Die Feuerwache Lämmerspiel und die Kostensteigerung

„Fast ein kleines Dorf-Gemeinschaftshaus“

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Die Sommerfraktion der Großen Koalition auf Visite im Lämmerspieler Feuerwehrhaus.

Mühlheim - Der sprichwörtliche Gang nach Canossa war’s nicht. Da ging’s bekanntlich um Abbitte.

Die Visite der „Sommerfraktion“ der Großen Koalition im Lämmerspieler Feuerwehrhaus diente eher dem Werben um Verständnis für die Verschiebung von Umbau und Sanierung der Wache im letzten Stadtparlament vor der Sommerpause. Wie berichtet, hatten CDU und SPD die Pläne der Verwaltung wegen offener Fragen vor allem zur Kostensteigerung zurück in die Fachausschüsse geschickt und dafür Kritik geerntet.

Dr. Alexander Krey (CDU) und Karl-Heinz Schmunck (SPD) erläuterten im Feuerwehrhaus die Bedenken ihrer Parlamentsgruppen. Der städtische Haushalt habe zwar bereits vergangenes Jahr 416.000 Euro für das Projekt vorgesehen. Und mit dem jüngsten Finanzwerk der Mühlenstadt habe sich ihre Mehrheit auch mit der Kostensteigerung auf 740.000 Euro einverstanden erklärt, obwohl auch Geld für die Kinderbetreuung nötig war. „Wir haben Förderanträge mit der Bank geändert und den Weg dafür frei gemacht, dass beide Projekte laufen können“, unterstrich Schmunck. „Die Sanierung des Feuerwehrhauses hätte sofort beginnen können.“

Im jüngsten Parlament hätten die Stadtverordneten dann aber eine neue Vorlage von der Verwaltung bekommen, nach der die Arbeiten nun 1,35 Millionen Euro kosten sollen. „Sie müssen sich in die Lage eines Stadtverordneten versetzen, der jetzt doppelt so viel genehmigen soll“, bat Schmunck um Verständnis, dass nun erst mal die genauen Gründe dafür betrachtet werden müssen. „Wir müssen Rechenschaft gegenüber dem Steuerzahler abgeben.“

Bilder: Käfertreffen in Mühlheim

Lämmerspiels Ehren-Wehrführer Bernd Schwerzel wies darauf hin, dass der Saal und die Küche im Obergeschoss mit 48.000 Euro des Feuerwehrvereins mit einer Akustikdecke und technischen Geräten ausgestattet wurden. Die Etage sei auch Treffpunkt mehrerer Vereine, „das ist fast ein kleines Dorf-Gemeinschaftshaus – aber das Erdgeschoss übersteigt unsere Möglichkeiten“.

Wehrführer Sven Meder zeigte in der Fahrzeughalle eine marode Grube. Auch im Hof senken sich die Platten, weil die Wehr nicht mehr 7,5 Tonnen schwere Fahrzeuge lenke, sondern auch solche, die 26 Tonnen wiegen. Künftig werden in Lämmerspiel drei bis 13 Tonnen schwere Container abgestellt. Bei großer Hitze sänken sie in den Asphalt ein. Und sei der glatte Boden in der Fahrzeughalle nass, können die Helfer ausrutschen, warnte der stellvertretende Stadtbrandinspektor Reiner Nickel. Zudem müsse in die hintere Wand der Halle ein Tor für das Einsatzleitfahrzeug eingebaut werden. Bei einer energetischen Sanierung sollen darüber hinaus Dachelemente und Glasbausteine ausgetauscht werden. Ein Abgeordneter rechnete vor, dass sich eine solche Maßnahme trotz Fördergeld erst nach 75 Jahren bezahlt mache.

Weil Sprit und Gas im Freien gelagert werden müssen, werde ein Carport benötigt. In der früheren Schlauchhalle sollen Umkleiden für Brandschützerinnen geschaffen werden. Alte Leitungen in den Sanitärräumen gelte es auszutauschen, auch die Heizung sei marode. Ein Lagerraum soll für die Kinderfeuerwehr hergerichtet werden, die Jugendwehr wünsche sich eine Terrasse über dem Eingang. Kosten werde auch der Einbau eines Aufzugs. Außerdem: Kanalerneuerung, Hofbeleuchtung und mehr.

Einige Großkoalitionäre vermuteten nach dem Rundgang, dass man sich auf eine stufenweise Freigabe der Summe einigen wird – so wie das Vorhaben selbst auch in drei Abschnitten verwirklicht werden soll. (m)

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