„Fasching im Homeoffice“

Lämmerspieler Carneval-Verein bringt das Dreigestirn nach Hause

Fastnacht während der Pandemie: Das Prinzenpaar grüßt aus dem Homeoffice.
+
Fastnacht während der Pandemie: Das Prinzenpaar grüßt aus dem Homeoffice.

Wie kann die Fastnacht auf den letzten Metern noch gerettet werden? Viele Karnevalisten setzen in der ersten Kampagne im Corona-Zeitalter auf Kamera, Internet-Übertragung und Handy-Kino. „Live oder gar nicht“, sagt der Lämmerspieler Carneval-Verein (LCV) und besinnt sich auf eine andere Kernkompetenz: Geselligkeit bei leckerem Essen und prickelnden Getränken.

Mühlheim – „Fasching im Homeoffice“ nennen sie ihr Programm und bringen am Fastnachtsamstag das Dreigestirn nach Hause: „Prinz“, „Jungfrau“ und „Bäuerlein“ standen zur Wahl. Die hochprozentigen Gedecke werden mit Bollerwagen an alle ausgefahren, die bis zum Wochenende bestellt haben. Am Sonntag kann dann der „Fastnachtsschmaus“ am LCV-Heim abgeholt werden, Rippchen, Rindswurst oder Frankfurter mit Sauerkraut. Das vierte Paket enthält hausgemachten Blechkuchen. An Aschermittwoch steht dann noch Heringssalat mit Pellkartoffeln auf dem närrischen Speiseplan.

Dabei ist das Lämmerspieler Prinzenpaar durchaus technikaffin. Christian I. und Stefanie II. haben Videos aufgenommen, Kindergruppen und Garden zu Spielen, Tänzen und Wettbewerben motiviert. Der Nachwuchs sollte sich in Kostümen vorm Vereinsheim fotografieren, etwas reimen, Girlanden basteln. „Wir wollten vor allem die Jüngeren bei Laune halten“, erläutert ihre Lieblichkeit. „Sie haben sich sehr gefreut und geschrieben, dass sie das Tanzen vermissen“, teilt die Trainerin mit, die mit Stephanie Straub die Midis und die Prinzengarde leitet. Die Tollitäten bleiben auf dem Thron. Sie senden Grüße an Vereine, die online feiern, und veröffentlichen Fotos von der letzten Kampagne. Fürs Fastnachtswochenende haben sie sich ein paar Überraschungen ausgedacht.

Mit einem Brief an die 380 Mitglieder und auf Flugblättern bitten sie um Spenden, weil das „LCV-Piratenschiff im Trockendock steht, die Kostenuhr aber weiterläuft“: Das Vereinsheim verschlinge Ausgaben für Heizung und Versicherung. Ab Mitte März wollen die Narren Freundschaftsbänder anbieten, da die Einnahmen von 1 000 Gästen ihres Oktoberfests fehlen, von Kampagneneröffnung, drei Sitzungen, Maskenball, Zugstand und internen Treffen an der Theke. „Die Vereinsförderung des Landes Hessen funktioniert“, lobt Vorsitzende Sandra Frey, die Arbeit des Steuerberaters sei jedoch aufwendig. „Und ein Ende ist nicht absehbar, keiner weiß, wann einmal wieder Großveranstaltungen erlaubt werden.“

Bis Oktober war das Tanztraining möglich, jetzt besprechen sich die Gruppen über die Webcam – „das Maximale, das geht“. Chefin Frey berichtet, „der Organisationsaufwand unter den Erlassen ist enorm“. Das blutrote Fastnachtsheft ist aber fertig, es liegt in den Geschäften aus. Die Vorsitzende dankt Torsten Schuth und seinem Team, den Sponsoren und Anzeigenkunden. „Die Fastnacht ist zerschlagen, wir waren beim Planen immer wieder enttäuscht, bleiben jedoch optimistisch-realistisch. Es ist alles, außer gewöhnlich“. (Von Michael Prochnow)

Infos im Internet: lcv1952.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare