Ehrenbrief für Gerhard Kaspar

Ein fast echter Ureinwohner

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Bürgermeister Daniel Tybussek (Zweiter von links) übergibt Gerhard Kaspar den Ehrenbrief der Stadt Mühlheim. Mit dabei sind Ehefrau Ingeborg Kasper, der junge Kerbevadder Benjamin Lex (links) und der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Udo Parakenings.

Mühlheim - Gerhard Kaspar müsste eigentlich den Vornamen Hans tragen. Aber so ist’s halt ein „Gerhard Dampf in allen Gassen“, dessen Wirken in den vergangenen Jahrzehnten seiner Wahlheimat Dietesheim in mehr als einer Hinsicht gut getan hat. Von Stefan Mangold 

Dafür kann sich der Mann mit dem Ehrenbrief der Stadt eine Auszeichnung einrahmen, die nicht jeder bekommt. Gemessen an der Zuverlässigkeit der Mühlheimer Buschtrommel sehr erstaunlich. Doch Gerhard Kaspar hatte tatsächlich keinen blassen Schimmer, was ihn erwartet. Nach ein paar Minuten Gespräch am Rande der Dietesheimer Kerb im Hof des Schwesternwohnheims fragt der Mann gänzlich ahnungslos „Wie komm ich eigentlich zu der Ehre?“ Ein bisschen dämmert ihm dann etwas, als Daniel Tybussek am Tisch auftaucht und verkündet: „Wir fangen bald an“.

Der Bürgermeister überreicht Gerhard Kaspar den Ehrenbrief, eine der hohen Auszeichnungen der Stadt. Damit ehre Mühlheim „eine Persönlichkeit, die sich anerkennenswerte Verdienste im Vereinsleben unserer Heimatstadt erworben hat“, trägt Tybussek vor.

Wer Gerhard Kaspar sprechen hört, kommt nicht auf die Idee, dass es den 70-Jährigen erst im Alter von Elf Jahren aus dem Oberfränkischen Kulmbach nach Dietesheim zog. Der Mann ist ein Beispiel perfekt gelungener „Integration“: Kaspar babbelt formidables Hessisch. Den Dialekt seiner frühen Kindheit, den beherrsche er zwar immer noch, versichert er. „Aber nur, wenn ich in Kulmbach zu Besuch bin“.

Natürlich habe er damals in Dietesheim erst mal eine geschlossene Gesellschaft angetroffen. Anschluss fand der junge Gerhard schließlich über die Freiwillige Feuerwehr. Über Jahrzehnte fuhr der Mann, parallel zu seinem Dienst als Polizist in Offenbach, mit den Kameraden zu Einsätzen raus. In Erinnerung blieb ihm etwa ein Unfall zwischen Dietesheim und Steinheim zu Silvester. Als Kaspar am Auto erschien, das gegen einen Baum gefahren war, lebte nur noch einer der vier Insassen. Der vierte starb im Krankenhaus. Sowas brennt sich ein, da gibt es keine Gewöhnung.

Im Text des Ehrenbriefes finden sich auch Kaspars Engagement als Vorsitzender des Schulelternbeirates an Dietesheims Geschwister-Scholl-Grundschule und seine Mitgliedschaften in der Kolpingfamilie und im Pfarrgemeinderat von St. Sebastian.

Dass Tybussek den Ehrenbrief während der Dietesheimer Kerb überreicht, ist natürlich ebenfalls alles andere als ein Zufall. Kaspar hatte eben noch an der der Essensausgabe geholfen. Seit 40 Jahren, so gut wie von Anfang an also, ist er bei der Kerb mit von der Partie. Später habe ihn der damalige Bürgermeister Karl-Christian Schelzke angesprochen, ob er nicht die Nachfolge von Kerbmeister Seppel Lerch antreten wolle. Kaspar wollte. Als Kopf der Organisation fielen so wichtige wie bisweilen lästige Details wie die Absperrungen in sein Ressort. Eine Fingerübung für einen Polizisten. Was die Infrastruktur im Hof des Schwesternwohnheims betrifft, die Verlegung von Abwasserkanal und Leitungen, die Installation von Küche und Bar, kamen ihm die Kenntnisse aus seinem ersten Beruf zu Gute, dem des Elektroinstallateurs.

Eine Besonderheit der Kerb in Dietesheim liegt darin, dass sie keine Nachwuchsprobleme kennt, weder, was die Besucher betrifft, noch bei der Organisation. „Die Jungen führen jetzt weiter, was wir aufgebaut haben“, freut sich der Geehrte etwa über den erst 33-jährigen Kerbvadder Benjamin Lex. Von ihm verspricht sich Pfarrgemeinderatsvorsitzender Udo Parakenings nichts Unbescheidenes: „Der wird das noch dreißig Jahre weiter machen.“

Für alle Helfer gelte: „Wenn die Frauen nicht mitmachen, kannst du’s vergessen“. Kaspar weiß, wovon er spricht. Seiner Gattin Ingeborg habe er viel zugemutet, „die musste sich manchmal fragen, wo ich eigentlich wohne, bei ihr oder im Hof“.

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