Nacktes Gehölz statt Blütenmeer

+
So könnte es am Spielplatz an der Heinrich-Böll-Straße aussehen - wird es aber vermutlich nicht.

Mühlheim ‐ Forsythien sind sommergrüne Sträucher, die Wuchshöhen zwischen einem und drei Metern erreichen. Sie wachsen aufrecht, ausgebreitet bis niederliegend oder überhängend. Von Karl-Heinz Otterbein

Die Zweige sind hohl oder besitzen ein gekammertes Mark, junge Zweige können im Querschnitt etwas vierkantig sein. Die gegenständig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind gestielt und einfach, selten dreiteilig. So jedenfalls beschreibt die Internet-Enzyklopädie Wikipedia das hierzulande sehr beliebte Ziergehölz. Forsythien - zumal, wenn sie beschnitten werden - können sich aber auch zum Zankapfel entwickeln, wie eine Geschichte zeigt, die sich dieser Tage in der Heinrich-Böll-Straße in Dietesheim abgespielt hat.

Auf dem kleinen Spielplatz an dieser Straße nämlich wachsen die beschriebenen Sträucher seit vielen Jahren und tragen im Frühjahr regelmäßig hübsch anzusehende gelbe Blüten - sehr zur Freude der Eheleute Jochen und Ute Völker, die in einem Haus schräg gegenüber des Spielplatzes wohnen und sich stets an der etwa zwei Wochen dauernden Blütenpracht erfreuen.

Dieses Erfreuen fällt in diesem Jahr allerdings aus. Viele der Sträucher werden keine Blüten tragen, weil sie es schlicht nicht können: Sie wurden radikal gestutzt. „Wir haben uns monatelang auf die Blüten gefreut und schauen jetzt auf abgeschnittenes Gehölz“, machte der 69-Jährige seinem Ärger zunächst am Redaktionstelefon Luft - und am Mittwoch auch bei einem Ortstermin. „Man hätte doch auch mit dem Zurückschneiden bis nach der Blütezeit warten können.“

Radikal gekürzt: Dieses Jahr fällt die gelbe Pracht am Spielplatz Böll-Straße aus.

Hätte man nicht, konterte der Adressat des Ärgers, der Chef des von der Stadt Mühlheim beauftragten Garten- und Landschaftsbaubetriebs Wolfgang Rohe, dessen Mitarbeiter die in den Augen der Völkers frevelhafte Tat begangenen hatten. „Es gibt Bestimmungen, wonach wir nach dem 1. März wegen der beginnenden Brutzeit keine Schnittarbeiten mehr an Sträuchern und Bäumen vornehmen dürfen“, erläuterte der Gärtnermeister, der statt von radikalem Stutzen lieber von „auf Stock setzen“ redete. „Wir waren mit den Arbeiten auf dem Spielplatz an der Heinrich-Böll-Straße ohnehin schon spät dran. Ein weiteres Aufschieben war nicht drin.“

War es doch, konterte wiederum Ute Völker. „Forsythien schneidet man nach der Blüte, nicht vorher“, belehrte die 67-Jährige den Experten. „Ich habe im Übrigen nichts gegen das Schneiden von Bäumen und Sträuchern. Es kommt aber auf den richtigen Zeitpunkt an.“

Unabhängig vom Zeitpunkt nannte Dietmar Klein, bei der Stadt zuständig für Park- und Grünanlagen, einen weiteren Grund für das Stutzen. „Bei uns haben sich Anwohner über die Forsythien beschwert“, so Klein. „Manche der Sträucher ragten über eine Gartenmauer und vermoosten sie. Da mussten wir handeln. Man kann es eben nicht jedem recht machen.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare