Plan B könnte Plan A sein 

FMK-Tagesmütter sind kein kleiner Teil des Betreuungspuzzles

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Nötiger denn je: Infotag beim Frau-Mutter-Kind-Verein.

Mühlheim - Mühlheims Mütterzentrum, besser als Frau-Mutter-Kind (FMK) bekannt, wird in diesem Jahr 40. Und seine Angebote sind gefragter denn je. Die Tagesmütter-Vermittlung zum Beispiel. Sie feiert gerade 20. Geburtstag und eröffnet Eltern eine flexible Alternative zur Betreuung im Kindergarten. Kein kleines Teil im Betreuungspuzzle.

Die Ausbildung sei heute viel qualifizierter, vergleicht Jagoda Raithel mit den Anfängen der Tagesmütter 1997. Wer als Tagesmutter oder -vater arbeiten will, müsse 160 Unterrichtseinheiten beim Kreis absolvieren, informiert die erfahrene Betreuerin. Und in diesem Jahr komme ein Curriculum über 140 Stunden, das auch im Mühl-heimer FMK-Domizil läuft. In der Aus- und Fortbildung würden Themen von der Hygiene und rechtlichen Spezialitäten über gesundheitliche Fragen bis zu praktischen Aktivitäten mit den Kleinen beackert. Die im Mütterzentrum gelisteten Frauen nähmen diese Angebote gerne an, betont Raithel. Allein: Es könnten und sollten viel mehr sein: „Wir brauchen unbedingt weitere Tagesmütter“, es gebe einfach sehr viele Kinder in Mühlheim. Das ist auch im neuen Kindergartenbedarfsplan nachzulesen. Der prophezeit Lücken bei der Betreuung, die in Kindergärten kaum alleine zu füllen sind (wir berichteten).

Manche Tagesmütter haben selbst gerade kleine Kinder. Andere welche, die zur Schule gehen. Wieder andere seien schon Oma. Ein wichtiger Punkt sei die Vertrautheit mit den Eltern. „Erziehungspartnerschaft“ nennt sich die Zusammenarbeit der Pflegekraft mit Müttern und Vätern. Sie sprechen über Erziehung, beraten Probleme und Lösungen.

„Die Elternarbeit ist auch gesetzlich im Kinderjugendhilfegesetz festgelegt“, sagt die Betreuerin im Kindergarten an der Hallgartenstraße, „Eltern sind schließlich Experten fürs Kind, wissen, was es braucht.“ Die Tagesmutter unterstütze ihre Schützlinge, verfüge über großes Wissen über deren Entwicklung, begleite und fördere. Mit den Erziehungsberechtigten führen sie ein Erstgespräch, berichten regelmäßig über das Vorwärtskommen von Sohn oder Tochter – und beherrschen den Plausch zwischen Tür und Angel. „Tagesmütter vermitteln Sicherheit und Geborgenheit, reflektieren und sind gut vernetzt“, betont die Sprecherin. Das sei wichtig, „ein Tageskind braucht klare, verlässliche Strukturen“.

Kinder sicheren Umgang mit Feuer üben lassen

Es sei ratsam, sich sechs Monate vorher anzumelden. Der FMK hat auch Kontakte nach Rumpenheim und Waldheim – dort findet sich vielleicht eine Tagesmutter auf dem Weg zur Arbeit, wenn in Mühlheim keine Plätze frei sind. Das Jugendamt des Kreises benötige eine Bescheinigung mit den Arbeitszeiten beider Elternteile. Auch die Gebühr in Höhe von momentan 353 Euro pro Monat werde an den Kreis bezahlt, der die Tagesmütter entlohne. 70 Euro davon seien Essensgeld. Ihr zweites Frühstück bringen die Kinder mit, dazu gibt’s bei der Betreuung einen Nachmittagssnack, Obst und Getränke.

Tagesmütter haben 30 Tage Urlaub, der Zeitraum wird Anfang des Jahres bekannt gegeben. Die Pflegeerlaubnis erteilt das Jugendamt, mehr als fünf Kinder darf keiner betreuen. Über den FMK sind derzeit 76 Mädchen und Jungen bei 22 Tagesmüttern untergebracht, informiert Fee Giangrasso von der Vermittlung. Wie gesagt: Da ginge noch was. „Viele Eltern bekommen keinen Platz in einer U3-Einrichtung“, sagt sie. „Tagesmütter sind flexibler, fangen auch schon mal um 5 Uhr an“. „Plan B könnte also auch Plan A sein“, wirbt sie. (m.)

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