„Geht lieber zu Fuß“

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Rücksichtslose Autofahrer sind dem achtjährigen Amon ein Dorn im Auge.

Mühlheim ‐ Amon ist acht Jahre alt und geht in die 3c der Geschwister-Scholl-Schule. Er schreibt gerade an einem Buch über die kleine Hexe Laura, die fliegen lernt. Das würde er manchmal auch gerne können. Von Michael Prochnow

Zum Beispiel, wenn er mittags aus der Schule kommt. Denn oft findet er die wenigen Meter von der Thomas-Mann-Straße zu seiner Wohnung in der Untermainstraße ganz schön gefährlich.  Amon hat zwei Geschwister, ist ein begeisterter Skateboard- und Fahrradfahrer, liebt Action-Spiele am Computer und turnt bei der Sport-Union. Handstand und Rad kann er super, am Reck ist er klasse. Und die Gitarre beherrscht er auch schon. In seiner Werkstatt sägt und schmirgelt er gerade eine E-Gitarre. Amon verfügt aber noch über ein weitere Talent, das er jetzt unter Beweis stellte.

Er schrieb einen Brief an die Redaktion, in sauberer Schreibschrift mit dem Füller. Darin beklagt sich der Drittklässler über rücksichtslose Autofahrer vor der Schule.

Schwierigkeiten die Straße zu überqueren

Kürzlich, erinnert Amon sich, sei der Verkehr mal wieder so dicht gewesen, dass er gar nicht die Straße überqueren konnte. Manche Eltern, die ihre Kinder abholten, parkten auf dem Bürgersteig, ließen die Autotüren offen und unterhielten sich angeregt, so dass Amon gar nicht weiter kam.

In solchen Situationen, beobachtete der wache Dietesheimer, versuchten viele Mädchen und Jungen, auf die Straße auszuweichen. „Früher waren da nicht so viele Autos“, jetzt sei das fast täglich so. „Ich verstehe nicht, warum die Mütter und Väter ihre Kinder nicht zu Fuß abholen können“, klagte der Junge an, „das ist außerdem Umweltverschmutzung“.

Okay, manche haben's wirklich weit. Der Einzugsbereich der Scholl-Schule reicht bis zur Ludwigstraße im Westen und bis ins Gewerbegebiet südlich der Bahnlinie. Doch auch bei Regen kann man laufen. „Meine Freundin hat einen viel längeren Weg und macht das auch.“ Man könne sich die Wettervorhersage ansehen und sich danach kleiden. „Außerdem macht's Spaß, mit den Freunden zusammen zu laufen“, ergänzt Amon, „und es ist gesünder!“

Auto besser etwas entfernt abstellen

Seine Mutter Beatrix braucht ebenfalls kein Auto, benutzt lieber das Fahrrad. Sie schlägt motorisierten Eltern vor, das Auto weiter entfernt von der Schule abzustellen und ein Stück mit den Sprösslingen zu spazieren. Im weiteren Umfeld gebe es genügend Parkmöglichkeiten.

Mit der Polizei hätten sie damals geübt, wo und wie sie die Fahrbahn überqueren sollten, erzählt der Achtjährige weiter. „Aber wenn die Autos so dicht stehen, ist das schwierig.“ Einmal sei er fast umgefahren worden. Ein schwarzer Wagen habe sich sehr schnell genähert, er habe gerade noch auf die andere Straßenseite springen können. „Ich wünsche mir, dass die großen Leute mehr Rücksicht nehmen“, plädiert er und fordert ganz konkret: „Parkt nicht auf dem Bürgersteig, fahrt langsamer. Und geht lieber zu Fuß.“

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