Extrem hoch belastet

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Nur auf den ersten Blick sauber: Die Mündung der Bieber in die Rodau gestern Nachmittag.

Mühlheim - Rodau und Bieber gehören zu den am stärksten verschmutzten Gewässern in Hessen. Dr. Peter Seel vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie in Wiesbaden bestätigte Recherchen unserer Zeitung: „Sowohl Rodau als auch Bieber führen einen extrem hohen Anteil von in Kläranlagen gereinigtem Wasser mit sich. Von Heiko Wiegand

Beide Gewässer liegen in dieser Hinsicht im hessenweiten Vergleich an der Spitze.“ Dabei so Seel, spiele es gar keine Rolle, dass die Qualität des eingeleiteten Wassers aus den Kläranlagen den gesetzlichen Mindeststandards entspreche. In diesem Fall gehe es eher um das Mischungsverhältnis von „natürlichem Bachwasser“ und geklärtem Wasser. Die Gewässergüteklasse entspreche demzufolge der Stufe III bis IV, bestätigte Seel. Dies ist die Kategorie „sehr stark verschmutzt“.

Hauptproblem: der extrem hohe Anteil an Fäkal-Keimen in Rodau und Bieber. „Dies stellt zwar kein Problem bei einem einfachen Hautkontakt dar. Wird dieses Wasser allerdings geschluckt, kann dies - gerade bei Kindern - zu verschiedenen Infektionen führen“, so Seel. An oder in den Bächen zu spielen oder gar darin zu baden - davon rät der Umweltexperte deutlich ab.

Die problematische Wasserqualität zeige sich vor allem in biologischen Qualitätskriterien. Kleinkrebse oder kleine Schnecken lebten an Rodau und Bieber nur in eingeschränkter Zahl; auch mit bestimmten Fisch- und Pflanzensorten - wie etwa den Kieselalgen - sehe es in diesen Lebensräumen eher schlecht aus.

Im Mühlheimer Rathaus sieht man sich geografisch am Ende einer Kette, kurz vor der Mündung in den Main. „Es ist bekannt, dass die beiden Bäche ohne das geklärte Wasser etwa aus Rodgau so gut wie kein Wasser führen würden“, sagte Reinhard Langendorf, Fachbereichsleiter Bauen und Liegenschaften bei der Stadt, im Gespräch mit unserer Zeitung. Nach einem Starkregen gerate immer wieder verdünntes Abwasser in die Rodau. Und im vergangenen Jahr habe es in dem Flüsschen ein Fischsterben gegeben.

„Ganze Generationen haben an einer Kloake gelebt“

Tatsache ist aber auch, dass die Wasserqualität in den vergangenen Jahren immer besser geworden ist. Ganze Generationen haben doch früher an einer Kloake gelebt. Der Zustand beider Gewässer ist so gut wie er noch nie war.“

Langendorf stellt zudem die Frage, was man aus der festgestellten Gewässergüte folgern solle. „Die Konsequenz kann ja wohl nicht sein, dass man jetzt überall Schilder aufstellt.“ Vielmehr müsse an den Ursachen gearbeitet werden, so der Fachbereichsleiter.

Im September trifft sich Mühlheims Bürgermeister Bernd Müller (CDU) mit den Rathauschefs der Rodau-Anliegergemeinden Rödermark, Rodgau und Obertshausen, um unter anderem auch dieses Thema anzusprechen.

In diesem Zusammenhang weist Mühlheims Erster Stadtrat Heinz Hölzel klar darauf hin, dass es sich bei der Rodau-Mündung keinesfalls um eine Badebucht handele. Dies sei viel zu gefährlich, so Hölzel.

Erst in der vergangenen Woche war ein Mädchen aus Mühlheim fast ums Leben gekommen, als es offenbar in der Rodaumündung badete und anschließend von einem beherzten Ruderer fast in der Flussmitte aus dem Wasser gezogen wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Mädchen bereits mit seinen Schwimmbewegungen aufgehört.

Von Mühlen und Klärwerken

Die Rodau entspringt in der Nähe von Rödermark-Urberach

Mit 27,6 Kilometern Länge ist die Rodau ein linker Zufluss des Mains. Sie entspringt westlich des Rödermarker Ortsteils Urberach, durchfließt anschließend Urberach und Ober-Roden, alle fünf Rodgauer Stadtteile sowie die Gemarkung Obertshausen und Lämmerspiel. Bei Mühlheim fließt der Bieberbach in die Rodau. Einige hundert Meter weiter mündet der Bach in einem erst jüngst neugestalteten und renaturierten Delta in den Main. An dem Bach befanden sich in der Vergangenheit insgesamt zwölf Mühlen, fünf davon kann man als Gebäude noch erkennen. An der Rodau liegen zwischen Ober-Roden und Nieder-Roden das Gruppenklärwerk der Stadt Rödermark und zwischen Weiskirchen und Obertshausen das Klärwerk der Stadt Rodgau.

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