Finanzielle Beteiligung kein Tabu-Thema mehr

Froh über die Fähren-Bewegung

Mühlheim - Vom Sterbebett auf den Weg der Besserung: Die Mühlheimer Politik hat mit Wohlwollen quittiert, dass die beiden Landkreise Offenbach und Main-Kinzig die Chance auf eine Wiederbelebung der Fähre mit Zuschusszusagen steigern. Von Marcus Reinsch 

Die 35.000 Euro für die Reparatur und weiteres Geld für die Anschubfinanzierung, falls sonst kein Betreiber für die im letzten Oktober stillgelegte Mühlheimer Fähre zu finden ist: Die Zuschuss-Lockrufe der Kreise Offenbach und Main-Kinzig kommen bei Mühlheimer Volksvertretern gut an.
Und mittlerweile hat Kreis-Offenbach-Landrat Oliver Quilling (CDU) unserer Zeitung gegenüber auch konkretisiert, was sich zumindest aus Kreis-Sicht unter der zunächst etwas nebulösen Formulierung von „mehr Verantwortung der Städte“ verstehen lässt: eine auch finanzielle Beteiligung der Nutznießer-Kommunen Mühlheim und Maintal.

„Wenn es um die Finanzierung des dauerhaften Betriebes geht, sind die Städte mit im Boot“, sagte Quilling. Die mit am Runden Tisch zum Thema sitzenden Bürgermeister hätten Bereitschaft signalisiert, müssten dafür allerdings noch politische Mehrheiten finden. Die Ausschreibung werde im August starten; bis Ende September könne der Auftrag vergeben werden.

Ganz so weit will sich Mühlheims Bürgermeister Daniel Tybussek (SPD) gestern noch nicht aus dem Fenster lehnen. So lesen er, die Fraktionsvorsitzenden des mühlenstädtischen Stadtparlaments und die teils mit Kommunalpolitikern besetzte und deshalb mit Zweifeln an ihrer Überparteilichkeit konfrontierte „Bürgerinitiative Fähre Mühlheim-Maintal“ die Entwicklung:

Daniel Tybussek (SPD), Bürgermeister Mühlheim:

Ich begrüße es sehr, dass die Landkreise notwendige Investitionen übernehmen und nicht erst das Ergebnis einer Ausschreibung abwarten. Das bestätigt und unterstreicht das Interesse aller Beteiligten, die Fährverbindung wieder einzurichten. Deshalb ist es nur konsequent, dass wir auch bereit sind, als Stadt Mühlheim mehr Verantwortung zu übernehmen. Wie diese konkret aussieht, wird sich in den nächsten Wochen und im Zusammenhang mit der Ausschreibung zeigen.

„Bürger für Mühlheim“, Dr. Jürgen Ries:

Schön, dass nun etwas Bewegung in die Sache kommt. Was am Runden Tisch beschlossen wurde, hatten wir im Kreistag und im Stadtparlament ja lange gefordert. Das hätten wir schon vor Langem haben können. Aber das ist eben das Los der Opposition. Nun hat man Gott sei Dank eingesehen, dass es die Fähre nicht zum Nulltarif gibt. Die Frage ist: Was ist uns die Fähre wert? Ein bisschen ärgerlich ist, dass man jetzt 35 000 Euro in die Reparatur der Seilwinde steckt, statt zu klären, wie es mit der Verbindung langfristig weiter geht. Die Fähre hat ja noch mehr Mängel, ist auch zu klein. Sie müsste ausgetauscht werden. In Betrieb genommen werden kann sie aber erstmal, und ich glaube, dass sie wieder fahren wird. Ohne den vehementen Druck der Opposition wäre sie eingestellt worden. Nun, es geht voran, doch nach wie vor viel zu langsam.

Grüne, Dr. Jan Winkelmann:

Dr. Jan Winkelmann

Wir freuen uns über diese ersten Schritte in die richtige Richtung. Beharrlichkeit zahlt sich eben aus, und unsere politische Arbeit im Parlament wird weitergehen in diese Richtung. Jetzt könnte sich auch die Stadt Mühlheim bewegen. Ein bisschen erstaunlich ist, dass ein Zusammensetzen wie am Runden Tisch so erfolgreich sein kann, es bis dahin aber ein halbes Jahr gedauert hat.

„Bürgerinitiative Fähre Mühlheim-Maintal“

Wir treffen uns am heutigen Donnerstag mit dem Landrat im Kreishaus, sehen uns als Interessensvertretung für die Bürger. Über das Ergebnis des Runden Tischs freuen wir uns. Es war ja eine unserer zentralen Forderungen, dass man überhaupt mal miteinander spricht. Nur diesen Status Quo herzustellen, ist natürlich noch nicht ausreichend. Das muss man weiterdenken. Das wollen wir heute tun.

Bilder

CDU, Marius Schwabe

Marius Schwabe

Gut, dass man sich zusammengesetzt hat, dass der Kreis Offenbach seine Verantwortung wahrnimmt und die Fähre instand setzt. Wichtig ist jetzt die Ausschreibung und ihr Ergebnis. Ich denke schon, dass wir uns da einig werden können. Man hat ja gerade gesehen, dass sich alle ein Stück beweglich zeigen, auch wenn ich es nach wie vor für falsch hielte, jetzt mit Geld aus Mühlheim zu wedeln. Ich bin sehr dafür, dass das sauber abgearbeitet wird. Die Fähre soll wieder fahren. Und wir werden da niemanden im Regen stehen lassen.

SPD, Rosemarie Palm:

Rosemarie Palm

Der Fährbetrieb wird nun ausgeschrieben. Das ist genau, was wir die ganze Zeit gefordert haben. Und wir finden es natürlich auch gut, dass die beiden Kreise schonmal Geld in die Hand nehmen, um das Ganze zu beschleunigen. Die Reparatur kann man so schon im Vorfeld beginnen. Sobald wir nach der Ausschreibung wissen, was Fakt ist, sind wir bereit, das auch mit Geld zu unterstützen. Das waren wir selbstverständlich nicht, als wir noch nicht wussten, in welche Richtung sich die Sache entwickelt. Dieser Schritt musste eben erst mal gemacht werden, denn der Kreis ist Eigentümer und Besitzer.

Rubriklistenbild: © Yvonne Fitzenberger

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