Gericht schickt 50-Jährigen für 33 Monate hinter Gitter

Geknackte Handwerkerautos: „Umzugshilfe“ mit satter Beute

Mühlheim - Zwei Männer müssen sich vor Offenbachs Schöffengericht verantworten. Sie sollen in Mühlheim vier Fahrzeuge von Handwerkern aufgebrochen und Geräte im Gesamtwert von mehr als 20.000 Euro geklaut haben. Von Stefan Mangold 

Einen Angeklagten, 50 Jahre, schickt Richter Manfred Beck für 33 Monate ins Gefängnis. Mit dem Jüngeren, 30, rechnet er später ab. Die Polizei verhaftete die beiden am 13. November. Jemand hatte in Mühlheim nachts den Notruf gewählt, als er an der Hanauer Straße den Aufbruch eines Fahrzeugs beobachtete. Der Zeuge konnte den Transporter der Täter beschreiben. Er erkannte auch die Nummer. Die Polizei war schnell – Fahnder stoppten das Auto, als es sich noch auf dem Weg nach Offenbach befand. Die drei Insassen hätten überrascht gewirkt, erzählt ein Beamter, sich aber ohne Fisimatenten verhaften lassen.

Ein Mitglied des Trios ist schon verurteilt. Und jetzt, in Runde zwei, gesteht auch der 50-Jährige Angeklagte die vier schweren Diebstähle, die der Staatsanwalt ihm vorwirft. Leugnen wäre auch schwierig. Die Ermittler hatten an drei Tatorten Blutspuren des vorbestraften Mannes gefunden. Der Polizist berichtet von einer ganzen Serie von Einbrüchen in Handwerksfahrzeuge in jener Zeit, bei denen hochwertige Utensilien wie Bohrmaschinen und elektrische Heckenscheren abhanden kamen.

Beim 50-Jährigen fanden sich außerdem Spuren von Kokain im Blut. Vor Gericht zieht er die Karte der Beschaffungskriminalität nicht. Er habe, „vielleicht einmal die Woche Kokain geschnupft, süchtig war ich nie“. Sein Verteidiger Manfred Döring berichtet von der misslichen Lage seines Mandanten, der in jener Zeit Job, Wohnung und mit der Gattin auch sein Geld verloren habe.

Der 50-Jährige sagt aus, sein Mitangeklagter habe stets einen gerechten Anteil am Verkauf der Beute bekommen. Das kann dem so gar nicht recht sein. Der 30-Jährige leugnet. Der Mann, den Anwalt Ioannis Minas vertritt, will im Auftrag des 50-Jährigen bis dato lediglich Umzugshilfen geleistet haben. Und während einer anderen Tat, bei der er laut dem Mitangeklagten wie immer dabei gewesen sein soll, habe er sich in Griechenland aufgehalten. Als Beweis legt er ein Flugticket vor – one-way. Zurück will er am 13. Oktober zusammen mit seinem Vater im Auto in Offenbach angekommen sein. Am Diebstahl ein paar Tage zuvor könne er also gar nicht teilgenommen haben.

Bilder: Käfertreffen in Mühlheim

Sein Vater ist krank. Aber ein Alibi, das nur die Mutter bestätigt, nimmt jedes Gericht mit Skepsis auf. Die Frau will sich exakt erinnern, dass der Filius und ihr Gatte am 13. Oktober „mittags nach Hause kamen“. Ein Schöffe bohrt nach, welcher Wochentag das gewesen sei. Die Frage bleibt offen.

Zum nächsten Verhandlungstermin kündigt Verteidiger Minas zwei weitere Zeugen an. Die gäben dem 30-Jährigen für einen weiteren Tatzeitpunkt ein Alibi: „Ein Freund und ein Kollege hatten mit ihm Karten gespielt.“

Sein Mandant, laut griechischem und deutschem Führungszeugnis nicht vorbestraft, erklärt, in den Diebstahl vom 13. November eher so hineingeraten zu sein. Die anderen hätten sich auf dem Weg nach Mühlheim auf Italienisch gestritten, was er nicht verstanden habe. Er sei damals von einem normalen Transport ausgegangen. Um so überraschender habe sich die eingeschlagene Scheibe für ihn angehört.

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Aber der 50-Jährige bleibt bei seiner Version: „Er war immer dabei.“ Für ihn listet der Staatsanwalt elf Vorstrafen auf. Fast alle hat er für Diebstahl und Betrug kassiert, niemals für Gewalt. In Untersuchungshaft sitzt er schon seit November. Zu seinen Gunsten wertet die Anklage das Geständnis und den Verzicht darauf, sich auf Drogensucht zu berufen, „das ist aller Ehren wert“. Der Staatsanwalt fordert drei Jahre Haft.

„Zu viel“, findet Verteidiger Manfred Döring, der erklärt, der Mann habe sich eigentlich schon auf einem guten Weg befunden und sei wegen persönlicher Katastrophen wieder davon abgekommen. Döring hält 20 Monate für angemessen, „ich weiß, Bewährung geht nicht“.

Das Urteil von Richter Beck und den beiden Schöffen summiert die Diebstähle auf 33 Monate Gefängnis. Der Haftbefehl bleibt bis zur Rechtsgültigkeit dieses Spruches aufrecht: „Sie verüben ansonsten gleich weitere Straftaten.“

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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