Sitzung der Kolpingfamilie

Im Dixie-Klo auf Zeitreise

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Stimmung á la Ballermann: Die Kappenträger in Fahrt.

Mühlheim - „Das Jammern wird allmählich zur Qual. “ Andreas Dippelhofer wäscht nicht nur den Dietesheimern den Basaltkopp. Aber das ist schließlich der Job eines Protokollers, und der Kappenträger der Kolpingfamilie holt bei der Sitzung im Pfarrheim St. Sebastian zum Rundumschlag aus. Von Michael Prochnow

Schlächte, früher „Mühlheimer“ genannt, bleiben da ein beliebtes Objekt für Pointen mit garantierter Reaktion – aus der einen oder der anderen Ecke des Saals.

Die kleineren Ausmaße des Raums lassen Regungen bis zur Bühne vordringen, die den Vortragenden erreichen und bewegen. Den Protokoller erfüllen noch immer Frühlingsgefühle „im Jahre Zwei mit Tybussek“ und im „Jahr der Feste“. 1000 Jahre Dietesheim, das verrät die Kulisse in rotem Pinselstrich. 40 Jahre gibt’s 2013 die Katholische Jugend, 120 Jahre St. Sebastian, 100 Jahre Wasserturm, 50 Jahre St. Lucia und Jugendfeuerwehr. Als „klugen Schachzug“ lobt er die Wahl zweier Müllerborschen, dazu aus Dietesheim.

„Hirnlose Rauchbombenwerfer“ im Eintracht-Trikot

Dippelhofer erinnert an „hirnlose Rauchbombenwerfer“ im Eintracht-Trikot, an die Biogasanlage, die es „mit aller Kraft ins Schwarzbuch geschafft“ habe. Der Kolpingbruder plädiert für einen Kompromiss, „weil’s besser für uns Bürger is’“. Das funktioniere beim Fluglärm schließlich auch.

Dank gilt allen Spendern für die Renovierung der Pfarrkirche. „Es ist doch eine Spende wert, wenn einem so eine schöne Kirch’ gehört.“ Der Pfarrer steure eine neue Limousine, Gemeindereferent Dirk Stoll wohne jetzt in Bieber, damit er eine längere Strecke radeln kann!

Sitzungspräsident Wolfgang Kramwinkel begrüßt im Showmaster-Stil die Prinzenpaare. „Für ganz Mühlheim“ und aus dem „sonnigen Süden“ der Stadt grüßen die den „Müllemer Oste’“. Nach den „Purzeln“ und den neun- bis 13-jährigen Tänzerinnen zeigt die Kolpinggarde in blau-weiß Figuren zu flotten Geigenklängen. Ohne Schiene und Gips wieder vereint wirbelt die Jugendgarde über die Bühne, an Rocklegenden der 80er und 90er Jahre erinnerte die Showtanz-Gruppe zu einem Medley. Zum Finale bringt die Formation Modern Dance den „Endless Summer“, den „endlosen Sommer“, an die Hanauer Straße.

Sicherheitsvorschriften in Partyhits

Das Männerballett präsentierte sich als immer lächelnde Flugbegleiterinnen.

Als Flugbegleiterinnen schwebt, schwimmt und springt das junge Männerballett im Rampenlicht. Die „Damen“ verpacken die Sicherheitsvorschriften in Partyhits. „Herr Schlächtschwätzer“ alias Roman Jung reißt Witze aus dem Familienleben und dem Schulunterricht: „Was bedeuten Genitiv und Dativ?“ „Geh’ nie tief ins Wasser, weil’s da tief is’“.

Als „zwei Glocken“ läuten Thomas Bihn und Benny Lex, „wir ham richtig Bock auf so’n Glockerock“. „Das Schönste ist für mich das Läute’“, gesteht Küster Bihn im Kleid mit Reif. Singend schwärmen sie vom neuen Job in Rom. Für Erheiterung sorgt bei der Diddesemer Kultfigur Bihn selbst jedes Stocken im Text.

Das Smartphone hat nun auch in die Fastnacht Einzug gehalten. Mit Händen und Füßen wehrt sich der Herr der Senioren-Generation gegen diese Form der Kommunikation. Den Schritt zum Hit „Gangnam Style“ steckt den Stecken-Träger dann aber doch an. Die bunte Truppe der Jugend bringt mit aktuellen Klängen viel Schwung.

In ähnlicher Manier und mit markanten Kulissen reist die Kolpingjugend in die Vergangenheit. Das Dixie-Klo dient als Zeitmaschine: „Was wirklich wichtig ist, sind zwei Dietesheimer und ein Kasten Bier“. Da passt die Kerb-Hymne „Trinkfest und arbeitsscheu“!

Bilder von der Fastnachtssitzung

Fastnachtssitzung der Kolpingfamilie

Einen filigranen Umgang mit der Sprache üben die drei Clowns, die sich dem Bänkelgesang verschrieben haben. Konsequente Mimik und tiefgründige Schicksale im Clownskostüm vermitteln Dennis Beetz, Tobias Troksch und Andreas Eitel. „Früher hieß es Paradies!“, stellt der sächselnde Willgommensbeauftragte für Dietesheim klar. „Wir Basaltköpp wissen schon ewig, dass wir die Krone der Schöpfung sind!“ Wie man da Müllemer integrieren kann? - Wichtig sei der richtige Fall, erläutert Dietmar Hentschel dem Ex-Bürgermeister Bernd Müller. Party kann auch Winfried Winter, Dietesheims „Mann am Klavier“ und bekennende Bayern-Fan. Der hat „Glück bei den Frau’n“, während die Biogasanlage „immer noch keinen Pups gelassen“, vielleicht noch nicht richtig verdaut habe. Winter zählt zur Hauskapelle, die die Fastnacht seit Jahren begleitet.

Von „1001 Nacht“ schmettern die Kappenträger, die als „Village People“ mit Gassenhauern Stimmung verbreiten. Das „dritte Konzil“ kündigt Pfarrer Willi Gerd Kost an. „Pfarrer sucht Köchin für sein Haus, er gehe sehr pfleglich mit ihr um, „denn jetzt ist Heirat möglich“.

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