Gegen das Vergessen

Junge Mühlheimer gedenken der vor 76 Jahren ermordeten Antifaschisten

Kranzniederlegung am Mahnmal: Eine Gruppe gedenkt der vor 76 Jahren von SS-Schergen ermordeten Widerstandskämpfer.
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Kranzniederlegung am Mahnmal: Eine Gruppe gedenkt der vor 76 Jahren von SS-Schergen ermordeten Widerstandskämpfer.

„Es ist wichtig, dass so etwas in der zivilen Gesellschaft nicht ins kollektive Vergessen gerät“, betont Tim Hainz bei seiner Rede am Mahnmal vor dem alten Rathaus und heutigem Stadtmuseum. In Gedenken an die antifaschistischen Widerstandskämpfer, die am 26. März 1945 brutal von SS-Schergen ermordet wurden, haben junge Mühlheimer um Helge Kuhlmann, Lasse Westphal, Oliver Weisenbach, Marcel Adam, Mischa Pecuch und Tim Hainz Blumen auf dem Platz des Widerstands niedergelegt und Kerzen angezündet.

Mühlheim – „Wir wollen ein breites öffentliches Interesse am Kampf gegen den Faschismus. Symbolisch für alle Kämpfer, die auf ihre Weise den Widerstand aufgenommen haben.“

Rückblick: Die Rote Armee war im Frühjahr 1945 im Osten bereits bis nach Ungarn herangerückt. Die westlichen Alliierten unter Führung der Amerikaner hatten den Rhein überschritten, Frankfurt eingenommen und kamen aus Richtung Offenbach immer näher an das von noch 9 000 Einwohnern besiedelte Mühlheim heran.

Dass in der Mühlenstadt Menschen ihr Leben nicht mehr sinnlos der Schreckensherrschaft dieser Zeit lassen mussten, verdankte die Gesellschaft einigen mutigen Antifaschisten. Willi Busch, Engelhard Beetz, Jakob Bernhard, Adam Bied, Wilhelm Glock, Fritz Hamburger, Wendelin Kadner, Anton Kreis, Richard Müller, Karl Oswald, Gotthard Volk, Wilhelm Wießmann und andere übernahmen am 24. März 1945 die Stadtverwaltung und entwaffneten an diesem und dem folgenden Tag etwa 200 deutsche Soldaten. Einen Teil der örtlichen Hitlerjugend sperrte man in einen Keller. Die Bevölkerung half, Panzersperren zu beseitigen. Trotz des vom NS-Regime verhängten Verbots – bei Zuwiderhandlung hatte die Hinrichtung wegen Landesverrats umgehend zu erfolgen. – wurden weiße Fahnen gehisst. Das geschah vor allem, um den immer näher kommenden Amerikanern klarzumachen, dass von Mühlheim keine Gefahr mehr ausgeht.

Im verlassenen Rathaus versuchten am 26. März 1945 die Widerständler, die Kapitulation vorzubereiten, als plötzlich ein SS-Stoßtrupp aus Dörnigheim auftauchte, der die weiße Beflaggung, unter anderem an der St.-Markus-Kirche, gesehen hatte. Die Handlanger Heinrich Himmlers und Adolf Hitlers eröffneten umgehend mit einer Maschinenpistole das Feuer auf die Anwesenden. Dabei wurden Wendelin Kadner (44 Jahre), Wilhelm Glock (41), Engelhard Beetz (38) und Richard Müller (26) getötet. Wilhelm Wissmann wurde schwer verletzt, in der Folge musste ihm ein Bein amputiert werden.

Der Mut und unbändige Wille der Mühlheimer, den Faschismus abzuwenden, sei ein Vorbild in jeder Gesellschaft, betont Hainz weiter bei seiner Rede. Gleichzeitig solle es eine Mahnung sein. Jene Kämpfer stünden auch symbolisch für alle, die es gegen das NS-Regime aufgenommen haben. Auch die Stadt gedachte wie jedes Jahr des geschichtsträchtigen Tages und erinnerte mit einem Blumengebinde am Mahnmal an das Datum. (Jan-Niklas Eickhoff)

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