Freunde mit Geschäftsbeziehung

Marktstübchen in Lämmerspiel punktet zum Neustart mit Produkten aus der Stadt

Synergie in Lämmerspiel: Stefan und Alexandra Scior verkaufen die Apfelweinspezialitäten von Kai Böhme aus der Landkelterei Dietesheim.
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Synergie in Lämmerspiel: Stefan und Alexandra Scior verkaufen die Apfelweinspezialitäten von Kai Böhme aus der Landkelterei Dietesheim.

Synergieeffekte nutzen nicht nur Konzerne, sondern auch regionale Geschäfte. Anfang November übernahmen Alexandra und Stefan Scior das traditionsreiche Feinkostgeschäft an der Bischof-Ketteler-Straße, das sich mittlerweile „Alexandras Marktstübchen“ nennt. Das Paar bietet Apfelweinspezialitäten aus der Getränkemanufaktur der Landkelterei Dietesheim und Besonderheiten des „Kaffeehaus m“ aus der Rote-Warte-Siedlung an.

Mühlheim – Es ist immer ein wenig heikel, wenn alteingesessene Geschäfte oder Gastwirtschaften den Eigentümer wechseln. Wo es gerade noch brummte, fällt nach ein paar Wochen der Hammer. Ein Problem, das sich in Lämmerspiel gerade überhaupt nicht stellt. Das Ehepaar Rainer und Monika Oberth hatte sein „Obst & Käse Stübchen“ 36 Jahre erfolgreich geführt (wir berichteten). Knapp anderthalb Monate nach dem Neustart erklärt Stefan Scior, „es läuft für uns noch besser, als wir erhofft hatten“.

Und das trotz Corona. Denn in Lockdown-Zeiten verändert sich das Konsumverhalten. Um so selten wie möglich das Haus zu verlassen, kaufen die Menschen lieber dort ein, wo sie alles bekommen, also eher nicht in Feinkostläden.

Das Konzept von „Alexandras Marktstübchen“ liegt darin, das bisherige Angebot prinzipiell weiterzuführen, aber einige neue Nuancen zu setzen. Dazu gehört etwa ein Getränk, das sich „Prosäpplo“ nennt, ein Apfelwein nach Secco-Art. Die Brüder Kai und Frank Böhm gründeten aus der Landkelterei Dietesheim die Getränkemanufaktur GbR vor elf Jahren als Nebenerwerb. Auf die Idee kamen die beiden durch Kindheitserinnerungen. Ihr Großvater Otto Adam brachte einst zentnerweise Äpfel zu dem Mann mit seiner Presse, den die Dietesheimer nur „Bienen-Jakob“ nannten.

Kai Böhm und das Ehepaar Scior kennen sich aus der Dieselstraße, wo Stefan und Alexandra über Jahre eine Bäckerei führten, ehe sie das Feinkostgeschäft in Lämmerspiel übernahmen, „aus der Kundschaft entwickelte sich eine Freundschaft“. Und daraus wiederum eine Geschäftsbeziehung.

Ihren Prosäpplo stellen die Brüder Böhm auch in einer Variante mit einer südamerikanischen Frucht her, die zur Jahreszeit passt. Die Tonkabohnen erinnern mit ihrem starken Aroma an Weihnachtsdüfte. Auch für jene, denen normalerweise nicht unbedingt der Sinn nach Apfelwein steht, könnte die Schaumwein-Variante eine Option sein. „Alexandras Marktstübchen“ bietet auch „Apfelwein mit Restsüße“ und „Apfelwein Barrique“ an, was der alkoholischen Essenz „eine kräftige Eichennote“ verleiht. Die Puristen unter den Freunden des hessischen Nationalgetränks dürften im Regal eher nach „Apfelwein mit Speierling“ greifen.

In „Alexandras Marktstübchen“ gibt‘s auch Koffein. Wer in Lämmerspiel wohnt, muss für eine Arabica-Spezialität nicht in die Rote Warte zum „Kaffeehaus m“ fahren. Dorthin lässt sich die Eigentümerin Michaela Mellert, die in Wien das Diplom als Kaffeesommelière erwarb, in Jutesäcken die hochwertigen rohen Bohnen aus den Herkunftsländern schicken. Mellert röstet im eigenen Ofen am Alten Frankfurter Weg.

Eine weitere Änderung in Alexandras Marktstübchen: Alexandra Scior schmiert Brötchen nach Wunsch. Weiterhin gibt es selbst gemachte Kartoffel-, Lauch- oder Fleischsalate. Die Frau bedauert, „dass wir zur Zeit niemanden probieren lassen können“. Für die Zeit nach Corona überlegt man sich, auch die Weine verkosten zu lassen.

Stefan Scior erzählt, es habe tatsächlich sogar Lämmerspieler gegeben, die erst durch den Eigentümerwechsel die Existenz des Feinkostladens bemerkten, „erst durch die Arbeiten an der Fassade“. Anfangs lieferte Scior nur freitags nach Hause, mittlerweile bringt er Bestellungen auch mittwochs vorbei.

Die neuen Eigentümer führen mit dem Geschenkkorb eine weitere Tradition fort, individuell bestückt „mit Kaffee, Wein, Ölen oder was sich auch immer die Menschen wünschen“.

(Von Stefan Mangold)

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