1000 Jahre Dietesheim

Warum es zwei Wappen gibt

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Viele halten die Festschrift schon in Händen, alle Dietesheimer bekommen sie bald.

Mühlheim - Die Mutter habe ihn öfter zum Fischkaiser geschickt. Der verkaufte an der Hanauer Straße, damals noch Steinheimer Straße, und bot an, „die Fische gleich im Geschäft zu backen“. Ein Vorteil. Von Stefan Mangold

Zu Hause hätte das kulinarische Prozedere für ein übles Odeur gesorgt, erinnert sich Klaus Sendl. Heute ist der Mann 63, in Relation zum 1000-jährigen Dietesheim also ein Jungspund und natürlich trotzdem im Recht, sich einen „echten Basaltkopp“ zu nennen. Ebenso wie Ingeborg Kaspar. Eingeplackte? Ach neeeee. . . !.

Am Wochenende sitzen Kaspar und Sendl im Pfarrheim von St. Sebastian und kommentieren Bilder Diestesheimer Geschichte, die ein Projektor an die Wand wirft. Eins zeigt ein Motorradrennen von 1953, das im heutigen Naturschutzgebiet unvorstellbar wäre. „Rund um den Grünen See“ führte der Parcours. Außerdem erinnern die zwei Dietesheimer, die sich seit der ersten Klasse kennen, an die Metzgerei Adam und Preis an der Obermainstraße. Längst heißt die nur noch Preis und gehört Hildegard Dippelhofer. „Die Hilde ist die Tochter vom Ewald Preis“, kommt es aus einer anderen Ecke des Tischs.

Ausgeprägter Sinn für Heimat

Karl-Heinz Stier hat recht, wenn er bemerkt: „Dietesheimer haben einen ausgeprägten Sinn für Heimat und Geschichte“. Der Vorsitzende des Geschichtsvereins stellt die 178 Seiten dicke Festschrift „1000 Jahre Dietesheim 1013 - 2013“ vor. Es ist ein Buch geworden. Herausgeber ist der Verein zur 1000 Jahr-Feier, die im großen Festwochenende vom 21. bis 23. Juni gipfeln wird. Den Vorsitz hat Dieter Ricker.

In der Schrift stehen Dinge, die auch Stier nicht wusste. „Keine Ahnung hatte ich, dass für Dietesheim zwei Wappen existieren, beide beim Deutschen Markenamt eingetragen“. Das eine meldete die Freiwillige Feuerwehr an. Es zeigt vier Säulen aus Basalt. Ingeborg Kaspar wiederum ließ ein Wappen schützen, das ihr Vater Franz Sticher konzipierte. Und Stier besonders gefällt, weil es neben einem Fisch „auch Trauben zeigt, die den Weinbau im Wingert symbolisieren“.

Häuser schmücken ist erwünscht

So eine runde Sache will gefeiert werden. Bürgermeister Daniel Tybussek ermuntert dazu, die Häuser am Festzugweg zu schmücken. Schon am Wochenende geschmückt, mit einer Ausstellung aus Fotos und Dokumenten: das Pfarrheim St. Sebastian. „Die römisch-katholische Kirche konnte in Dietesheim nicht länger an sich halten“, steht in einer Grundsteinurkunde vom 26. April 1891. Der Bischof musste wegen der Christen handeln, „deren Anzahl von Tag zu Tag gemehrt wurde“. Es brauchte eine neue Kirche. Um die geht es hier ebenfalls, auch für Gerd Adam und Günter Constantin, zwei Machern der Gemeinde. Das Gotteshaus ist längst in die Jahre gekommen, Renovierung tut not, es regnet rein. Die Würdigung des Alters Dietesheims und die Erneuerung der Kirche zu verbinden, bietet sich also an. Am Samstag kommen 150 Leute, am Sonntag erscheinen zum Mittagessen, das unter „Grüner See-Teller“ firmiert, noch mehr. Rund 400 sind es am Ende, und das Ziel „1000 Euro und ein Plus“ ist übertroffen. Denn der erste Schritt erledigt sich von selbst. Udo Parakenings, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats, erzählt von einem Spender. „Den Tausender übernehme ich, fürs Plus seid ihr zuständig“, habe der am Telefon gesagt. Hat geklappt! Unterm Strich stehen 2800 Euro.

‹ Die Festschrift wird an alle Haushalte in Dietesheim verteilt. Kostenlos liegt sie im Mühlheimer Buchladen, dem Laden 33 und bei Sport-Schweikard aus.

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