Mit Forstamtsleiter unterwegs im Wald

Eichen sind Wertträger

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Hausaufgaben bekamen die Lokalpolitiker bei der Waldbegehung von Forstamtsleiter Christian Münch: Für die Zukunft gilt es, einen neuen Vertriebsweg fürs städtische Holz zu finden. 

Mühlheim - Bei einer Waldbegehung traf Forstamtsleiter Christian Münch Kommunalpolitiker diesmal am Seerosenweiher. Dort ging es rund um die Eiche. Von Michael Prochnow 

Und um eine neue Form der Vermarktung des Holzes, die bis Ende nächsten Jahres von den Stadtverordneten gefunden und verabschiedet werden muss.
In Baden-Württemberg zogen unlängst einige Sägewerksbesitzer vors Kartellamt. Sie fürchteten eine Wettbewerbsbeschränkung, weil die Forstämter für sämtliche Waldbesitzer als Verkäufer auftraten. Der Bundesgerichtshof bestätigte eine Regelung, dass die Behörde maximal Stämme von 100 Hektar Fläche vermarkten darf, erläuterte Forstreferendar Melvin Mika. Amtsleiter Münch empfahl den Mühlheimern, sich mit anderen Kommunen und Kreisen zusammenzutun, um die Verhandlungen mit den Verarbeitern einer Gesellschaft zu übertragen.

Da die Strukturen in Hessen ähnlich wie im Nachbarland beschaffen sind, sehe die Landesregierung Prozessrisiken. Der Handel sollte darum ausgelagert werden, „die Initiative muss von den Waldbesitzern kommen“, erläuterte Münch. „Wir haben bisher immer gute Preise ausgehandelt“, bedauert der Forstmann. Er sei „sehr traurig, dass gewachsene Strukturen zerstört werden, die sich bewährt haben“. Auch die Sägewerke profitierten davon, mit nur einem Vertragspartner sprechen zu müssen. Münch riet darum, Einheiten von mindestens zwei Kreisen zu bilden.

Hessen Forst werde den Eignern weiter beratend zur Seite stehen und seine Hege-Konzepte in Kooperation mit Fachfirmen verwirklichen. Dazu zählen die Pflegemaßnahmen für die Eichen, aber auch für Kiefern und Birken. Die Lichtung, auf der sich die rund 40 Teilnehmer versammelt hatten, sei durch die schweren Stürme Vivian und Wiebke 1990 entstanden. Die Pflege durch die Forstleute soll die heimischen Arten fördern und die standortfremde, spätblühende Traubenkirsche eindämmen.

Das Gehölz aus Amerika sei durch Stockausschlag wie eine Hydra: „Schlägst du ihr einen Kopf ab, bringt sie sieben neue hervor.“ Die Eichen werden bis zu 200 Jahre stehen, ihr Holz bringe für die Produktion von Parkett und Rotweinfässern gute Erträge. Birken stehen im Vergleich nur bis zu 60 Jahre, ferner gedeihen rund um die Mühlenstadt Fichte, Linde und Buche. „Fast alle Arten sind willkommen, so lange sie die Eiche nicht stören“, stellte Münch die Priorität klar.

„Mit der Eiche als Wertträger haben sie einen tollen Wald“, lobte der Fachmann. Die Sorte zeige sich zudem als besonders robust gegenüber Umwelteinflüssen. Sterben Buchen und Birken auf überflutetem Grund ab, hielten Eiche und Kiefer stand. Das gelte auch für den „Jahrhundertsommer: Das ist schon keine Trockenheit mehr, das ist eine richtige Dürre“, warnte Münch. Der Klimawandel werde dem Forst in den nächsten Jahren noch viel Kummer bereiten, prophezeite er. „Die Häufung der extremen Wetterlagen wird im Rhein-Main-Gebiet zu erheblichen Verlusten führen.“

Warum uns die Natur so gut tut

Schon jetzt müssten zur Verkehrssicherung viele vertrocknete Äste und abgestorbene Pflanzen beseitigt werden. Die Kollegen wollen vielfältige Baumarten setzen, um die Verluste gering zu halten.

Borken- und Prachtkäfer bereiteten bislang noch keine größeren Schäden, der Mistelbefall schon. Der Parasit töte seinen Wirt, sauge vor allem Kiefern aus. Von zwei Seite sieht Münch die starke Population des Schwarzwilds: Es lockere den Boden auf und fresse Schädlinge, bereite dabei aber den Landwirten Sorgen. Mittlerweile wagen sie sich bis in die Vorgärten, berichteten Teilnehmer. Der Klimawandel habe das Nahrungsangebot für das Borstenvieh erweitert. Das Rehwild verbeiße Rinde und futtere Knospen.

Anrainer berichteten von einem Wolfshund, der nicht an der Leine gehalten werde und andere Tiere getötet habe. Landwirte baten, die auf Wiesen am Waldrand ragenden Zweige der Eichen zu kürzen. Um auch in feuchteren Zeiten die Schnakenplage gering zu halten, sanieren die Forst-Mitarbeiter die Gräben, damit das Wasser zügig zu den Vorflutern abfließen kann.

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