Am großen Kupferkessel

Festbier zum 1000-Jahre-Jubiläum Dietesheims

+
Im Sudhaus der Seligenstädter Brauerei wurde gestern das Dietesheimer Festbier angebraut. Sowas lässt sich der Jubiläumsausschuss nicht entgehen.

Mühlheim/Seligenstadt - Genau da also ist Hopfen und Malz verloren. Nicht, dass das einer der Dietesheimer Herren, die hier im Sudhaus der Seligenstädter Privatbrauerei Glaab feierliche Minen aufsetzen, in diesem erhebenden Moment vorm großen Kupferkessel so formulieren würde. Von Marcus Reinsch

Für den wahren Bierfreund verschwinden die zwei einzigen vom Deutschen Reinheitsgebot zugelassenen Feststoffe beim Brauen keinesfalls einfach so. Sie gehen in einen schöneren, wenn’s gut gelingt beinahe göttlichen Zustand über. Muss so sein! Denn der exklusive Trunk, dessen Zeugung die Mannen gestern Vormittag beiwohnen, wird in den nächsten Wochen das Festbier zum großen 1000-Jahre-Festes Dietesheims werden.

Ein Pils soll’s sein, süffig bitte, aber nicht stopfend, natürlich alkoholisch, aber nicht so, dass es einen gleich umhaut. Sprich: Es wird „ein leichtes Sommerbier“ draus, mit rund 4,8 Promille. Wie leicht und wie Sommer, das erklärt Gunnar Schütz - bei Glaabs der Erste Braumeister und beim gestrigen Einbrauen Zeremonienchef -, als er kleine Schlückchen einer noch etwas bitteren Flüssigkeit in einer Art Reagenzglas verteilt.

Regisseure des Dietesheim-Jubiläums

Kontrolle ist gut... Erster Braumeister Gunnar Schütz (links).

Schöner als das könnten sich so einen Akt auch Liturgieexperten vermutlich nicht vorstellen. Angereist sind zu diesem Anlass so gut wie alle Regisseure des Dietesheim-Jubiläums. Der Dieter Ricker als Oberer des Festausschusses ist natürlich da, der Horst Schweikard, Thomas Bihn und, neben all den anderen, der Bernd Schwemmler. Auf einem Acker des Mühlheimer Landwirts ist die Gerste gewachsen, Sorte Braemar, die die Basis für das Spezialbier bildet.

Fünf Tonnen sind’s bei der Ernte geworden. Die gehen jetzt den aus Genießerperspektive besten Weg, den Gerste gehen kann: Sie werden vermälzt, also zum Keimen in besonders wertvolles Wasser gegeben, dann getrocknet und geröstet und so zum Malz, Gott erhalt‘s! Der Hopfen dazu hat bayerische Wurzeln, kommt aus der Holledau. Ein Tag im Sudfass, eine Woche im Edelstahltank, nochmal vier bis fünf Wochen bei null Grad im Reifekeller - 25 Hektoliter Dietesheimer Festbier wird die Brauerei später in Kühlwagen abliefern, abgefüllt in 50-Liter-Fässer und, so will’s die Planung, genau die richtige Menge für die drei großen Abende des Festwochenendes vom 21. bis 23. Juni. Und wenn’s doch zu viel ist, weil’s ja auch noch andere Schmeichler für durstige Kehlen gibt? „Dann verzapfe mir es bei ‘nem annern Fest, keine Sorge“, versichert Bihn.

Die besten Bier-Weltrekorde

Die besten Bier-Weltrekorde

Sorge ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nicht angebracht. Das Festzelt fasst 1000 Besucher auf einen Schlag, das Programm ist dem Anlass angemessen verlockend und an zwei Abenden kostenlos. Da stellt sich eher die Frage nach einem Zuwenig statt einem Zuviel. Glaubt der Festausschuss auch. Auf die Feierlichkeit folgt gestern also mal kurz das Finanzielle: Die Dietesheimer ordern bei Glaabs sicherheitshalber noch ein paar hundert Nulldreier-Bierseidel mehr als bisher gedacht, dazu Weizengläser, die Maßkrüge für den Bieranstich, Zapftheken, viele Kleinigkeiten.

So ein Jubiläum ist eine logistische Großtat. „Und klar wird das Zelt drei Tage lang voll“, gibt Ricker nochmal zu Protokoll. „Wie sollte es anders sein?“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare