„Thiogo“: Mehr als der Tropfen

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Thorsten Ehmann in Burkina Faso.

Mühlheim - In den Entwicklungshilfedienst zu gehen, habe er sich damals schon längere Zeit überlegt. Im Praktikum während des Studiums kümmerte sich Thorsten Ehmann auf La Palma um das Thema Bodenerosion. Von Stefan Mangold 

Locker lernte der 47-jährige Spanisch, „eigentlich wollte ich nach Südamerika“. Woraus nichts wurde. Denn die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) schlug dem heutigen Inhaber einer Firma für Garten- und Landschaftsplanung vor, in Burkina Faso zu arbeiten. Wovon Ehmann noch nie gehört hatte, „das klang wie etwas zum Essen“. Aber der gelernte Gärtner und frisch gebackene Diplom-Landschaftsplanungsingenieur ging 1995 für zwei Jahre in das ehemalige Obervolta. In das Departement Ziniaré, nicht weit von der Hauptstadt Ouagadougou entfernt, „dort ist Bodenerosion ein großes Problem“. Anschließend zog Ehmann wieder nach Mühlheim.

Doch seit damals kehrt der Mann jedes Jahr für mehrere Wochen zurück, „Burkina Faso wurde mir zur zweiten Heimat.“ Für sie setzt sich Ehmann im „Thiogo - Freundeskreis Mühlheim-Nouna/Burkina Faso’ ein. Der Begriff Thiogo entstammt dem Dioula, einer westafrikanischen Sprache. „Wir tun, was wir können“, heißt „thiogo, thiogo“ übersetzt. Bürgermeister Daniel Tybussek hält den Vorsitz des im letzten Jahr gegründeten Clubs, der sich vor allem um Spenden für Bildung in der Region bemüht. Weshalb sich der Scheck über 1000 Euro, den in dieser Woche Uwe Waismantel übergab, der Inhaber der Autolackiereri an der Dieselstraße, wie ein warmer Regen anfühlt.

Mit dem Geld hatte Ehmann erstmal nicht gerechnet. Im Gegenteil. Er hatte sich geärgert, mit seinem Wagen in der Werkstatt erscheinen zu müssen, „weil ich wo hängen geblieben bin“. Als er zum Abholen kam, sprach ihn der Inhaber auf Thiogo an. Von dem Freundeskreis hatte ihm wiederum seine Frau Brigitte erzählt, die bis vor kurzem als Angestellte der Sparkasse Seligenstadt das Spendenkonto des Vereins betreute. Ehmann erzählte Weismantel von einem Projekt für die 40.000 Einwohner der Provinzhauptstadt Nouna im Westen des Landes. Sauberes Wasser, das aus der Leitung fließt, ist dort unbekannt. Wer aus Brunnen unabgekocht trinkt, riskiert einiges. Viele Kinder sterben an Durchfall. „Fürs Abkochen bräuchten sie Brennholz, aber das ist knapp.“

Weshalb in den achtziger Jahren Entwicklungshelfer Brunnensysteme bauten, um aus einer Tiefe zwischen vierzig und achtzig Metern zu schöpfen. Wartung und Ersatzteile blieben jedoch außen vor, weshalb die Einwohner irgendwann auf das saubere Wasser wieder verzichten mussten. Ein Problem, de, sich Rosemarie Kempers (70) annahm. Die Frau arbeitete über Jahrzehnte als Entwicklungshelferin in Burkina Faso. Nach ihrer Pensionierung blieb sie und engagiert sich in einem der ärmsten Länder nicht nur ehrenamtlich dafür, Kindern das Lesen und Schreiben beizubringen, sondern auch, die Trinkwasserpumpen in Stand zu setzen und dörfliche Wartungsteams auszubilden. „Spenden gehen ohne Abzug in Kempers Gesamtprojekt“, erzählt Thorsten Ehmann auch Uwe Weismantel, der spontan 1000 Euro zusagte.

Im Argen liegt auch die Kanalisation in Nouna. Genauer gesagt: „Es gibt keine“. Während der Regenzeit fließt nichts ab. Helfen soll ein Zusammenspiel mit Mühlheims Partnerstadt Saint-Priest, „der Bau eines Kanalsystem kostet drei Millionen Euro“. Saint-Priest kann etwa für die Hälfte sorgen. Mühlheim fehlt diese Möglichkeit noch. Wer Thiogo und die Arbeit von Rosemarie Kempers unterstützen will, kann das mit dem Erwerb von Geschenken kombinieren. Beim Weihnachtsmarkt um die St. Markus Kirche an diesem Wochenende verkauft Thiogo vor dem Abthof an der Pfarrgasse Schmuck und Kunsthandwerk aus Burkina Faso. Thorsten Ehmann steht Rede und Antwort.

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