Karnevalssause der Kolpings

Diddesems Kramwinkel-Show in Mühlheim

+
Nach drei mal elf Jahren auf dem Absprung: Dietesheims Parade-Karnevalist Wolfgang Kramwinkel inmitten seiner Jüngerinnen von den Garden.

Mühlheim - Ob er sich das nun so vorgestellt hat oder nicht: Die aktuelle Fastnachtssitzung der Kolpingfamilie Dietesheim entwickelt sich zur Wolfgang-Kramwinkel-Abschiedsshow. Von Michael Prochnow 

Sebastian dem Conferencier, der seinen Job nach dreimal elf Jahren in jüngere Hände legen möchte. Gruppen und Gäste danken im Pfarrheim von St. Garde-Mädchen aller Klassen ehrten singend „unseren Wolfgang“, der wie sie immer lächelt. „Auch wenn‘s anstrengt, es macht Spaß“, sah der oberste Kappenträger der Kinderschar und den jungen Damen an. „Du warst immer für uns da“, verabschiedete sich eine der Tänzerinnen, „selbst bei Liebeskummer“. „Ihr dürft damit immer zu mir kommen“, bekräftigte der Scheidende, dem bei der Narrensause noch manch’ ergreifender Moment bevorstand.

Weniger zu lachen gab’s beim „Mann des geschliffenen Wortes“: Seit 25 Jahren bringt Andreas Dippelhofer mit schwarzem Aktenkoffer, Kappe und Schal in den Fastnachtsfarben sein Protokoll unters Volk. Er klagte über Baustellen bei Basaltköppen und „noch auf ganz anderen Ebenen“ in der Welt. In Sachen Prinz riet er den Mühl-heimern: „Schaut doch zuerst mal nach Dietesheim“.

Neben dem Gemeindereferenten werde jetzt auch öfter der Pfarrer auf dem Fahrrad gesichtet. Vielleicht, weil noch Geld für die Kirchenrenovierung fehle. In der Messe sei „noch ‘ne Menge Platz“, der Bischofsstuhl wieder besetzt, und die „Evangolen“ und Luther spendierten 2017 noch einen Feiertag. Dagegen sparen die Banken Filialen. Zu den Geldautomaten bemerkte der Protokoller, „mal geh‘n sie, mal nicht“ und überlegte, wie nun der „Mensch reich an Jahren“ an Bares gelangt. Er forderte eine „Obergrenze für Managergehälter“ und urteilte, „Hetze im Netze ist feige und bitter“.

In Sachen Fähre möge „manche Behörde sich beeilen“. Wenig begeistert ist Dippelhofer auch von Jamaika, „eine Monarchie, hohe Arbeitslosigkeit, viele Analphabeten, Armut, Kriminalität und erdbebengefährdet“ – also doch lieber GroKo? Mit dem Zeigefinger im Handschuh verurteilte er die Straßenschlacht beim G7 in Hamburg, empfahl den BER-Flughafen als Kulturerbe, „Mahnmal der Unfähigkeit“, ebenso Stuttgart21. Das Bütten-Ass reißt auch Witze über den „Onkel aus Amerika, lästerte über Königshäuser, Macron, Machtinteressen in Spanien und Fußball-Millionäre.

Pechvogel Thomas Bihn trug seine Flügel falsch rum, Kolping-Vorsitzender Winfried Winter stellte sich als Mann am Klavier vor: „Trump was born under a wondering star“, der „Cowboy“ zieht den Colt hoffentlich nicht so schnell. Und von wegen Jamaika, in Mühlheim war das einfacher: „Gewählt – feddisch“. Für den Kramwinkel-Abschied verteilte der Musikus Taschentücher.

Die Dallas Cowboys setzten einen jungen Vater aus ihren Reihen in eine Baby-Kaufhaus-Kulisse. Der suchte aber nur einen Cowboyhut für den Kleinen. „Kondome wären billiger gekommen“ als die Einkaufswut der Mama. Mit Hexen und Rittern entführte die Katholische Jugend ins Mittelalter, brillierte mit köstlichem Wortspiel.

Originell und sexy: Faschings-Kostüme für Frauen

Die elf jungen Frauen der Stereotones forderten singend, mit Sonnenbrillen und Pettycoats: „Neue Männer braucht das Land“. Noch mehr Augenweide und Ohrenschmaus bot „Modern Dance“ mit kurzen Hosen, Netzstrümpfen und Stirnbändern. Für das Männerballett ist der Grüne See der „schönste Fleck der Welt, wo es paddelnd vorm weißen Hai flüchtete und akrobatisches Synchronschwimmen effektvoll hinter einer „Wasserfront“ übte.

Pfarrer Willi Gerd Kost begeisterte als singender „Wunderheiler“ aus der Praxis in Lämmerspiel. Statt weißem Kittel trage er aber auch künftig lieber den schwarzen Rock. Der Pfarrer-Job sei ihm nunmal „auf den Leib geschneidert“. Der Kramwinkel solle ruhig mal einen „Wolf-Gang runterschalten“: KSKS – Kost sagt Kramwinkel: super gemacht!

Mehr Heilung versprachen die Komödianten. „Fest eingerieben oder inhaliert, e Glaserl Eigenurin vom Morgenstrahl erspart Krankenhaus, Doktor und Kur, Schwindsucht und Haarausfall. Furz-Formen mit der Tuba machen Menschen froh und frei“ – der Saal tobte bis ins Finale.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare