Friedrich-Ebert-Schule verabschiedet ihren Leiter Christoph Müller in den Ruhestand

Physik mit dem Golden Retriever

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Christoph Müller ist seit 2004 an der Mühlheimer FES.

Mühlheim - Christoph Müller, der Leiter der Friedrich-Ebert-Schule (FES), wird nach 42 Dienstjahren am 31. Januar verabschiedet. Seine knapp 14 Jahre in Mühlheim prägten die Schule. Für den Ruhestand hegt er einen speziellen Wunsch. Von Stefan Mangold 

Es gibt Leute, die ein Jahrzehnt vor der Rente anfangen, die Tage bis dahin zu zählen. Auf die Idee kam Christoph Müller nie, „erst in den großen Ferien 2016 dachte ich das erste Mal, ‘bald wirst du pensioniert’“. Offiziell passiert das erst im Sommer. Durch Lehrermangel bedingt, sprach den heute 65-Jährigen einst sein Dienstherr an, ob er für eine Dekade pro Woche eine Stunde länger arbeiten könne. Dafür scheide er ein halbes Jahr vorher aus.

Die meisten Kinder haben Berufswünsche, aus denen später nichts wird. Die wenigsten werden Fußballprofis, Schauspieler oder Popstars. „Ich wollte Pilot werden“, erinnert sich der Hanauer. Geschwindigkeit sei immer sein Ding gewesen. Sicher nicht zur Freude der Mutter, legte sich Christoph mit dem Fahrrad so weit in die Kurven, dass die Pedale über den Asphalt schrabbten. Unbeschwerten Applaus erntete der Bub auch nicht, als er den Dreh heraus hatte, freihändig auf dem Roller zu fahren.Den Wunsch, Pilot zu werden, musste Müller früh begraben, „meine Brille hätte nicht unters Helmvisier gepasst“. Später überlegte er, Mediziner zu werden. Als Sanitäter bei den Johannitern hatte Müller Einblick ins Metier gewonnen. Irgendwann sollte er aber eine Tetanusspritze geben, „da merkte ich, das kann ich nicht“.

Seine Affinität zu Technik und Geschwindigkeit brachte Müller schließlich dazu, Physik und Mathematik auf Lehramt zu studieren. In seinem Büro hängt auf der einen Seite ein Bild, das wuselnde Mechaniker beim Boxenstopp eines Ferraris zeigt, auf der anderen die Fotografie eines Boliden aus dem Hause Lamborghini. Der Schulleiter betont, kein Raser zu sein, „ich habe keine Punkte“.

Für den Physikunterricht brachte der Leiter manchmal seinen Hund mit. Ein Golden Retriever, der auf Houston hörte und Müllers arglosem Stellvertreter Klaus Wiederspahn einmal unter dem Schreibtisch das Brötchen aus der Hand klaute. Houston half im Schulhof, die Gesetze der Beschleunigung zu verdeutlichen. Der Hund gewann das Rennen über 25 Meter gegen jeden Schüler deutlich.

Im Jahr 2004 wechselte Müller von der Otto-Hahn-Schule in Hanau, wo er lange die Förderstufe geleitet hatte, an die Friedrich-Ebert-Schule als Chef. Ganz ahnungslos hatte sich der Mann nicht beworben; 1997/98 führte das Kultusministerium ein Computerprogramm an den Schulen ein. Müller hatte sich mit Bedacht gemeldet, als es darum ging, jemanden zu finden, der 83 Sekretärinnen die Funktionen erklärt, „so konnte ich von allen hessischen Schulen einen Eindruck gewinnen“.

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Damals hatte der Lehrer schon im Sinn, irgendwann eine Leitung zu übernehmen. Außerschulisch bekam Müller vom Kultusministerium weitere Aufträge. Federführung konzipierte er die hessischen Lehrpläne für seine Fächer an Realschulen, ebenso wie die Aufgabenstellung für den zentralen Realschulabschluss im Land.In seiner Mühlheimer Zeit bekam die FES das selten vergebene „Gütesiegel für vorbildliche Berufs- und Studienorientierung“. Die Schule darf auch das international anerkannte Englisch-Zertifikat LCCI vergeben.Vor Kurzem fing an der FES eine neue Kollegin an, „die freut sich, wie höflich sich die Schüler benehmen“. Der sportliche Mann war nie ein Freund von Laissez-faire, kein Labbeduddel-Pädagoge mit viel Verständnis für miserable Umgangsformen. Der Mann gehört zu dem Typ Lehrer, dessen Schüler als Erwachsene erzählen, „das hab‘ ich beim Müller gelernt“.

Stets sah der Leiter zu, Kollegen an die FES zu holen, die auf seiner Wellenlänge liegen. Wenn er jemanden nicht unbedingt wollte, deklarierte er Mühlheim beim Vorstellungsgespräch als „Vorort von Offenbach“. Im anderen Fall handelte es sich „um eine Kleinstadt zwischen Hanau und Offenbach“.Für die Zeit im Ruhestand hat er Konkretes vor: „Ich will nicht in die Kiste springen, ohne einmal Lamborghini gefahren zu sein.“

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