Gymnasium kann jetzt DNA

Forscherclub jetzt an Friedrich-Ebert-Gymnasium aktiv

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Biologielehrer Christoph Geissler demonstriert die neue Ausstattung für seinen Fachbereich. Landrat Oliver Quilling (hinten rechts), Schulfachdienst-Leiterin Renate Heckel und andere Wegbereiter staunen dazu. Mit 200 000 Euro hat der Kreis die naturwissenschaftliche Sammlung am Gymnasium in die Neuzeit geholt.

Mühlheim - Eine neue naturwissenschaftliche Ausstattung fürs FEG – was ist das denn? Nun, es gibt vieles, bei dem Schüler Erwachsenen voraus sind. Schon bald zumindest. Möglich macht das der Forscherschub, den der Kreis Mühlheims Gymnasium spendierte. Von Stefan Mangold 

Es ist nicht der Moment, um kleine Brötchen zu backen. Also zitiert Jochen Dietz als Fachbereichsleiter für Naturwissenschaften am Mühlheimer Friedrich-Ebert-Gymnasium (FEG) gleich am Anfang den Physiker Albert Einstein: „Neugier ist ein verletzliches Pflänzchen, das nicht nur Anregung, sondern auch Freiheit braucht“. Der Mann sieht bei der Umsetzung noch Spielraum und spricht vom „Zugang zum Lernen übers Experiment“.

Das Lernen übers Ausprobieren bestand in früheren Zeiten in der Hauptsache darin, dass es der Lehrer am Katheder über dem Bunsenbrenner qualmen ließ. Die Schüler schauten zu. Nicht nur in der Romantik-Version von Rühmanns „Feuerzangenbowle“, sondern im echten Leben. Das hat sich zum Glück längst geändert.

Man sollte fürs Verständnis zumindest ahnen, um was es letztlich geht, wenn Jochen Dietz vom Zwischenspiel des Zinn- und Kupferblechs erzählt. Die messen die elektrische Spannung, die durch eine Kartoffel fließt. „Die Potentialdifferenz“, wie der Pädagoge den Besuchern im Gymnasium erklärt.

Der Hintergrund: Die Schule konnte ihre naturwissenschaftlichen Räume für Physik, Chemie und Biologie mit neuem Gerät im Wert von knapp 200 000 Euro ausstatten. Zur Präsentation bei alkoholfreiem Sekt sind auch Landrat Oliver Quilling und Renate Heckel, die Leiterin des Fachdienstes Schule des Kreises, da. Der hat die Investitionen bezahlt. Und auch Schulleiter Stefan Sturm und Vertreter von Schüler- und Elternschaft gucken zu.

Dietz erzählt vom Anfang des Modernisierungsprozesses im Januar 2014, als die Fachlehrer an Listen arbeiteten, auf denen stehen sollte, was angeschafft werden muss, „immer mit dem Blick auf die Kosten“. Die Umsetzung: mit Blick auf die Haushaltslage eine Ausdauerdisziplin. Seit letztem Oktober aber, nach fast drei Jahren, ist der Fachbereich Naturwissenschaften am FEG komplett neu ausgestaltet.

Am Rande erinnert sich Oliver Quilling, der 1984 das Abitur ablegte, wie es auf seinem Gymnasium aussah. Das muss damals schon ziemlich modern gewesen sein, denn es gab einen Computer. Der sei jedoch mit dem Hinweis, „das ist die Zukunft“, lediglich rein- und wieder rausgeschoben worden. Anschauen statt Ausprobieren. Aber immerhin.

Die Gegenwart sieht anders aus. Physiklehrer Bernd Gruber-Schmal demonstriert ein Gerät, mit dem sich die Stromerzeugung von Windkraft messen lässt. Die Zeiten, in denen Schüler die Experimente auch mal nutzen konnten, um unbemerkt private Themen zu erörtern, scheinen allerdings vorbei zu sein. Der Lehrer merkt alles: „Vom Tablet-Computer aus kann ich sehen, was jeder Schüler misst.“

Die Einkaufsliste der Lehrer umfasste mehr als 1000 Positionen. Darunter auch Kleinkram, der nur ein paar Cent kostet. Andere Anschaffungen bewegen sich im vierstelligen Bereich. Wie etwa das sogenannte „kaskadierbare System zur computerunterstützten Erfassung von Messdaten“. Chemielehrerin Barbara Landwehr führt ein Gerät vor, das mit sogenannten Daniell-Elementen zu tun hat. Das misst, mit welchem Stoff sich am besten und möglichst schonend Energie speichern lässt – besonders relevant bei der Frage der Batterien für Elektroautos.

Hersteller setzen wieder auf die Brennstoffzelle

Viel veränderte sich für den Biologielehrer Christoph Geissler, der mit Schülern in Zukunft nicht mehr ins Labor nach Göttingen fahren muss, um ihnen dort zu demonstrieren, wie sich ein genetischer Fingerabdruck nehmen lässt. Dazu ist das FEG nun selbst in der Lage. Wer in Zukunft im Schulgebäude eine Stinkbombe schmeißt, sollte also auf der Hut sein. Seine DNA könnte ihn überführen.

Schülern, die Zweifel beschleichen, ob der Mann der Mutter wirklich ihr leiblicher Vater ist, kann die neue Möglichkeit beim Erkenntnisgewinn jedoch auch jetzt nicht helfen: „Der Abgleich wäre für unsere Ausstattung dann doch zu komplex.“

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