Fluglärm-Belastung: Mühlheim hart getroffen

Mühlheim - „Das wundert mich nicht, dass die Mühlheimer sich jetzt beschweren. Wenn überhaupt wundert mich, dass sich nicht mehr Mühlheimer beklagen.“ Von Barbara Hoven

Offenbachs Flughafenberater Dieter Faulenbach da Costa weiß, was die in der vorvergangenen Woche neu eröffnete Nordwest-Landebahn des Frankfurter Flughafens für die Mühlenstadt bedeutet. Noch mehr Krach. „Ich finde es dramatisch, was da gerade in Mühlheim passiert. Die Stadt liegt nun, wie Offenbach, vollständig unter einem Fluglärmteppich. “.

Das ist kaum zu überhören. Und Gesprächsthema überall in der Stadt. „Die Anflugroute zur neuen Landebahn hat den Lärmteppich über Mühlheim enorm verbreitert“, hat etwa Günter Franzesko beobachtet. „Die bisherige Anflugroute über Lämmerspiel entlang der Bahnroute wird nach wie vor genutzt und zusätzlich parallel der neue Anflug über der Roten Warte“. So, meint der Mühlheimer, sei das vorher in allen ihm zugänglichen Informationen nicht ersichtlich gewesen. „Hier hat Fraport wohl bewusst die Bürger getäuscht“, meint Franzesko.

Eigentlich nicht drin in den Eindrehbereichen

Mühlheim sei zwar eigentlich nicht drin in den Eindrehbereichen für anfliegende Maschinen, erläutet Faulenbach da Costa. „Aber offensichtlich wird nun dennoch häufig schon über Mühlheim eingedreht.“ Die Folge: Lärmanstieg vor allem über Dietesheim, Kernstadt und Roter Warte. Am schlimmsten treffe es jedoch die Leute im Markwald, „weil die jetzt von beiden Seiten zugedröhnt werden“.

Umso wichtiger sei es, dass die Stadt nun Fluglärm aufzeichnen lasse. Wie berichtet, wurden auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung jüngst drei neue Messstationen auf den Dächern der Kitas Raabestraße in Mühlheim, Müllerweg im Markwald und Schlesierstraße in Lämmerspiel in Betrieb genommen. Bürgermeister Daniel Tybussek: „Die Belastungen nehmen in Mühlheim hörbar zu. Deshalb war es richtig und wichtig, den Fluglärm zu messen. Ich setze mich für ein Nachtflugverbot und den Erhalt von Lebensqualität in unserer Stadt ein.“

Nachtflugverbot und Erhalt von Lebensqualität

Außerdem, so Tybussek, sei seit Mitte September beim Hessischen Ministerium für Wirtschaft und Verkehr ein Sitz in der Fluglärmkommission beantragt. Eine Antwort habe er bisher jedoch nicht erhalten. Faulenbach da Costa sieht aber gute Chancen für einen Sitz Mühlheims in der Kommission, denn „wenn Rödermark mit etwa zwölf Kilometern Entfernung zum Landeplatz Egelsbach in die Kommission berufen wird, sollte es doch für Mühlheim möglich sein, mit etwa 18 Kilometern zum Flughafen Frankfurt und neunfachem Verkehrsaufkommen in die Fluglärmkommission berufen zu werden“.

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Zumal der heutige Lärm erst der Anfang sei, die Steigerung habe noch nicht stattgefunden. „Sowohl tags als auch nachts - wenn es nach dem Land und der Fraport geht - werden die Landungen um 50 Prozent, nachts sogar um mehr zunehmen trotz Nachtflugverbot.“ Der Experte ist sich sicher, dass die Verlärmung Mühlheims voranschreiten und ab 2020 mit Siedlungsbeschränkungsbereich und Fluglärmschutzzonen „belohnt“ werden wird.

Rubriklistenbild: © dpa

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