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Frauenbündnis erinnert an Geschlechterrollen während des Nationalsozialismus

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Der Spaziergang führte die Teilnehmer auch ans Wachthäuschen. -  Foto: nj
Der Spaziergang führte die Teilnehmer auch ans Wachthäuschen. © nj

Mühlheim -  Bei einem geschichtlichen Spaziergang durch die Stadt haben die Teilnehmer erfahren, welche Ziele die Erziehung im Dritten Reich hatte. Und wie es um die Rolle der Frau bestimmt war. Von Jan-Niklas Eickhoff

Das Mühlheimer Frauenbündnis und die Frauenbeauftragte Eva Scholz haben bei einem geschichtlichen Stadtspaziergang über die Rolle der Frauen im Nationalsozialismus und berichtet. Am Beginn stand ein Vortrag von Ingrid Till im Rathaus. Die Zuhörer erfuhren, wie die Jugend schon früh manipuliert wurde. Und dass sich die Nazis vorgestellt haben, dass eine Frau an den Herd gehöre. Es gab Kurse in Hausarbeit, die NS-Ideologie schränkte die Chancen der Frauen ein sich zu bilden und schraubte die beruflichen Perspektiven deutlich herunter.

Das Private der Frauen war Staatssache. So wurde auch das Kinderkriegen unter die Hand des Staates gestellt. Wer verhütete, war nicht willkommen und wer viel gebar, bekam Auszeichnungen wie das Mutterkreuz in verschiedenen Graden. Der nächste Stopp des Spaziergangs waren die Stolpersteine in der Bahnhofstraße, die an die Einzelschicksale der Opfer erinnern. Schikane und staatlichen Terror gab es auch in Mühlheim, aber nicht nur gegen Juden. Wer ungehorsam war oder sich nicht der Führung hingab, bekam Probleme.

Weiter ging es zur ehemaligen Synagoge. Dort war von den Erzählerinnen zu erfahren, was mit den Juden explizit passierte und wie sie zum Beispiel in Lastwagen oder Sonderzügen deportiert wurden. Vor dem Altenwohnheim hielt Daniel Tybussek eine Rede, bevor die Teilnehmer das Wachthäuschen an der St.-Markus-Kirche ansteuerten, an dem es auch eine Kranzniederlegung gegeben hatte. In diesem Häuschen wurden 1938 acht Männer infolge der Reichspogromnacht eingesperrt. Ein Sonderzug brachte sie nach Buchenwald in das Konzentrationslager. Alle acht Männer kamen wenige Jahre später aber wieder frei.

Die letzten beiden Stationen waren beide in der Altstadt. Auch dort gab es viele Menschen, die unter dem Regime litten, Kommunisten etwa. Auf dem ehemaligen Festplatz, heute ein Spielplatz vor der Goetheschule, fand die Bücherverbrennung in Mühlheim statt.

Die Veranstaltung gehört auch zu jenen, die das Frauenbündnis anlässlich seines 30-jährigen Bestehens organisierte. Grund für das Bündnis, zu dem Spaziergang einzuladen, war, dass kriegerische Taten zwar aufgearbeitet sind, die Rolle der Frau und das damit verbundene Leiden aber oft unbehandelt blieben. Wichtig sei aber auch, dass Frauen nicht nur als Opfer angesehen werden dürfen. Einige waren selbst Teil des Regimes und trugen zu Gräueltaten bei.

Später war Gelegenheit, noch einmal ausführlich bei Suppe und heißen Getränken zu sprechen.

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