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Erst Messe, dann Kulturabend

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Von: Michael Prochnow

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Greift gern in die Saiten: Der Dietesheimer Pfarrer Ajimon Joseph packt auch an Weihnachten seine Gitarre aus.
Greift gern in die Saiten: Der Dietesheimer Pfarrer Ajimon Joseph packt auch an Weihnachten seine Gitarre aus. © m

Auf dem Weg nach Weihnachten in zwei Welten: Pfarrer Ajimon Joseph feiert das Fest besonders intensiv, zelebriert zunächst Christmette und Gottesdienste nach bekanntem katholischem Ritus. Dann wird der Rhythmus etwas flotter, die indische Gemeinde Frankfurt gestaltetet eine Messe und einen Kulturabend mit Essen, das der Seelsorger aus Dietesheim an Keyboard und Gitarre unterstützt. „Das war mein großer Wunsch, heute ist es mein Hobby“, schwärmt der Pater für das Saiteninstrument. Das Tastenspiel beherrschte er bereits als Kind, sein Regens, der Seminarleiter, erlaubte ihm jedoch nicht, Gitarre zu lernen. Vor zwei Jahren begann er mit dem Unterricht und erlernte die Griffe, begleitet Taufen und ökumenische Gottesdienste „mit riesiger Freude“.

Mühlheim - Morgen kocht Joseph ein indisches Mahl für seinen langjährigen Chef, den ehemaligen Hausener Kaplan und späteren Pfarrherr in Groß-Gerau, Norbert Kissel. Abends und am Nachmittag des zweiten Feiertags trifft sich der Priester aus Dietesheim mit Landsleuten.

Nach dem Genuss von Spezialitäten aus der Heimat singen sie auch christliche Melodien. Zwei davon hat Ajimon Joseph komponiert und auf seinem Album „Advent: He Comes“ mit indischen Weihnachtsliedern veröffentlicht. Prominente Sängerinnen und Sänger haben fast 50 Werke aus seiner Feder einstudiert, mit den Aufnahmen hat der Pfarrer fünf CDs gefüllt.

„Kerala ist wie Europa“, beschreibt er seine Herkunftsregion im Südwesten des Subkontinents. „Nahezu 100 Prozent aller Schulabsolventen beginnen eine Lehre oder ein Studium.“ Das führt der Mann darauf zurück, dass jede der dort verbreiteten christlichen Gemeinden über eigene Schulen verfügt. „Dazu arbeiten Mitglieder vieler Familien im Ausland, unterstützen die Daheimgebliebenen.“

Christen machen nur 2,3 Prozent der Bevölkerung Indiens aus, das sind aber immerhin 28 Millionen Menschen. „Im Advent schmücken wir unsere Häuser mit bunten und leuchtenden Sternen, die werden auch vor den Kirchen aufgehängt“, schildert der Pater die Atmosphäre. „Die Vorweihnachtszeit ist außerdem Fastenzeit, wir verzichten vor allem auf Fleisch und Fisch.“

Die meisten besuchen bis zum 24. Dezember täglich die Heilige Messe, auch als „innere, spirituelle Vorbereitung“ auf das Geburtsfest. Kinder, die an allen 24 Tagen den Gottesdienst besucht haben, bekommen ein Geschenk, fährt der Theologe fort. Und weil es keine Tannenbäume gibt, schmücken die Bewohner Mangozweige oder Bananenstauden und besprühen sie mit Schneespray. „Echte Flocken werden wir in Kerala nie sehen“, erklärt Pfarrer Joseph und schaut auf sein Handy: „31 Grad sind es dort gerade.“

„An Heiligabend beginnt Weihnachten mit einer Mitternachtsmesse, mit Trommeln, Tanzen und Prozessionen. Ähnlich den Sternsingern hierzulande ziehen Gruppen verkleidet als Maria und Josef, Engel und Weihnachtsmänner, mit Liedern durch die Straßen, besuchen Familien. Dabei werden kleine Feuerwerke gezündet, Süßigkeiten und Pflaumenkuchen verteilt.

Am 25. Dezember gibt es ein großes Frühstück, Curryreis, Gemüse und Fischgerichte, dann werden Geschenke ausgepackt. „Dabei werden immer die Hindu- und Muslim-Nachbarn eingeladen“, betont der Geweihte. Vor mehr als 2000 Jahren bereiste der Apostel Thomas die Gegend, zuvor pflegte man gute Kontakte mit Juden. In Kerala praktizieren sie darum den syro-malawarischen Ritus innerhalb der katholischen Kirche.

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