Lämmerspieler rufen "Helau" 

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Meike Kuckenburg und Jens Niklaus als Ehepaar, das sich im Schlagabtausch nichts schenkt.

Mühlheim -  „Helau“ rufen die Narren in Lämmerspiel. Jedoch variiert: Dreimal im Stakkato ist es richtig, wie Karl-Christian Schelzke, der Vorsitzende der Tanzsport- und Karnevalsgesellschaft Sonnau, zu Beginn der Sitzung in der Roten Warte demonstriert. Von Stefan Mangold

Zur Fastnacht gehört auch spezielles Liedgut. Richard Kress begleitet sich an seiner Orgel zu der Behauptung, der Anton aus Tirol zu sein. In „So ein Tag, so wunderschön wie heute“, stimmen die bis zum letzten Platz gefüllten Reihen mit ein, bevor es eigentlich losgeht. Den guten Besuch erklärt Schelzke damit, Eingeladenen gedroht zu haben, sie fänden sich im Falle ihrer Abstinenz als Figuren im Bürgermeisterkabarett wieder. So wie „der stadtbekannte Querulant“, von dem Bürgermeister Daniel Tybussek erzählt. Der sei grußlos mit der Frage in seinem Vorzimmer erschienen: „Ist der Bürgermeister da?“. Die Sekretärin verneinte. „Aber ich habe ihn durch Fenster gesehen!“ „Er sie auch.“ Schelzke drückt das flaue Gefühl der SPD-Genossen aus, bei der Wahl des Kanzlerkandidaten auf einen hinkenden Gaul gesetzt zu haben. Steinbrück habe jetzt schon ein Theaterengagement sicher: „Die Hauptrolle in Tod eines Vortragsreisenden.“ Böse. Und schön.

"Schatzi schenk mir ein Foto"

Durchs Programm führt Harry Bauer, der auch gesanglich mit Hits wie „Schatzi, schenk mir ein Foto“ brilliert, ebenso wie Jens Niklaus in seiner Rolle als zahnloser Nachtwächter, den niemand versteht, weil er auf Anraten des Zahnarzt nächtens sein Gebiss im Wasserglas versenkt. Um die vermeintlichen Vorzüge von Stadt- und Landleben geht es im Disput zwischen Waltrude Giebel und Elke Kleinhenz. Die zieht urbane Promiskuität ländlicher Treue vor und fragt ihr Gegenüber verwundert: „Hast du immer nur den einen? Wie furchtbar, will ich meinen.“

Doppelt tritt Frieder Gruber auf. Zum einen als musikalischer Leiter des Sextetts der Altstadtsänger, das sich ebenfalls von Schatzi ein Foto wünscht, zum anderen als in die Jahre gekommener Ehemann, der über den eigenen Verfall nonchalant hinwegsieht, den von Gattin und Jugendliebe jedoch unerbittlich kommentiert: „Du treulose Mutter, wie du aussiehst, stehst du gut im Futter.“

Zweisamkeit zur Fastnacht

Die Zweisamkeit ist ohnehin ständiges Thema zur Fastnacht. Die Hölle ist immer der andere. Wie bei Meike Kuckenburg und Jens Niklaus als Egon und Agathe. Dievisioniert, „es wäre schön, wenn Du ein bisschen geil wärst, Egon“ „Es wäre geil, wenn Du ein bisschen schön wärst, Agathe.“

Eher abstrakt beklagt sich Karin Wagner über die Männerwelt, die sich in Fragen von Haushalt und Kindererziehung aus der Verantwortung stehle. Konsequenzen scheut sie aus Angst um gekappte Versorgung: „Ich wills net verderbe, drum mach ich halt und seis nur wege dene ihrm Gehalt.“

Bilder von der Sitzung

Sitzung der Tanzsport- und Karnevalsgesellschaft Sonnau

Harry Bauer bittet eindringlich die Männer, an sich zu halten, als er die Girlz aus Rodgau ankündigt. Das Trio der bestens trainierten sehr jungen Frauen zeigt akrobatischen Rock’n’ Roll vom Feinsten. Andy Sommer bringt mit seiner Schlagerparade den Saal zum Stehen. Der Bauchredner Andy Franz tritt auch in diesem Jahr mit seinem Alter Ego auf, dem schrulligen Conrad, der so oft die Überbleibsel geschiedener Frauen wegpackte, „dass im Keller die Kisten bis zur Decke stehen“. Pali, der King of the Twist aus Mainz, begeistert mit professionellem Auftritt.

Als Wohnort des wegen Geldwäsche verurteilten ehemaligen Landesministers Volker Hoff aus Mühlheim vermutet Karl-Christian Schelzke den Briefkasten am Haus seiner Mutter: „Wegen des Postgeheimnisses ist er dort vor Ermittlungen sicher.“

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