Sonnau-Sitzung

Kabarett und flotte Klänge

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Wer bei einer Fastnachtssitzung einen Fotoapparat dabei hat (und ihn benutzt), hat später etwas zu zeigen.

Mühlheim - Sonnau verfeinert ihren neuen Stil, der das Vereinsheim der Rote-Warte-Siedler mit Schwung durch deutsche Schlager erfüllt. Klassische Bütt bleibt aber auch im Programm. Von Michael Prochnow 

Sechs Karnevalvereine regieren derzeit die Mühlenstadt, zählte Karl-Christian Schelzke auf, „ohne Feuerwehr und Kappenträger“. Und jeder feiert eine Fastnachtssitzung mit ganz eigenem Charakter, schickte der Sonnau-Vorsitzende voraus. Am Samstagabend verfeinerte die Tanzsport- und Karnevalsgesellschaft  (TKG) ihren neuen Stil, der das Heim der Siedlergemeinschaft Rote Warte mit Schwung durch deutschen Schlager erfüllte. Auch das einzigartige Bürgermeister-Kabarett schärfte sein Profil.

Die Sonnau-Spezialität kam mit viel Feuer daher. Schelzke hätten sie am höchsten Dietesheimer Feiertag die Basaltfahne geklaut, mit Mast, brüllte der einstige Rathauschef. Der aktuelle, Daniel Tybussek, schleppte beides auf die Bühne. Vielleicht sei Tybussek auch der Täter, vermutete der Sonnau-Chef. „Wähler, gib mir die Stimme, und ich versprech’ dir was dafür“, plärrte der Amtierende zu „Schatzi, schenk mir ein Foto“.

Die Version 2014 des Kabaretts ist energischer, bewegender und musikalischer. Sofa statt Bütt’, das ist ihr Markenzeichen, aber diesmal hielt es sie nicht lange auf dem Hintern. Der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds plauderte von fernen Kollegen und von Politikern in Berlin. Sehr talentiert und lautstark gab Tybussek den Reich-Ranicki, unterbrochen vom „dreifach kurzen Helau“ des Vorvorgängers. Conferencier Harry Bauer übernahm die Moderation mit einem Lied über den jüngst gekürten Ritter Stephan Mündelein und brachte später Stimmung mit Klassikern von Sponheimer und Rosenberg. Als Gottlieb Wendehals im karierten Jackett gelang es ihm, Besucher und Stühle zu trennen.

Nachtwächter der Roten Warte

An flotten Klängen mangelte es nicht im Programm der Sonnau, Karly, „the king of twist“, rockte den Saal als Elvis von der Roten Warte, mit einem Medley internationaler und deutscher Hits aus den 70ern.

Wer bei einer Fastnachtssitzung einen Fotoapparat dabei hat (und ihn benutzt), hat später etwas zu zeigen.

Sonnau-Barde Andy Sommer, diesmal für die Technik zuständig, verbreitete als Chris Roberts Nostalgie. Mit „Mona Lisa“ führten die Gastgeber ihre Schlager-Sause fort. Ein 28-jähriger Jünger von Jürgen Drews und Wolfgang Petri namens Daniel Silver aus Köln verwandelte die letzten freien Quadratmeter in eine Tanzfläche. „Nichts ist so ernst wie die Fastnacht“, hatte Schelzke vorsorglich gewarnt. „Das gilt aber nur für die Narren! Lachen sie also auch über die blödesten Witz, der Vortragende meint es ernst“. Noch klang Sorge aus den Worten des Vorsitzenden, ob denn die neue Form der Fastnacht ankommt. Ganz verzichtete die TKG aber auch nicht auf die klassische Bütt’.

Als „Nachtwächter der Roten Warte“ hatte Jens Niklaus die Aufgabe übernommen, der Politik das Narrenkleid überzustülpen. Für die Monat sei’s ein erfolgreicher Monat gewesen, sie sei bereits einen Monat im Amt, spielte er mit dem Namen der Ersten Stadträtin. „Wo grün raus soll, muss erst grün rein!, spielte er an: „Es gibt’se noch, die Biogasanlag’“, legte er den Finger in die Wunde und schlug vor, „macht ‘ne Brauerei draus und schenkt Freibier aus!“

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Fastnachtssitzung der Sonnau

Der Müllerborsch solle net die Commerzbank-Arena rocken, sondern beim Gesangverein Eintracht singen, empfahlen zwei Nonnen. Waltrude Giebl und Elke Kleinhenz, bekannt vom Stammtisch im Dietesheimer Geflügelzuchtverein, gefielen mit witzigen Anspielungen. Und Erwin Deiß klagte über Handwerker und Ehefrau, ließ kein Vorurteil gegen das „schwache Geschlecht“ aus. Karl Feser und Carlo Schmidt mimten knackig-kurz „de’ Menk-Money un’ sein Karl“. Zuvor zogen Meike Kuckenburg und Prinz Jens Niklaus mit zerzaustem Strohhaar als „Prinzenpaar der Roten Warte“ ein. Die Präsentation mündete in wüste Beschimpfungen greiser Eheleute.

Konrad, der allzeit 84-jährige Partner von Andreas Franz, dem ausgezeichneten Bauchredner, musste vielfache „sexuelle Aktivitäten“ über sich ergehen lassen - „die Alte geht mir auf den Sack!“, lautete die Erklärung.

An alte Zeiten erinnerten drei Rodgauer Mädchen mit Aszendent nach Dietesheim. Sie hatten eine artistische Choreographie in eigener Regie erarbeitet. .Statt elfmal elf Minuten harrten die Narren bis 1.40 Uhr aus, stets unter Dampf und vom neuen indischen Wirt der Siedlergemeinschaft und seinem Team mit Speis und Trank versorgt.

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