Rund 300 Menschen gehen auf die Straße

Demonstration für ein weltoffenes Mühlheim

Flagge zeigen gegen Rechts: Demonstranten jeden Alters ziehen vom Alten Friedhof in Dietesheim bis zum Bürgerpark.
+
Flagge zeigen gegen Rechts: Demonstranten jeden Alters ziehen vom Alten Friedhof in Dietesheim bis zum Bürgerpark.

Die blauen Plakate hängen keine Viertelstunde. Kurz bevor die Demonstranten in die Rodaustraße biegen, schließt der Fahrer eines Geländewagens die Lücken am Geländer über den Bach mit Plakaten der AfD. Kaum haben die letzten Mitglieder des Zugs mit Fahnen und Fahrrädern die Brücke hinter sich gelassen, sind auch die Werbe-Banner vom Geländer verschwunden.

Mühlheim – Rund 300 Demonstranten ziehen vom Alten Friedhof in Dietesheim zum Bürgerpark und treten dabei lautstark „für ein buntes Mühlheim und gegen rechtsextreme Bestrebungen in unserer Stadt“ ein. Helge Kuhlmann, Yannic Bill, Michael Hamrodi, Lasse Westphal und Tim Hainz, engagiert in Parteien und Vereinen, haben sich zusammengetan und zum Protest gegen die AfD aufgerufen. Sie tritt am 14. März erstmals bei der Kommunalwahl in der Mühlenstadt an.

„Für all die Menschen, die sich jeden Tag für ein weltoffenes Mühlheim einsetzen, muss eine AfD-Wahlliste ein Schlag ins Gesicht sein“, fürchtet das Bündnis. In den vergangenen Jahren habe die Partei „eindrücklich gezeigt, was passiert, wenn Faschisten wieder in Parlamenten sitzen: Menschenverachtende Politik wird normalisiert, es wird versucht, unsolidarische Positionen ins Parlament zu bringen, zudem werden systematisch die Werte der Demokratie und das demokratische System an sich bekämpft“, mahnen die Initiatoren.

Die Teilnehmer haben sich am Alten Friedhof an der Bettinastraße mit Transparenten und Flaggen versammelt. Ganz vorne tragen junge Männer mit Sonnenbrillen und schwarzen Mützen das Motto, „Die Rechten einsacken“ und „Gegen die AfD und jeden Rassismus“. Dazu stimmen sie passende Rufe an, die in den engeren Straßen lange nachhallen. Lasse Westphal plädiert für „Solidarität, Toleranz und Vielfalt“ und betont, „wir dürfen die Anschläge in Hanau nicht unkommentiert lassen“.

Am Friedrich-Ebert-Gymnasium erklärt Aktivistin Hibba Kauser aus der Lederstadt: „Rassismus tötet“. Als Stichelei bewertet die Gemeinschaft, dass AfD-Plakate am Zugweg aufgehängt sind, auch an Stellen, an denen keine Wahlwerbung gezeigt werden dürfe, kritisieren die Sprecher. Ein Zwischenfall an der Gerhart-Hauptmann-Straße bestärkt die Truppe: Ein Mann mittleren Alters skandiert den Hitler-Gruß. „Deswegen demonstrieren wir“, entgegnet Michael Hamrodi auf die offensichtliche Provokation. Polizisten, die mit mehreren Mannschaftswagen die Demonstranten begleiten, nehmen die Person in Gewahrsam.

Der Weg führt durch die Jahnstraße, in der Zimmerstraße müssen sie mit ihrem Lautsprecherwagen eine Baustelle umschiffen. Alle tragen ordnungsgemäß einen Mund-Nase-Schutz, halten Abstand. Am Ziel, in Sichtweite zum Rathaus, verleihen die Veranstalter ihrem Stolz Ausdruck, dass sich unerwartet viele Mitstreiter aller Generationen ihrem Anliegen angeschlossen haben. Tim Hainz kritisiert Mühlheims Politiker: „Wer sich selbst als sozial bezeichnet, aber aus Angst vor einem Stimmverlust konservativer Wähler jegliche Solidarität mit Geflüchteten verweigert und Mühlheim nicht zum Sicheren Hafen macht, holt keine konservativen Wähler zurück in die vermeintliche demokratische Mitte.“ Dieses Verhalten spiele Rechten und der AfD in die Karten, schimpft der junge Mühlheimer.

Helge Kuhlmann appelliert, demokratisch zu wählen, und fordert: „Rechtsextreme raus aus Behörden, Vereinen, Parlamenten!“ Yannic Bill regt an, „redet mit euren Familien, macht den Mund auf, auch wenn’s mal weh tut“. (Von Michael Prochnow)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare