Fußball auch mit Handicap

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Michael Schumann (links) ist Fachmann für Heizung und Sanitäranlagen und Teil des KVM-Netzwerkes: Er unterstützt die D1-Jugend, in der auch sein Sohn mitspielt. Die Mannschaft wird unter anderem von Walter Beetz (rechts) trainiert.

Mühlheim - Mehr als 100 Vereine buhlen allein in der Mühlenstadt um Nachwuchs. Besonders in den Sportclubs sind schon die Jüngsten umworben, aber auch Erwachsene, die sich als Trainer und Betreuer für die Schüler engagieren. Von Michael Prochnow

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, verfügt Kickers Viktoria Mühlheim (KVM) nach eigenen Angaben als einer der ersten Vereine in der Region jetzt über ein umfassendes Konzept. Das verfasste die Führung der 80-köpfigen Jugendabteilung.

Autoren und Motoren der Leitlinien sind Günter Mailänder, Erster Vorsitzender der KVM und selbstständiger Handwerker, sowie Stephan Fuchs. Der Jugendleiter ist freiberuflicher Kommunikations- und Verhaltenstrainer, was sehr hilfreich beim Formulieren des Katalogs für die Nachwuchsarbeit war. Unterstützung bietet den Vereinsleuten darüber hinaus eine eigene Joblotsin aus dem Kreisprojekt „Jobfit 2.0“. Sie fördert Jugendspieler mit Hilfe des europäischen Sozialfonds bei ihrer Persönlichkeitsbildung und bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

„Wir müssen die Kinder da abholen, wo sie stehen“, beginnt Fuchs. Er denkt dabei an Kooperationen mit Schulen, wobei den Lehrkräften im Sportzentrum Vereinstrainer zur Seite gestellt werden. Die Vorstandsmitglieder wollen einen Austausch auf pädagogischem wie auf sportlichem Feld initiieren. Das klappe bereits mit einer Mädchenmannschaft aus Frankfurt, die sich regelmäßig an der Anton-Dey-Straße treffe. Mehrere Grundschullehrerinnen konnten für das Training gewonnen werden, so Fuchs.

Vorbild ist ein dänischer Club

Dazu möchte Kickers Viktoria seine Kontakte zu Firmen in der Mühlenstadt weiter ausbauen, um finanzielle Unterstützung gegen Werbemöglichkeiten zu gewinnen. „Wir erfinden das Rad nicht neu“, stellt Fuchs klar, „aber wir nutzen Netzwerke und bilden einen Rahmen“. Das sei die Erfolgsstrategie des dänischen Clubs Brøndby Kopenhagen, mit der dieser junge Fußballer am Ort halte.

Daneben gelte es, „die interne Vereinskommunikation und die Darstellung der Gemeinschaft nach außen zu verbessern“, meint der Verhaltenstrainer. „Die Jugendarbeit muss auf feste Beine gestellt werden“, bestätigt Vorsitzender Mailänder. 2003 erhielt die KVM den Sepp-Herberger-Preis für hervorragende Jugendarbeit. Doch darauf dürfe man sich nicht ausruhen: „Die Qualifikation der vorhandenen und das Gewinnen neuer Betreuer steht vorne an“, unterstreicht Fuchs. „Wir brauchen ein gleich bleibendes Niveau und ständig gut ausgebildete Trainer“. Zunächst sollen alle Helfer die C-Lizenz für den Breitenfußball erwerben.

Langfristig eine eigene Liga bilden

Am 10. September feiert die KVM das erste Mühlheimer Handicap-Turnier, zu dem Mannschaften aus einem Dutzend Schulen für Jugendliche mit Behinderungen aus den Kreisen Offenbach und Main-Kinzig eingeladen sind. Für diese Aktion werden speziell qualifizierte Trainer des Hessischen Fußballverbands (HFV) benötigt.

In einem Team der Mühlheimer spiele bereits ein körperlich und geistig behinderter Junge. „Fußball ist sein Leben, er ist super in die D-Jugend integriert“, weiß Stephan Fuchs. „Auch diese Kinder wollen kicken“, doch landesweit gebe es keinen Verein, der sie betreut. Ziel sei es, eine eigene Elf zu formen, langfristig vielleicht eine eigene Liga zu bilden.

Dieses Anliegen stieß bei den Verbänden auf großes Interesse. Die Vorreiterrolle von Kickers Viktoria werde durch eine gezielte Weiterbildung für Trainer gefördert, Interessierte haben sich schon gemeldet. „Schließlich gibt es etliche Fußballlehrer ohne Job“, so Mailänder, darunter viele frühere Spieler.

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