Füchse bevölkern Mühlheimer Gärten

Tierisches Problem 

„Sie sitzen in unseren Gärten und haben kaum noch Scheu...“ Auch vor Kameras nicht.

Mühlheim - Fotos ja, Zitate auch. Aber ihren Namen und ihre Adresse will die Mühl-heimer Familie, die ihre Nöte in einer Mail an unsere Zeitung formuliert hat, lieber nicht in der Zeitung wiederfinden. Nicht, dass sie was zu verstecken hätte. Von Marcus Reinsch

Aber sie hat nunmal schon jetzt genug Zaungäste auf ihrem Grundstück in der Nähe des Bepo-Kreisels am Areal der Bereitschaftspolizei. Vierbeinige, flinke, rotbraune, wahrscheinlich sehr weiche und ganz sicher zunehmend selbstbewusste Zaungäste, die sich aus Zäunen eher wenig machen - Füchse!.

Die Schnappschüsse, die an der Mail hängen, zeigen deutlich, worin das beklagte „richtige Fuchsproblem in unserem Wohnviertel“ liegt: an zu wenig Abstand. Die Familie hat die Fotos benamt. „Fuchs im Garten“ heißt das eine, „Fuchsidylle“ ein anderes. Das dritte nennt sich „HundFängtFuchs“ und zeigt einen willentlich domestizierten und einen leider nicht mehr ausreichend scheuen Vierbeiner, getrennt nur durch eine Hecke und ein Stück Rasen. Kontrahenten, die sich von Natur aus nicht besonders grün sind.

Zu beobachten war das Schauspiel erstmals vor rund einem Jahr. Schon damals kam behördliche Hilfe. Die Stadtverwaltung handelte „im Rahmen der Möglichkeiten“, alarmierte den Jagdpächter. Der postierte sich natürlich nicht im Wohngebiet, wo Schießen streng verboten ist, sondern in der Feldgemarkung hinter der Bahnlinie. Die wird als Startpunkt für die Touren der Füchse vermutet. Der Mann mit dem Gewehr stellte eine Art Hochsitz auf und schoss.

Nächste Generation ist unterwegs

Doch Mühlheimer Randlagen sind offensichtlich sehr beliebt, bei Menschen wie bei Tieren. Die nächste Generation Füchse ist unterwegs. „Die gewöhnen sich sehr an die Menschen, sodass sie gar nicht mehr weggehen, wenn man am Zaun steht und versucht, sie zu vertreiben“, schreibt die Familie. Inzwischen seien die Besucher sehr vertraut mit den Gärten. „Sie schauen einen an, bleiben sitzen.“ Und: Zurzeit haben die Füchse Nachwuchs. Ihre Jungtiere brächten sie gleich mit zum Zaun - „die sind ja echt niedlich.“

Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere: „Füchse können Krankheiten übertragen.“ Oder Krankheitserreger. Vermutet nicht nur die Familie, sondern können Experten belegen. Da gibt es Bandwürmer, Fadenwürmer, Flöhe, Zecken. Milben. Und dazu komme eben, heißt es in der Mail, „dass aggressivere Tiere sich mit unserem Hund im Garten anlegen - die beißen sich durch den Zaun.“

Dabei folgen die Mühlheimer Exemplare offenbar einer Art festem Tagesablauf. „Etwa ab 17 Uhr laufen die Füchse auf der Dresdner Straße herum und gehen spazieren - meist gemütlich auf dem Gehweg.“ Sobald es dann dunkelt, „sitzen sie auf der Straße oder im Garten vor dem Haus und schreien so laut durch die Nacht, dass man eine Gänsehaut bekommt“.

Fuchsbau in der Polizeischule?

Lösung? Schwierig. Im Rathaus kennt man die Kollision der Interessen natürlich. Damals habe es deswegen auch nicht nur einen Anruf gegeben. Nicht bestätigt habe sich erstmal die Vermutung, dass es einen Fuchsbau auf dem Gelände der Polizeischule gibt. Dafür aber, so heißt es nun aus dem Umfeld der Ordnungshüter, dass Füchse fressbare Reste von McDonalds holen und sich dann wieder trollen. Beispielsweise durch die Unterführung an der Memelstraße, eine direkte Verbindung zum Feld.

„Dass sich die Füchse nah herantrauen“, heißt es aus dem Rathaus, „kann man nicht verhindern.“ Es gebe leider sogar Anwohner, die die Tiere auch noch füttern und damit zusätzlich anlocken. Wieder schießen? Keinesfalls auf Füchse mit Jungen - Schonzeit. Die Blei-Lösung will auch die Familie nicht. Ihr geht es darum, dass man das Problem bekannt macht. „Vielleicht kennt sich ja einer aus, der die Bürger mal aufklärt, welche Befürchtungen man haben sollte, wie man sich verhält“, schreibt sie. „Oder sogar, wie man Füchse vertreiben kann, damit man abends keine Angst mehr haben muss, mit dem Hund im Garten zu sitzen...“

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