Kreis bestätigt Gespräche

Fähre: Grundlage für Neubeginn

Mühlheim - Im politischen Wirrwarr, das seit Stilllegung der Mühlheimer Fähre letzten Oktober herrscht, hat sich ein wohl entscheidender Knoten gelöst: Der Kreis hat das ihm gehörende Gefährt zurück. Von Marcus Reinsch

Darüber informierte die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger den Bauausschuss des Mühlheimer Stadtparlaments.
Dass die seit Oktober am Dörnigheimer Ufer liegende Mühlheimer Fähre nun wie ein Speedboot in die Zukunft düsen wird, ist unwahrscheinlich. Aber zumindest eine mächtige Bremse ist gelöst: Die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (CDU) hat den Bauausschuss des Stadtparlaments am Mittwochabend darüber in Kenntnis gesetzt, dass der Kreis das Gefährt seit dem Jahreswechsel wieder hat. Die entscheidende Frage ist nun, ob er es auch tatsächlich wieder in Bewegung setzt.

Momentan, erklärte die Kreis-Sprecherin Cordula Egenolf gestern auf Anfrage unserer Zeitung, gebe es „im Rahmen eines Markt-Erkundungsverfahrens Gespräche mit sechs Interessenten“. Danach werde über den nächsten Schritt entschieden. Dass sich potenzielle künftige Betreiber gemeldet haben, hatte vor einigen Wochen auch schon Landrat Oliver Quilling (CDU) gesagt.

Die Mühlheimer Sozialdemokraten fassen die Jäger-Visite im Ausschuss so zusammen: Dem Kreis sei es „nach der unvermeidbaren sofortigen und fristlosen Kündigung des Pachtvertrags“ gelungen, „Eigentum und Besitz der Fähre zu sichern und zu übernehmen“. Das klingt zwar erst mal nach einer Selbstverständlichkeit. Ganz so einfach war’s dann – wie oft, wenn Kontrahenten einen gemeinsamen juristischen Nenner suchen und die Gefahr eines Zeit und Geld kostenden Rechtsstreits wie ein Damoklesschwert über den Verhandlungen pendelt – aber doch nicht.

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Zumindest dieses Fragezeichen ist also beseitigt. „Wir sind froh, dass der Kreis Offenbach seiner Aufgabe nachgekommen ist und ohne langwierigen Rechtsstreit die Grundlage für einen Neubetrieb der Fähre geschaffen hat“, schrieb gestern der sozialdemokratische Stadtverordnete Karlheinz Schmunck. Außerdem begrüße die SPD-Fraktion die auch von Jäger geschilderten Gespräche mit potenziellen Betreibern. Dass sich das Landratsamt auch mit den rechtlichen Rahmenbedingungen zur Neuvergabe des Fährenbetriebs an einen anderen Pächter befasse, zeige, „wie ernst dem Kreis die Wiederaufnahme der Fährverbindung ist und vor allem, dass nicht auf Zeit gespielt wird.“ Da sei Jäger zu danken, sagte Schmunck.

Aus ihren Zweifeln, dass der Kreis die Fähre überhaupt wieder losschicken will, hat bisher vor allem die Opposition in Stadt und Kreis keinen Hehl gemacht. Im Grunde werfen sich die Lager in bemerkenswerter Regelmäßigkeit vor, mit den Ängsten der Mühlheimer um ihre Fähre zu spielen, indem sie nichts tun (Vorwurf Opposition an Koalition) oder den Teufel Nichtbetrieb an die Wand malen (Vorwurf Koalition an Opposition).

Vor und nach der Stilllegung gab es im Stadtparlament beispielsweise Streit über die Frage, ob die Stadt dem Kreis Offenbach Geld für den Weiterbetrieb der Verbindung nach Dörnigheim anbieten sollte. Das wies die SPD/CDU-Koalition mehrfach vehement zurück, weil da ausschließlich der Kreis in der Pflicht sei und jede finanzielle Offerte der Stadt deren Verhandlungsposition schwäche. Zwischenzeitlich hatte seinerseits der Main-Kinzig-Kreis 15.000 Euro Beteiligung an Sanierungs- und Modernisierungskosten angeboten, weil ja auch seine Bürger vom Pendelverkehr profitieren.

Nichts geht mehr: Mainfähre außer Betrieb

Etwas später rückte das Thema auch aus den Parlamentssälen heraus, allerdings mit Hilfe der Grünen. Auf der Internetplattform change.org haben bisher gut 2100 Menschen für eine Fährenzukunft signiert. Darüber hinaus wird gerade die Gründung einer überparteilichen Bürgerinitiative mit diesem Ziel vorgedacht. Und wie berichtet liegt der nächsten Stadtverordnetenversammlung (1. März, 18 Uhr, Rathaus, Friedensstraße 20) ein Antrag der Grünen vor, wenigstens für Fußgänger und Radfahrer eine Behelfsfähre einzurichten.

Dieser Vorstoß ist wohl chancenlos. Gestern jedenfalls ließ die SPD schon mal ihren Gegenwind pusten: Der Vorschlag sei „für die Wiederherstellung der Kreisverbindung über den Main ein teurer Einfall im Sinne einer vermeintlichen touristischen Attraktion, aber keine Lösung für die Herausforderungen in der realen Verkehrspolitik“.

Die SPD könne „die Sorgen und Nöte der Bürgerschaft verstehen, die schnell eine Fährverbindung benötigt“. Sie bitte aber „um die notwendige Geduld. Leider geht es bei öffentlich-rechtlichen Vorgängen nicht immer so schnell, wie es sich alle Beteiligten vorstellen oder wünschen.“ Schlimmer wäre, „wenn es keine Interessenten gäbe, die zu akzeptablen Bedingungen einen Fährbetrieb übernehmen würden. Dann müsste die Situation neu bewertet werden, danach sieht es jetzt aber nicht aus“.

Rubriklistenbild: © Yvonne Fitzenberger

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