brandt-Halle.
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Blick von oben auf den Flohmarkt auf dem Festplatz mit einer Drohne von der Willy-Brandt-Halle.

„Schwach“ – die Antwort fällt so knapp aus wie die Einnahmen an diesem Vormittag. Das Fahrrad aus ihrem Sortiment war allerdings gleich weg, fügt Petra ihrer Bewertung des Freiluft-Flohmarkts an der Willy-Brandt-Halle hinzu. Trotz der Einschränkungen sind alle 30 Beschicker nach dem Neustart gestern froh, dass es wieder los geht. Vor allem jene, deren Existenz an den Märkten hängt.

Mühlheim - Damit meint Veranstalterin Nicole Heerdt nicht nur sich selbst. Auch Firmen wie der Entrümpler, der aus zwei Kleinlastern ganze Hausstände verhökert, oder die Menschen im Imbisswagen sind auf die Aktionen angewiesen. Gerhard Schmidl hat die Firma GKS-Märkte vor 40 Jahren gegründet, er starb vor fünf Jahren. Seitdem führt seine Tochter vor allem Antik-Messen in Bad Nauheim, Bad Orb und Langenselbold, Flohmärkte in Gelnhausen, Kahl, Gründau, Lohr und Schöllbrunn.

Zahl der Stände und der Besucher deutlich niedriger als vor Corona

Die Termine in den Bäderstädten laufen wieder, berichtet die Leiterin, jedoch mit erheblichem Aufwand. Um das Areal in der Wetterau müsse sie einen Gitterzaun stellen, auch für die übrigen Hygienemaßnahmen brauche sie mehr Personal. „Macht 800 bis 1000 Euro extra“, rechnet sie vor. Gleichzeitig sei die Zahl der Stände und der Besucher deutlich niedriger als vor Corona.

Den Markt am Mittwoch in Mühlheim habe ihr Vater vor 23 Jahren gestartet. Der ehemalige Festplatz sei sowieso eingefriedet, das spare schon mal eine Menge Kosten. Doch auch am Bürgerhaus müssen Einbahn-Wegesystem und Hinweisschilder auf- und abgebaut und Anstecker ausgegeben werden. 250 Sticker mit dem Logo der Firma gibt’s. Hat die Helferin am Eingang keine mehr vorrätig, ist die maximale Zahl von Gästen auf dem Platz erreicht.

Davon waren sie gestern weit entfernt. „Die Betreiber haben zu wenig Werbung gemacht“, kritisiert Regina Tost. Die Beschickerin aus Rödermark steht schon seit Juni wieder auf Märkten in Darmstadt – ihre CDs und DVDs in großen Kisten werde sie aber auch dort kaum los. „Geht so“, bewertet Gerhard Gahabka den Erfolg seines Umsatzes mit Hausrat. Auch müsse er für die Teilnahme an den meisten Veranstaltungen drei Euro mehr berappen.

Resümee nach dem ersten Tag: „Es hätte mehr sein können“

„Ich habe nur die Toiletten-Benutzung im Bürgerhaus von 30 auf 50 Cent erhöht“, erklärt Sprecherin Heerdt. Der Eintritt aufs Gelände war schon immer frei. Angesichts des Totalausfalls seit März fehlen ihr die Mittel, um mit Plakaten und Anzeigen zu werben. Den Regeln zur Pandemie aber leiste sie Folge: „Drei meiner Stammkunden sind an Covid-19 gestorben“, berichtet sie. „Viele sind in Kurzarbeit und müssen den Cent dreimal umdrehen.“

Heerdt nennt einen weiteren Grund für das zäh laufende Geschäft. „Wenn der Discounter T-Shirts für 1,99 Euro anbietet, werden unsere Verkäufer kein Markenhemd für fünf Euro los.“ Bei den Antikwaren fehlen Nachwuchs und Sammelleidenschaft. „Heute suchen die Leute etwas Bestimmtes und nehmen nur genau das.“ Wieder rollt ein Kombi an der Chefin in der Warnweste vorbei, beide verabschieden sich wie gute Freunde. Zwischendurch gibt Nicole Heerdt noch eine Anweisung übers Walkie Talkie durch und sichert einem anderen Standinhaber einen Platz beim nächsten Markt zu. „Sonst sind es zwischen 50 und 70 Verkäufer“, informiert sie. „Es hätte mehr sein können“, resümiert auch das „Mädels-Quartett“ Petra, Hanne, Christel und Sigrid den Besuch, „aber für den ersten Tag war’s ganz gut“. (Michael Prochnow)

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