Neuntklässler zeigen, was eine gute Lehrerin schafft

Friedrich-Ebert-Schule: Der Druck in der „Firma“

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Wenn sich die Theorie in der Praxis spiegelt: Physiklehrerin Romina Skaar (Bild unten, mit Schal) und ihre Schüler hauchen staubtrockenen Formeln mit ihrer Ausstellung Leben ein.

Mühlheim - Wer Wissenschaft mit Langeweile gleichsetzt, hat was nicht verstanden. Oder das noch größere Pech, in früheren Pädagogengenerationen pures Auswendiglernen zelebrieren zu müssen. Von Stefan Mangold 

30 Real-Neuntklässler der Friedrich-Ebert-Schule, das zeigt ihre „Phydraulik“-Schau, haben es auch dank der Lehrerin Romina Skaar besser. Nicht wenige können nachvollziehen, was Dominik Russ ausdrückt. Der Leiter von Mühlheims Friedrich-Ebert-Schule deutet an, in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern nicht nur Sternstunden der Erkenntnis erlebt zu haben. Das wäre vielleicht anders gewesen, wenn ihm jemand die Geheimnisse der Physik „so anschaulich erklärt hätte, wie Romina Skaar das kann“. Auf jeden Fall schafft es die Pädagogin, ihren Schülern die Angst davor zu nehmen.

Klassische Lieblingslehrer unterrichteten zumindest in früheren Zeiten Fächer wie Religion oder Sozialkunde. Die Leistung lässt sich da nicht so streng messen wie anderswo und kaum ein Beitrag gilt als komplette Zielverfehlung. „Laberfächer“ hießen die einst. Romina Skaar scheint den Titel „Lieblingslehrerin“ trotz ihres Unterrichts in klassischen Schreckensfächern wie Mathe und Physik zu tragen. Am Ende der „Phydraulik“-Präsentation übergeben die Schüler ihrer jungen Lehrerin eine fein gestaltete Urkunde, auf der etwa steht: „Sie bauen Druck auf, wenn wir ihn brauchen, sie lassen los, wenn es läuft.“ Die Quintessenz resümiert die Überschrift: „Für uns sind SIE die beste Hydraulik-Maschine der Welt.“

Im Alltag spielt Hydraulik eine Rolle, wenn der Lastwagen seine Ladefläche hebt, um den Sand abzuladen, wenn der Kapitän einer Passagiermaschine das Fahrwerk ein- und auszieht, wenn der Baggerführer buddelt. Dann baut sich Druck auf. „Wasser lässt sich nicht komprimieren, Luft aber schon“, erklären Ivana Jurkovic und Ana Kosovac das Prinzip anhand einer Spritze. Nur mit Luft gefüllt, lässt die sich gut zusammen drücken. Mit Wasser nicht Es sind Flüssigkeiten wie Öl, die gegen ein Behältnis drücken, das Sauerstoff komprimiert, was wiederum eine mechanische Reaktion in Gang setzt. Wie bei der Greifmaschine, die Ruben Barbosa konzipierte und aus Holz und Pappe baute, „sie funktioniert wie auf dem Jahrmarkt“. Statt um Stofftiere geht es hier um Gummibärchentütchen. Mit jeweils zwei Wasserspritzen lässt sich die Vorrichtung vor und zurück schrieben, der Greifer öffnen und schließen. Die anderen Ausstellungstücke funktionieren nach dem gleichen Muster.

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Das gesamte Projekt lässt sich nicht nur in die Physik, sondern auch in das Fach Arbeitslehre einbetten. Die Klasse gründete eine fiktive Firma mit acht Abteilungsleitern und drei Geschäftsführern, zu denen Ivana Jurkovic, Ridwan Muhiyadin und Nicklas Latzusch gehören.

Lehrerin Skaar erzählt, wie die Idee Gestalt annahm. Zuerst schlug die Klasse vor, den Werkraum zu benutzen. Der ist an sich nur für den Hauptschulzweig bestimmt. Weil die Deutschen wie kaum eine andere Nation ein Faible für Bürokratie pflegen, musste Skaar erst mal einen „Maschinenschein Holzverarbeitung“ erwerben, bevor sie mit den Schülern endlich in den Werkraum durfte. Zur Ausstellung verkaufen die Schüler Kuchen und Kaffee. Längst sind die Zeiten vorbei, als sich so was einfach backen und hinstellen ließ. Zuvor ist eine Liste der Inhaltsstoffe einzureichen.

Ohne Werbung geht gar nichts: Plakate und Flyer gingen in Druck. Weitere steckten die Schüler in Mühlheimer Briefkästen – ganz ohne Genehmigung. So informiert, kam auch ein pensionierter Lehrer vorbei. Auch heute fällt wieder auf, was für die FES generell gilt: Die Schüler verhalten sich auffällig höflich und respektvoll, auch untereinander. Die Präsentationen sind topp vorbereitet und konzentriert vorgetragen. Nicklas Latzusch erklärt, wie es in der „Firma“ zuging: „Wenn jemand Probleme hatte, waren andere gleich für ihn da.“

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