Waitz-Gelände: Lob und Kritik für Bebauungsplanentwurf

Für eine lebendige Ortsmitte in Lämmerspiel

Blick von der Bischof-Ketteler-Straße: Die Grafik des Architekturbüros Landes & Partner zeigt eine konzeptionelle Darstellung des Waitz-Areals, um die Umsetzung der von der Stadtplanung geforderten Dachformen zu skizzieren.
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Blick von der Bischof-Ketteler-Straße: Die Grafik des Architekturbüros Landes & Partner zeigt eine konzeptionelle Darstellung des Waitz-Areals, um die Umsetzung der von der Stadtplanung geforderten Dachformen zu skizzieren.

Gespannt schaut nicht nur die Bürgerinitiative „Neue Ortsmitte Lämmerspiel“, wie es nach der Schließung des Landhaus-Hotels Waitz mit dem Gelände weitergeht. Die Initiative findet, es bestehe nun nach mehr als 100 Jahren Hotelbetrieb eine Chance, das fast 10 000 Quadratmeter große Areal mit einem „positiven Mehrwert für den gesamten Ort und die ansässige Bevölkerung“ zu entwickeln. Und während SPD und CDU den nun vom Magistrat vorgelegten Bebauungsplanentwurf „L 21“ begrüßen, sehen Grüne und „Bürger für Mühlheim“ in dem Papier keine Fortschritte.

Mühlheim – Zur Erinnerung: Mit dem Aufstellungsbeschluss hatte die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat vor der Sommerpause beauftragt, planungsrechtliche Voraussetzungen für Wohnungsbau mit zwei bis zu vier Vollgeschossen auf dem Gelände zu schaffen, und damit „großzügigeres“ Bauen nach dem alten Plan „L9“ zu verhindern (wir berichteten). Bürgermeister Daniel Tybussek meint auf Anfrage, er danke allen Bürgern für ihre Eingaben, „die wir gerne aufgenommen haben“. Aus diesen Schilderungen und den Vorgaben des Aufstellungsbeschlusses sei „ein qualitativ hochwertiger Entwurf entstanden“, der im Ergebnis für eine lebendige Ortsmitte Lämmerspiels mit hoher Aufenthaltsqualität, einer neuen fußläufigen Durchwegung und der Schaffung von attraktivem Wohnraum für alle Generationen sorge. „Außerdem fügen sich die Gebäude in der Bischof-Ketteler-Straße durch die Festsetzungen zur Dachform und Höhe harmonisch in die Umgebung ein“, betont der Rathauschef.

Der Entwurf schaffe die Voraussetzung für eine „differenzierte Gestaltung des öffentlichen Raums mit der Definition von reinen Rad- und Fußwegeverbindungen sowie eines Kinderspielplatzes“. Zudem sei die Anordnung von öffentlichen und privaten Pkw-Stellplätzen vorgesehen – sowohl oberirdisch als auch in Tiefgaragen –, erläutert Tybussek. Von großer Bedeutung seien zudem die festgesetzte Gebäudehöhe und Dachform an der Bischof-Ketteler-Straße, „die sich auf die örtlichen Gegebenheiten beziehen und in der Ortsmitte neue Akzente setzen sollen“.

CDU und SPD meinen: Entwurf ist gegenüber Vorstellungen des Investors entschärft

Allerdings könne durch den Bebauungsplan nur ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden, sagt Tybussek auch im Hinblick auf die öffentlichen Wege. Daher sei es für den Magistrat „überaus erfreulich, dass der Eigentümer (Anm. d. Redaktion: die Wohnkompanie Rhein-Main GmbH) Gesprächsbereitschaft zum Abschluss eines städtebaulichen Vertrages signalisiert hat“, sagt Tybussek. „Da es sich beim Waitz-Areal um ein komplett erschlossenes privates Grundstück mit bestehendem Baurecht handelt, müssen neben der Verteilung der wirtschaftlichen Lasten die künftigen Rechte und Pflichten zwischen Stadt und Investor geregelt und fixiert werden.“ Heißt: Der Eigentümer würde vertraglich zusichern, dass er öffentliche Wege baut, sichert und unterhält.

CDU und SPD finden, der Entwurf sei an vielen Stellen gegenüber den Vorstellungen des Investors entschärft worden, etwa dass die Bebauung an der Bischof-Ketteler-Straße nun eine Traufhöhe von 7,50 Metern und anschließend einen Dachansatz mit einer wahrnehmbaren Dachschräge“ erhalten solle. Eine ansteigende Bebauung von zwei auf vier Vollgeschosse innerhalb des Areals sei hinzunehmen, sichere aber zugleich eine niedrigere an der Bischof-Ketteler- und der Dietrich-Bonhoeffer-Straße, erläutert CDU-Fraktionschef Marius Schwabe. Die Maximalhöhe werde nur bei einem Gebäude in der Mitte erreicht. Zudem finden sich im Entwurf zentrale Forderungen der Bürger wieder.

Positiv wertet man in der Großen Koalition auch die Zusage, rund 40 Prozent der Wohnungen barrierefrei herzustellen, diese seien in Lämmerspiel unterrepräsentiert. Schwabe kündigt zudem an, man werde parallel zu den weiteren Beratungen über den Entwurf, über den in der Sitzung am 3. Dezember entschieden werden soll, auch intensiv über eine deutliche Verschärfung der Stellplatzsatzung für Lämmerspiel nachdenken. Das Ziel sei, generell bei größeren Bauprojekten keinen erhöhten Parkdruck entstehen zu lassen.

Grüne meinen: „Eine wirkliche Bürgerbeteiligung war und ist nicht gegeben“

Enttäuschung dagegen bei den Grünen: Der Entwurf weise gegenüber den vom Investor bei der Infoveranstaltung im August gezeigten Vorstellungen „so gut wie keine Veränderung“ auf, heißt es in einer Stellungnahme der Fraktion. Stadtverordnete Margit Früchtl-Staab meint: „Damit wird auf viele Jahrzehnte hinaus eine Chance vergeben, das zukünftige Erscheinungsbild Lämmerspiels zu planen. Eine wirkliche Bürgerbeteiligung war und ist nicht gegeben.“ Stattdessen sei „wieder einmal den Wünschen eines Investors gefolgt“ worden, „ohne seitens der Stadt konkretere und moderatere Bebauungsvorstellungen einzubringen“, kritisiert Früchtl-Staab. Das Konzept der Wohnkompanie, behaupten die Grünen, sehe eine „deutlich höhere bauliche Verdichtung vor, als bisher suggeriert wurde“.

Auch der Fraktionschef der Bürger für Mühlheim (BfM), Dr. Jürgen Ries, meint, der Bebauungsplan werde den Vorstellungen des Investors angepasst und somit dessen wirtschaftliche Belange in den Vordergrund gestellt. Ries Fraktionskollegin Petra Schneider kritisiert, dass so kein bezahlbarer Wohnraum für die Bevölkerung von Lämmerspiel geschaffen werde. Die BfM mutmaßen, dass es sich am Montag in der Willy-Brandt-Halle „um eine reine Alibi-Veranstaltung“ handele. „Die Anregungen aus der Bevölkerung werden lediglich ,zur Kenntnis’ genommen, es steht von vorneherein fest, dass nichts verändert wird“, schimpft Ries.

Rathauschef Tybussek verweist dagegen darauf, dass der Entwurf nach Beschluss durch die Stadtverordneten wie gesetzlich vorgesehen öffentlich ausgelegt wird. „Somit sind Bürger im Rahmen dieses Verfahrensschritts erneut zu einer Beteiligung aufgerufen, die die bisher so erfreuliche intensive und engagierte öffentliche Diskussion zur Gestaltung des Lämmerspieler Ortskerns fortführt.“ (Ronny Paul)

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