Sitzung des Lämmerspieler Carneval-Vereins

Die WM nochmal gefeiert

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Die „Ladykracher“ humpeln mit Hexenmasken und „mit 66 Jahren“ auf die Bühne – doch dann wird gerockt.

Mühlheim - „Wie feiern wir in Zukunft Fastnacht?“ Nachhilfe erteilen die Lehrmeister vom Lämmerspieler Carneval-Verein. Nach deren Erkenntnis müssen die Narren in Fahrt kommen, ihren Rhythmus finden, und das funktioniert im Takt flotter Gassenhauer. Von Michael Prochnow 

Das bis ins Detail geschliffene Programm sieht kaum eine Nummer vor, in der nicht gesungen oder getanzt wird. Das Konzept des LCV geht auf! Die Gäste sind fast zur Hälfte Mitglieder der vielen Karnevalsvereine in ihrer Kluft, aber auch die „Zivilen“ kommen verkleidet in die TSV-Halle. Es dauert nicht lange, bis sie stehend und jubelnd die bekannten Melodien mitgrölen. Doch zunächst muss der Etikette Genüge getan werden.

Blumen und Küsschen vom Präsidenten, gereimte Verse von den Herrschern. Georg I. im dunklen Anzug und Sandra III. in einem weinroten, langen Kleid präsentieren sich und klettern auf ihren Prinzenthron, die Küken-Garde begibt sich in Positur. Sie erinnert mit Blumen-Kränzen in Schwarz-Rot-Gold an die Fußball-WM. Eröffnet haben vier Mädchen der Mini-Garde den Abend – die anderen Tänzerinnen sind krank, erklärt Sitzungspräsident Alex Franz.

Schrill gewandet stehen die „Trunkenbolde“ auf der LCV-Bühne mit deutschem Liedgut auf den Lippen: „Theo, wir fahr’n nach Lodz“ und „Rosamunde“ erfüllen den Raum. Wenn auch nicht alle Witze taufrisch sind – sie fördern die gute Laune. Joe Becker und Peter Rubin haben Verstärkung bekommen durch die Erste Commandeuse Stephi Straub.

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„Wenn Sie ein Prinzenpaar sehen wollen, drücken sie die 1!“ Geli Körner nimmt die Tücken der Technik aufs Korn, den Dialog mit Navi und SMS. Giftgrüne Strümpfe, eine Jacke wie ein Papageien-Gefieder, bananengelbes Handtäschchen und ein rosa Hütchen: „Der BH ist leer, bitte Wasser einfüllen“, fordert der Kaffeeautomat.

Der Wahrheitsgehalt wird umgehend belegt: Während ihres Vortrags fällt Angelika Körners Mikro aus und die Nebelmaschine geht in Flammen auf. Die Band Two4Fun spielt sogleich eine Warteschleifen-Musik ein. Besser klingen aber die Muntermacher, vier Damen und drei Herren, die dem Humba-Humba-Täterä zu neuem Glanz verhelfen und mit volkstümlichem Pop dem Publikum einheizen.

Die Protokoller teilen sich auf in Politik (Oli Erber), Sport (Olaf Nagel), Lokales (Jörg Krupkat und Andi Jagic) und Klatsch (Anja Tesch). Da geht’s freilich um Lokführer- und Pilotenstreik - „19 000 Euro im Monat und Rente mit 55 - die haben doch alle’n Schuss“. 7 : 1 Tore gegen Brasilien werden belacht, Erfolge im Wintersport gefeiert. Die Klatschtante erwähnt die getötete Studentin Tugce als Vorbild und erhält stehend Applaus. Aber, 1200-Jahre-Sekt? „Mir Lämmerspieler müssen unser Feste net schee saufe’!“, erinnert sie an das „Wahnsinnsfest: Unglaublich was hier geleistet wurd’ im Ort, da willste net mer fort.“

Bilder von der LCV-Sitzung

Fastnachtssitzungen des Lämmerspieler Carneval-Vereins

LCV-Chefin Sandra Frey hat eine schwere Krankheit. „Ich muss das einfach gucke’, ich hab’ wirklich en Schuss“, diagnostiziert sie ihren Hang zur Fastnacht. Sie „lebt“ in der Bütt, gestikuliert heftig und spart nicht mit Mimik. Noch einmal Fußball, das Männerballett feiert „1954, ‘74, ‘90, 2014“ mit den original Fernsehkommentaren und Trikots der Turniere.

Isidor, der Mann fürs Grobe ist „vor den Altar getreten worden“, hat die Hochzeitsnacht im Dorfhotel in Dietesheim verbracht. Dollbohrer Thomas Rau braucht nicht viel Bewegung, nur ein Schlappmaul und seine Kalauer. Die LCVler können aber auch zu zweit. Für „Ilse und Walter“ alias Claudia und Roger Fiala kommt Freude von einer blauen Pille, von der sie in höchsten Tönen schwärmen.

Die Schautanzgruppe wirbelt mit dem „Besten aus elf Jahren“ mit fast ebenso vielen Kostüm-Ideen sportlich über die Bühne. Die „Ladykracher“ humpeln mit Hexenmasken und „mit 66 Jahren“, rocken dann in Lederjacken mit Plastikgitarren. Das Finale ist Showtime mit 30 Minuten Konzert-Atmosphäre.

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