Auffälligste Tarnkappe

Erster Einsatz für neuen „Starenkasten“

+
Der als „Trailer“, also Anhänger, firmierende Blitzer an der Offenbacher Straße ist gemietet. Aber sobald der Haushalt endgültig genehmigt ist, will die Stadt zwei der mobilen Geräte kaufen. Plus eine stationäre Tempoüberwachung.

Mühlheim - Ein neuer Blitzer an der Offenbacher Straße sorgt für Furore und Fragezeichen. Ein Lächeln zaubert die etwas außerirdisch anmutende Technik natürlich nur auf die Gesichter jener, von denen sie kein Foto macht. Von Marcus Reinsch

Die Stadt hat das mobile, ohne Personal auskommende Überwachungsgerät gemietet, bis sie zwei kaufen darf. Und bald kommt auch ein weiteres stationäres Exemplar. Es gibt wichtigere Veränderungen im Stadtbild. Aber nur wenige so optisch und akustisch auffällige wie die an ein militärisches Tarnkappen-Gefährt erinnernde Konstruktion, die in dieser Woche an der Offenbacher Straße aufgetaucht ist: Es ist ein mobiler Blitzer, der auf der Durchgangsachse die Geschwindigkeit überwachen und dafür sorgen soll, dass die schon mit schweren Unfällen einher gehenden Verkehrsströme am Bepo-Kreisel weniger hektisch und gefährlich zusammenfließen. Auch die Gedanken manches Anwohners haben sich schon um den Starenkasten gedreht – ob er nun wollte oder nicht. Denn vor allem am ersten Abend erwies sich die integrierte Alarmanlage, die den Kasten vor Vandalen schützen soll, mehrfach als lautstarkes Sensibelchen. „Sie war leider falsch justiert“, entschuldigt sich Bürgermeister Daniel Tybussek im Namen der Stadt für das Jaulen. Der Fehler sei mittlerweile behoben worden.

Generell sieht die Stadt im Blitzer das Gegenteil von einem Fehler. Schon als Tybussek im September als Kämmerer seinen Haushaltsentwurf für das gerade begonnene Jahr einbrachte, „wurde deutlich, dass die Verkehrsüberwachung zukünftig eine größere Bedeutung erhält“. Dass die im letzten Sommer erarbeiteten Grundlagen für mehr Lebensqualität im Städtchen beinhalten auch, dass „insbesondere nächtliche Raserei und damit verbundener Lärm spürbar reduziert werden“, heißt es aus dem Rathaus.

Im Dezember, sagt Tybussek, sei diese Konzeption „den neuen rechtlichen Rahmenbedingungen angepasst“ worden. Die Stadt beschloss die Anschaffung von zwei sogenannten Trailern und einem festen Gerät. Erstere haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber den bisherigen mobilen Blitzern: Sie werden einfach am Straßenrand abgestellt und verrichten ihr Werk, ohne dass ein Ordnungspolizist dabei sein muss. Das erklärt auch das martialische Erscheinungsbild und dass der Trailer gepanzert und schusssicher ist. Denn dass er nicht in jedem Sympathie auslöst, liegt in der Natur der Sache. Kaufen darf die Stadt so ein Gerät erst, wenn der über die Ausgabendisziplin wachende Kreis Offenbach den vom Stadtparlament schon abgesegneten Haushaltsplan endgültig genehmigt.

„Um Erfahrungen zu sammeln“, erklärt Tybussek, sei einer der Anhänger-Blitzer aber schon mal gemietet worden. Er könne ab sofort „an genehmigten Standorten aufgestellt werden“. An der Offenbacher Straße vorm Bepo-Kreisel, wo später der ebenfalls beschlossene stationäre Blitzer seinen Dienst aufnehmen soll, steht er „seit Mitte der Woche für rund zehn Tage“.

Kuriose Blitzer-Bilder: Die verrücktesten Radarfotos

Künftig soll „mit zwei Anhängern gewährleistet werden, dass sich Verkehrsteilnehmer nicht darauf verlassen können – wenn sie einen Anhänger passiert haben –, dass keine weitere Überwachung folgt“. Sprich: Die Blitzer können und sollen auch im kurzen Abstand hintereinander platziert werden. Genehmigungen beantragt – die Trailer brauchen welche, obwohl sie mobil sind – habe die Stadt für rund 20 Standorte. Der aktuelle Aufstellpunkt habe, wie sechs weitere, dieses Prozedere bereits durchlaufen. Die anderen sollen bald folgen. Unter anderem auf der Liste stehen Punkte vor der Dietesheimer Kulturhalle an der Fichtestraße, wo mal ein fester Blitzer war, in der Rodaustraße, an der Mühlheimer Straße als Lämmerspieler Ortseingang, an der Markwaldschule und der Lämmerspieler Straße als Südseite des Mühlheimer S-Bahn-Halts und in der Forsthausstraße.

Die Version des angemieteten Trailers könne dank ihrer größeren Batteriekapazität bis zu zwölf Tage an einem Standort autark messen. Dann muss sie ans Ladegerät, was ein größerer Aufwand sei, für den das Feuerwehrhaus vorgesehen ist, damit der Anhänger während des Ladens vor dem Zugriff Unbefugter geschützt ist. Für die Fahrten zum Einsatz verfüge der Trailer „im Gegensatz zur Standzeit selbstverständlich über ein gesiegeltes Nummernschild“. In sozialen Netzwerken war schon gewitzelt worden, den Abschleppdienst zu alarmieren, weil der Blitzer kein gültiges Kennzeichen trage.

Apps fürs Auto: Diese digitalen Helfer sind wirklich nützlich

Überwachen kann der neue Blitzer bis zu drei Fahrbahnen gleichzeitig. An der Offenbacher Straße wirkt er offensichtlich bereits – nachdem laut Tybussek alleine am ersten Tag rund 100 Überschreitungen der Höchstgeschwindigkeit registriert worden seien.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare