Wenn die Mutter daneben sitzt

Etwa ein Drittel der Mühlheimer Grundschüler besucht den Präsenzunterricht

Die Geschwister-Scholl-Schule von außen
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Die Schüler der Geschwister-Scholl-Schule, wie auch die der anderen Mühlheimer Schulen, lernen derzeit Zuhause. Nur ein Teil kommt zum Präsenzunterricht.

Seit dem Ende der Winterferien sind zwei Wochen vergangen, doch von einem Normalbetrieb an den Schulen kann nicht die Rede sein. An Grundschulen sowie in den Jahrgangsstufen fünf und sechs hat das hessische Kultusministerium die Präsenzpflicht ausgesetzt, Schüler sollen, „wann immer möglich“, zu Hause betreut werden, heißt es. Sollten nicht ausreichend Abstände in den Klassenräumen gewährleistet werden können, gilt nun auch für die Jüngsten eine Maskenpflicht während des Unterrichts.

Mühlheim - Für Schüler ab der Jahrgangsstufe sieben soll komplett auf Distanzunterricht umgestellt werden, eine Ausnahme bilden die Abschlussklassen. Doch wie setzen die Schulen die Vorgaben des Kultusministeriums um? Unsere Redaktion hat sich an den Mühlheimer Schulen umgehört.

„Insgesamt funktioniert es ganz gut“, berichtet Yvonne Botsch, Leiterin der Goetheschule. Sie habe allerdings die Rückmeldung von Eltern erhalten, dass den Schülern das gemeinsame Lernen fehle. Etwa ein Drittel der Goetheschüler besucht derzeit den Präsenzunterricht, der Rest wird aus der Ferne unterrichtet. „Wir nutzen unter anderem eine App, über die unsere Lehrkräfte Wochen- und Tagespläne, Arbeitsmaterialien sowie Lehrfilme verschicken können.“ Für Einzelgespräche und Kleingruppen gebe es bei Bedarf Videounterricht, „unsere Förder-Lehrkräfte laden auch einzelne Schüler ein“, so die Schulleiterin. „Es ist schwierig, dafür zu sorgen, dass niemand auf der Strecke bleibt“, räumt sie ein. Außerdem sei es eine Herausforderung und für die Lehrkräfte eine Doppelbelastung, Präsenz- und Fernunterricht gleichzeitig zu organisieren.

Auch in der Geschwister-Scholl-Schule nimmt etwa ein Drittel der Schüler am Präsenzunterricht teil. „Es werden von Woche zu Woche mehr“, berichtet Heike Bauer, die stellvertretende Schulleiterin. Für die Schüler, die daheim bleiben, gibt es wöchentlich eine Mappe mit Arbeitsmaterial, außerdem bieten die Lehrer täglich Onlineunterricht an. „Wir können das aber nur leisten, wenn nicht so viele Kinder im Präsenzunterricht sind.“ Viele Eltern nähmen die Bitte, ihre Kinder nach Möglichkeit daheim zu betreuen sehr ernst, „aber es gibt auch Familien, deren Kinder in der Klasse sitzen, obwohl wir wissen, dass sie zu Hause betreut werden können“. Sie wünsche sich ein Wechselunterricht-Modell: „Es wäre besser, wenn das klar geregelt ist.“ Bei der derzeitigen Regelung werde die Verantwortung an die Eltern weitergegeben, von denen es einige dann nicht so ernst nähmen.

Silke Traser, Leiterin der Markwaldschule, plädiert ebenfalls für den Wechselunterricht: „Die Versorgung der Kinder wäre gerechter verteilt und es gäbe eine klare Regelung, wer wann in die Schule kommen darf.“ Auch an ihrer Grundschule besuchen etwa 30 Prozent der Schüler den Unterricht, für den Rest wird zweimal wöchentlich Videounterricht angeboten und es finden pro Woche zwei Telefonkonferenzen statt – „nur für Kinder“, betont Traser. Denn dass übereifrige Eltern durchaus zu einem Problem werden können, haben auch ihre Kolleginnen an den anderen Schulen festgestellt: „Es ist auch schonmal passiert, dass eine Mutter im Hintergrund die richtige Antwort vorgesagt hat“, berichtet Yvonne Botsch. Und Heike Bauer berichtet, dass Eltern während es Onlineunterrichts neben ihren Kindern saßen und sie sogar tadelten, wenn sie etwas falsch machten. „Bei den älteren Schülern sollten sich die Eltern komplett raushalten“, wünscht sie sich.

Am Friedrich-Ebert-Gymnasium hat man sich derweil mit der Situation einigermaßen gut arrangiert: „Die meisten Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler kommen mit der Umsetzung des Distanzunterrichtes gut zurecht. In Einzelfällen tut sich der eine oder die andere natürlich auch mal ein bisschen schwer, aber das ist normal und in einer Schulgemeinde durchaus zu erwarten“, berichtet Schulleiter Stefan Sturm. „Die Rückmeldungen sind bisher überwiegend positiv, wenngleich die ungewohnten Belastungen für alle Beteiligten nicht verschwiegen werden sollten. (Von Niels Britsch)

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