Amphibienwanderung

Freiwillige tragen Frösche und Kröten über gefährliche Straßen

Freiwillige Helfer sammeln die Amphibien ein, die auf dem Weg zu ihren Laichplätzen in die an den Schutzzäunen angebrachten Eimer gefallen sind, und tragen sie auf die andere Straßenseite.
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Freiwillige Helfer sammeln die Amphibien ein, die auf dem Weg zu ihren Laichplätzen in die an den Schutzzäunen angebrachten Eimer gefallen sind, und tragen sie auf die andere Straßenseite.

Tausende Amphibien sterben jedes Jahr bei der Überquerung von Straßen. Im Mühlheim bei Offenbach helfen Freiwilligen den Tieren beim sicheren Weg an den Laichplatz.

Mühlheim - Für Amphibien ist das Wandern zu ihren Laichplätzen ein angeborener Trieb. Doch sind querende Straßen eine große Gefahr für die wechselwarmen Tiere. Eine Lösung ist ein Amphibienschutzzaun. Ein solcher wird jedes Jahr an der Steinheimer Straße aufgebaut. Ein weiterer steht ganzjährig an der Lämmerspieler Straße, um jeweils mehrere Hundert Tiere jedes Jahr sicher auf die andere Seite zu geleiten.

Der Amphibienschutzzaun an der Lämmerspieler Straße wird seit 1995 betrieben und die mobile Anlage an der Steinheimer Straße seit 2008. Aufgebaut wird die Anlage jedes Jahr zwischen Januar und März durch den Verein Zugpferd und startet individuell, wenn die Wanderungen beginnen. Der Zaun selbst ist rund 300 Meter lang und besteht aus einer grünen Plane, die über Heringe mit dem Boden verankert wird. Die Stadt Mühlheim unterstützt seit vielen Jahren das Wandern der verschiedenen Amphibien, doch fällt auf, dass immer weniger Bewegungen festgestellt werden.

Mühlheim bei Offenbach: Amphibien kommen dank Helfern sicher über die Straße

Grund dafür sind die seit Jahre rückläufigen Niederschläge zum Jahresbeginn. Denn ein Frosch oder ein Molch kehrt jedes Jahr zur Fortpflanzung an den Ort zurück, an dem er selbst einst aus einem Tümpel geklettert ist. Zu diesen Gewässern, die auf Mühlheimer Seite liegen, wandern die Tiere, um sich fortzupflanzen. Dabei müssen die Tümpel in denen dann die Kaulquappen das Licht der Welt erblicken, einen gewissen Wasserstand aufweisen. Wird das Wasser zu warm oder der Wasserstand zu niedrig, überleben unter Umständen alle Nachkommen in diesen Tümpeln nicht.

Es ist Samstag, halb 10, und Wilfried Mann parkt sein Auto am Waldrand an der Ortsausfahrt von Lämmerspiel. Das langjährige Nabu-Mitglied ist einer von rund 20 Helfern, die jedes Jahr Amphibien wie Grasfrösche und Molche aus Eimern sammeln und sicher in die Tümpel auf die andere Straßenseite tragen. Ausgestattet mit Warnweste und einer Matte, um auf dem Boden zu knien, kontrolliert der Naturschützer jeden Eimer auf Tiere, die auf die andere Seite wollen.

Krötenhelfer bei Offenbach: Auch seltene Tiere mit in Auffangbehältern

Die freiwilligen Helfer suchen nach Grasfröschen, Springfröschen, Berg- und Teichmolchen. Auch findet sich gelegentlich eine Gelbbauchunke in den Auffangbehältern wieder. Diese Art gilt hessenweit als stark gefährdet und wird der Gefährdungskategorie 2 der Roten Liste zugeordnet. Die Froscharten finden sich auf der Vorwarnliste wieder. Auf dieser werden Arten aufgeführt, die merklich zurückgegangen aber noch nicht gefährdet sind.

Die Initiatorin der Aktion ist die Sachgebietsleiterin Umwelt und Freiraum Anne Schleißner, die die Aktion seit 2008 organisiert. Auch sie selbst ist ehrenamtlich am Zaun aktiv.

Trockene Jahre in der Region Offenbach haben Amphibienzahlen einbrechen lassen

Wenn eine Amphibie in einem Eimer landet, wird er von einem der freiwilligen Helfer gezählt und in eine Liste eingetragen bevor er über die Straße getragen wird. Blickt man auf die Zahlen der letzten Jahre wird erkennbar, dass die Zahl der erfassten Amphibien auch früher schon Schwankungen unterlagen. Hier spielen Witterung, Effektivität der Schutzzäune, Kontrollzeiträume und Populationsdynamik eine Rolle. Allerdings seien die geringen Zahlen der vergangenen drei Jahre auffällig und hingen auch mit den fehlenden Niederschlägen zusammen, so Schleißner.

Alle Beteiligten der Aktion hoffen, wie jedes Jahr, dass sich die Amphibien im wechselfeuchten Mühlheimer Stadtwald weiter halten können. Auch wenn die Ausmaße und Wirkungen der klimatischen Veränderungen kaum vorhersehbar sind, bleibt die Aktion Schutzzaun ein großer Beitrag zum Artenschutz und zur Vielfalt der Natur in und um Mühlheim. Interessierte können sich unter 06108 601821 im Rathaus bei Anne Schleißner als freiwillige Helfer melden. (Jan-Niklas Eickhoff)

Manchmal haben sogar die Kröten Vorfahrt: Eine Straße zum Impfzentrum des Kreises wird im Frühjahr aufgrund der Amphibenwanderung gesperrt.

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