„Bisher hatten Mühlheimer Glück“

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Während der Bürgerversammlung zum Thema Fluglärm blieb kaum ein Stuhl in der Willy-Brandt-Halle frei.

Mühlheim - Lärmbelastung im Durchschnitt zu messen, könne sich als trügerisch erweisen. Ein Experte vom Fluglärmdienst informierte bei der Bürgerversammlung in der Willy-Brandt-Halle über Auswirkungen der neuen Landebahn. Von Stefan Mangold

Angenommen, „ich würde jede Nacht neben dem Ohr eines Schlafenden eine Pistole abdrücken“, und die restlichen Stunden herrsche Ruhe im Zimmer, „wäre das vegetative Nervensystem dessen nach drei Monaten am Ende“. Was die durchschnittliche Lärmbelastung beträfe, „handelte es sich lediglich um die Lautstärke eines fließenden Bächleins“.

Für Montagabend hatte Stadtverordnetenvorsteher Harald Winter zur Bürgerversammlung in die Willy-Brandt-Halle eingeladen. Kaum ein Platz war noch frei, als Horst Weise vom Deutschen Fluglärmdienst (DFLD) seinen Vortrag zum Krach am Himmel hielt, unter dem die Mühlheimer seit Eröffnung der neuen Nordwestbahn in Frankfurt verstärkt leiden.

In Mühlheim drei Messstationen

Der DFLD betreibt in Mühlheim drei Messstationen, in verschiedenen Stadtteilen auf Kindertagesstätten platziert. „Zum Glück lieferten die uns schon vor der Einweihung Daten“, erwähnte Bürgermeister Daniel Tybussek. Die ließen sich später mit den neuen vergleichen. Verwertbare Daten, betonte Horst Weise, ließen sich jedoch erst in einem halben Jahr errechnen. Bisher hätten die Mühlheimer noch Glück gehabt. Der Wind habe in den vergangenen Wochen für relative Ruhe gesorgt. „Das nennt sich Betriebsrichtung 7. Die Mühlheimer betrifft die Betriebsrichtung 25.“

Dennoch erzählte eine Frau aus Lämmerspiel, seit die neue Bahn den Betrieb aufgenommen habe, „schlafe ich im Keller“. Der in Mühlheim aufgewachsene Stefan Lutz überlegt zusammen mit seiner Frau, nach 45 Jahren wegzuziehen. Anfangs dachte er in der Bieberer Straße, „es stehen alle Fenster offen,“ als die ersten Flieger mit der leicht versetzten Route über sein Haus donnerten.

Flughöhe wichtiger Verursacher für den Lärm

Mit der Flughöhe benennt Horst Weise einen wichtigen Verursacher für den Lärm. „Auf zehn Kilometer in einer Höhe von 4000 Fuß zu fliegen ist nicht nötig“, was 1200 Meter entspreche. Die Fraport AG begründe die niedrigen Höhen wirtschaftlich. Ansonsten müsse sie mehr Lotsen einstellen.

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Die Routen, die der Betreiber benenne, „sind nicht immer die, die wir messen“. Für die sei die Windrichtung „in 60 Prozent aller Fälle unerheblich“. Dann befinde sich die Windstärke unter fünf Knoten. Auf der Internetseite des DFLD könne jeder Bürger den Flugverkehr beobachten, sogar den Typ der Maschine ermitteln, die zu tief übers Grundstück geflogen sei.

Horst Weise warnt davor, „dass sich die Region nicht über die Routen auseinander dividieren lassen darf“. Es gehe nicht darum, den eigenen Lärm auf den anderen zu schieben. „Was die Flörsheimer beispielsweise zu ertragen haben, das ist unmenschlich“. Daniel Tybussek berichtete an der Stelle, der Anwalt, der Mühlheim in Sachen Fluglärm vertrete, habe sein Mandat niedergelegt. Denn er vertrete auch Heusenstamm und müsse fürchten, in einen Interessenskonflikt zu geraten. Horst Weise betonte, wichtig sei, das Nachtflugverbot zu erhalten,

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