Etappensieg auf Stelzen

Erweiterungsbau des Friedrich-Ebert-Gymnasiums nimmt Gestalt an

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Acht neue Klassenzimmer mit je 60 Quadratmetern für 240 Schüler im 11,60 Meter hohen Stelzenbau: die FEG-Erweiterungsimmobilie gestern.

Mühlheim - Warten ist nicht gleich Warten. In den Jahren, in denen Mühlheims beengtes Friedrich-Ebert-Gymnasium mit seinem Ruf nach räumlicher Erleichterung auf eine harte Geduldsprobe gestellt wurde, war’s was sehr Deprimierendes. Von Marcus Reinsch 

Seit acht Extra-Klassenräume auf Stelzen für 2,3 Millionen Euro gebaut werden, herrscht eher Vorfreude. Nach ihrer Fertigstellung, angepeilt fürs Frühjahr, ist der nächste Engpass allerdings schon in Sichtweite. Stelzen sind was für Kindergeburtstage. Und für Architekten, die einen Bau auf ein Grundstück planen müssen, das eigentlich keinen Platz mehr hat. So war es beim Mühlheimer Friedrich-Ebert-Gymnasium (FEG), dem kleinsten im ganzen Kreis. Eingezwängt im räumlichen Korsett von Gerhart-Hauptmann-Straße, Seewiese, Pestalozzistraße und Haupt- und Realschule, bot sich als einzige Erweiterungschance etwas Zweckmäßiges auf langen Betonpfählen an (wir berichteten).

Das Richtfest sei mit der Fertigstellung des Rohbaus im Herbst geplant, richtet die Kreis-Sprecherin Ursula Luh gestern auf Anfrage unserer Zeitung aus. Die Fertigstellung sei dann im Frühjahr nächsten Jahres zu erwarten, der mit 2,3 Millionen Euro aus dem Kommunalen Investitions-Programm (KIP) des Bundes veranschlagte Neubau an der Heinestraße also „voll im Zeitplan“.

Wie er aussehen wird, ist schon jetzt ganz gut zu erkennen. Schulleiter Stefan Sturm kann den Fortschritt live mitverfolgen. Der luftige Unterbau ist längst da, auf der ersten echten Etage stehen mittlerweile die Mauern der zweiten. Äußerlich fehlt eigentlich nur noch der Deckel. Bis zum Boden reichen nur besagte Stelzen und zwei Treppenhäuser, unter dem so entstandenen Dach werden sich ein Teil von Tartanbahn und Schulhof den Platz teilen. Untergebracht werden müssen in dem Gebäude acht Klassenräume für bis zu 240 Schüler.

Einschulung 2018 in Mühlheim, Obertshausen und Heusenstamm: Bilder

Wermutstropfen: Die Schulerweiterung verhält sich in etwa wie der Bau einer Autobahn: Kaum ist was fertig, ist es eigentlich auch schon wieder zu klein. Zum Spatenstich der Erweiterung im März gab es 800 Schüler. Nach den Osterferien 2019 muss Sturm dann wohl schon 850 unterbringen. Denn Mühlheim wächst, was mehr Schüler bringt. Ebenso wie die sich über mehrere Jahre hinziehende Rückkehr von der achtjährigen (G8) zur neunjährigen (G9) Gymnasialzeit zwischen der fünften Klasse und dem Abitur und der Umstand, dass immer weniger junge Mühlheimer in anderen Orten zur Schule gehen wollen.

Sturm sagt, er sei natürlich glücklich über die Erweiterung – und übt sich ansonsten in Diplomatie. Er freue sich „darauf, dass nächstes Jahr die Zahl der Räume mit der Zahl der Schüler zusammenpasst“. Nach den aktuellen Prognosen dürfte die Überwindung der Platzknappheit allerdings nur eine sehr begrenzte Haltbarkeit haben. Der neue Schulentwicklungsplan jedenfalls prophezeit dem Mühlheimer Friedrich-Ebert-Gymnasium in acht bis zehn Jahren knapp 1200 Schüler.

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