Bowling

Die feinere Form des Kegelns

Auf den Mühlheimer Bahnen bereiten sich sogar Spieler aus anderen Städten auf kommende Ligaspiele vor. Darunter beispielsweise Manfred Zabel (vorne) vom BC 1967 Hanau.
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Auf den Mühlheimer Bahnen bereiten sich sogar Spieler aus anderen Städten auf kommende Ligaspiele vor. Darunter beispielsweise Manfred Zabel (vorne) vom BC 1967 Hanau.

Seit 1977 wird in der ehemaligen Lederwarenfabrik an der Borsigstraße Bowling gespielt.

Mühlheim – Die Kugel heißt Ball, die Kegel sind Pins, und davon gibt es nicht „alle Neune“, sondern zehn abzuräumen. Bowling ist die verfeinerte Form des Kegelns, und die Familie Janka gehört zu den Pionieren in dieser Disziplin. 1965 haben die Eltern von Manfred Janka am Hanauer Hauptbahnhof eine der ersten Anlagen im Land gebaut. An der Mühlheimer Borsigstraße verwandelte er 1977 als 16-Jähriger eine Lederwarenfabrik in das Park-Bowling-Center, das jetzt unter Corona-Regeln wieder geöffnet ist.

Datenabfrage, Mund-Nase-Bedeckung, Desinfektion – Dinge, die inzwischen zum Alltag gehören. Und da machen Bowlingspieler keine Ausnahme: Am Eingang werden Adresse und Telefonnummer hinterlassen. Und die Schuhgröße wird angegeben. Die ist wichtig, um passende Spezialtreter für den Sport auszuleihen. Auf der Anlage ist jede zweite der 22 Bahnen gesperrt, Janka hat eine Einbahn-Wegeführung markiert. Außerdem erhält jeder Gast seinen eigenen Ball. So sieht das momentane Spiel im Bowling-Center aus.

Der Ball wiegt zwischen fünf und 16 englischen Pfund, also mindestens 2,26 Kilogramm. Die Geräte sollen nach dem Spiel auf den Bahnen liegen bleiben und werden dann desinfiziert. Die Toilettentüren sind dank eines Mechanismus’ mit dem Ellenbogen zu öffnen, „wir haben das Hygiene-Level enorm gesteigert“, sagt Manfred Janka, „das bedeutet viel Aufwand“. Auch die Hälfte der Spielautomaten sowie drei von sechs Billardtischen wurden stillgelegt.

Seit Donnerstag dürfen wieder zehn Personen zusammen sein, an den Bahnen können wieder Kindergeburtstage gefeiert werden – zumindest im kleinen Kreis, erläutert der Betreiber erleichtert. Aktive konnten bisher nur zu zweit trainieren, jetzt treffen sich erneut Mannschaften. Die 20 Spieler der „Wellenmacher“ aus Offenbacher werfen in zwei Gruppen, die erste um 16, die zweite um 18 Uhr. Insgesamt bereiten sich sieben Vereine in der Mühlenstadt auf die Liga-Begegnungen vor, da selbst in Frankfurt die Anlagen geschlossen sind.

„Für sie ist es eine Erlösung“, stellt der Inhaber fest. Bisher ist sein Haus jedoch nur zu 20 Prozent ausgelastet. „Viele haben noch Angst“, sagt er. Park-Bowling öffnet darum täglich vier Stunden später, um Personalkosten zu sparen. Jeder der 17 Festangestellten arbeitet nur an zwei statt fünf Tagen, der Chef steht selbst auf der Anlage.

„Nachmittags haben wir fast nur Kindergeburtstage, keinen Betriebs- oder Freizeitsport.“ Deren Vertreter üben von 17 bis 22 Uhr. Die Hanauer Einrichtung, die sein Sohn Christian betreibt, hat wieder geschlossen. „Die Resonanz war zu gering, Meisterschaftsspiele sind nicht mehr erlaubt“, erläutert Janka. Die Liga wurde am 15. März abgebrochen. „Ob sie im September wie gewohnt starten kann, steht in den Sternen.“

Der Betriebsleiter sitzt im „Bundesverband zur Förderung des Bowling“, den sein Bruder Ferdinand vor 35 Jahren gegründet hat. Die Gemeinschaft tauscht sich auch zu Hygieneregeln, Turnieren und Angeboten aus. „Du musst Entertainer, Wirt und Unternehmer sein“, beschreibt Janka seinen Job.

Heute geht das freilich mit Computerprogrammen. Mit einem „Bumper“ werden die Rinnen geschlossen, wenn ein Kind spielt, damit der Ball nicht an den Pins vorbeirollt. Mit einer Rutsche als „Dino“ oder „Elefant“ haben es die Jüngsten leichter, mit dem Ball schnurgerade auf die Kegel zu zielen. Mussten Mitarbeiter früher in schweißtreibender Arbeit den Ölfilm auf die Planken bringen, erledigt das heuer eine Maschine in 80 Sekunden pro Bahn.

Ein hauchdünner Ölfilm wird maschinell auf die Bahnen aufgetragen, erläutert Janka. Jede Mannschaft bevorzuge einen eigenen Auftrag, denn der beeinflusst den Lauf des Runds. Bis zu 700 Grad heiß werde es, wo der Ball aufsetzt, sagt der Besitzer. Auch das Ballmaterial habe sich entwickelt. Aus gepresstem Ruß wurden Gummiplatten – und heute wird mit Kunststoff gespielt.

VON MICHAEL PROCHNOW

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