Klassisch, volkstümlich, experimentell

Theatergruppe Früh-Beet probt „Die Welle“ für das Wochenende „Mühlheimer Kultur United“

Probe für „Mühlheimer Kultur United“: Die Formation Früh-Beet studiert Szenen aus Morton Rhues „Die Welle“ ein.
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Probe für „Mühlheimer Kultur United“: Die Formation Früh-Beet studiert Szenen aus Morton Rhues „Die Welle“ ein.

Aufstehen, umdrehen, salutieren, hinsetzen. Die Stühle stehen in akkurat gezogenen Reihen auf dem Parkett, die Schüler auch. Sie sind uniformiert mit dunklen Hosen und weißen Hemden, tragen eine Maske mit ihrem Logo, der „Welle“. Die Theatergruppe Früh-Beet bringt den gleichnamigen Roman von Morton Rhue auf die Schanz-Bühne, wohin in acht Tagen alle Theatergruppen der Mühlenstadt zum ersten gemeinsamen Großprojekt einladen.

Mühlheim – Acht auf einen Streich, 15 Minuten für jede Gruppe, lautet das Format für „Kunst trotz Corona“ der „Mühlheimer Kultur United“. Mehrere Ensembles hatten im März bereits Auftritte geplant oder standen schon kurz vor ausverkauften Vorstellungen. Sie wurden mit Hinweis auf die neuen Regeln zur Corona-Pandemie abgesagt. Dazu musste der Probenbetrieb monatelang pausieren.

Die Theater- und Kulturlandschaft werde „nacheinander, aber doch irgendwie gemeinsam“ im Rampenlicht stehen. Tim Rieth vom Früh-Beet-Team der katholischen Gemeinde St. Markus ist begeistert: „Das gab’s in den letzten 20 Jahren nicht.“ Vertreter der Kreise trafen sich mehrmals zu Organisation und Diskussion. Sie werden klassisches, volkstümliches und experimentelles Theater auf die Bühne bringen.

„Wir müssen unsere Audio-Dateien für die Technik im Schanz bereitstellen und einen Ablaufplan schreiben“, schildert Rieth neue Aufgaben als Leiter. „Wir lernen von der Begegnung, das bringt was für die zukünftige Arbeit.“ Seine Gruppe beschäftigt sich mit einem Experiment: Schüler meinen, Faschismus sei nicht mehr möglich, der Geschichtslehrer beweist ihnen im Selbstversuch das Gegenteil, die Klasse wird auf Disziplin und Grundsätze gedrillt.

Zur Hymne aus dem englischen Original haben die Jugendlichen eigene Texte geschrieben. Sieben Mitspieler dürfen auf die Bühne. Eigentlich zählt Früh-Beet doppelt so viele Aktive, doch die Hälfte ist am festgelegten Termin verhindert, so mussten die Leiter keine Auswahl treffen. Neben Tim Rieth führen Paula Bönisch und Kristina Braun Regie.

Für die „Welle“ waren zum Lockdown bereits alle Szenen einstudiert, für Mitte Mai drei Auftritte mit Rahmenprogramm geplant. Die jungen Darsteller hatten Repräsentanten der jüdischen Gemeinde und vom Bündnis „Bunt statt Braun“ eingeladen, das Plakat war schon fertig. „Das wäre unsere größte Aktion in dieser Zusammensetzung gewesen“, berichtet Rieth.

Seit 2014 führen die Talente zwischen 15 und 23 Jahren alljährlich ein Stück auf. Nach der Sommerpause erweitern die Theaterfreunde ihre Fähigkeiten durch Improvisationen, Übungen für Aussprache, Gesang und Mimik. Und zur Kirchweih stellen sie im Hochamt traditionell das Evangelium szenisch dar. In diesem Jahr wird es jedoch lediglich ein Lesen in verteilten Rollen sein.

Erst seit 1. September dürfen sie wieder im Gemeindezentrum proben. Davor haben sie sich nur bei Video-Anrufen gesehen. Die Leiter verteilten Arbeitsaufträge: die eigene Rolle per Video vorstellen, das Lied vortragen, den Einspiel-Film vorbereiten. Für Aufnahmen vorm Rathaus, in der Bahnhofstraße und im Bürgerpark holten sie sich eine Drehgenehmigung.

„Wir haben uns wahnsinnig gefreut, dass wir endlich auftreten können, das hat uns schon gefehlt“, schildert Rieth. „Wir haben überlegt, ob die Gemeinschaft Corona übersteht.“ Im Schanz konzentrieren sie sich auf zentrale Szenen aus dem ersten Teil, eine Essenz aus dem Buch. Das Ergebnis werden sie jedoch nicht verraten, sagt Rieth, denn „irgendwann wollen wir das ganze Stück komplett spielen“.

Infos: Acht Theatergruppen präsentieren am Wochenende 17. und 18. Oktober jeweils um 19.30 Uhr, am Sonntag auch um 14 Uhr, acht Bühnenstücke im Schanz. Karten gibt’s nur im Vorverkauf im Schanz (Carl-Zeiss-Straße 6) und im Mühlheimer Buchladen (Bahnhofstraße 17-19). (Von Michael Prochnow)

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