Gekommen, um zu bleiben

Annika Theophil ist die neue Pfarrerin der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde

Neue Pfarrerin im Markwald: Annika Theophil.
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Neue Pfarrerin im Markwald: Annika Theophil.

Für die Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde endet heute eine Durststrecke. Zwei Jahre mussten die evangelischen Christen ohne festen Pfarrer auskommen. Mit Annika Theophil beginnt ein neues Kapitel. Die Frau tritt ihre erste Pfarrstelle an und kann sich vorstellen, im Markwald wesentlich länger zu predigen als ihre Vorgänger.

Mühlheim – Der leicht schwäbische Zungenschlag verrät: Theophil stammt nicht aus Hessen. Die 30-Jährige wuchs in der Nähe von Stuttgart in Kornwestheim auf und konnte sich als Jugendliche alles mögliche vorstellen, was sie beruflich einmal machen könnte, „aber ganz sicher wollte ich keine Pfarrerin werden“.

Bei einigen herrscht die irrige Annahme, Geistliche hätten zwar den Nachteil, an Sonn- und Feiertage arbeiten zu müssen, den Rest der Woche könnten sie jedoch als freie Tage genießen. Theophil wusste schon immer, wie falsch das ist. Sie wuchs in einem Pfarrhaus auf, „mein Vater hatte wenig Zeit, war ständig für die Gemeine unterwegs“.

Einige dürften den Spruch kennen: „Pfarrers Kinder, Müllers Vieh geraten selten oder nie.“ Der dürfte daher rühren, dass Pfarrer immer unter besonderer Beobachtung stehen, zumindest in früheren Zeiten vielfach dazu neigten, ihre Kinder so zu erziehen, dass sie nach außen hin ein frommes Bild abgeben. In ihrer Familie habe es jedoch überhaupt keinen Druck gegeben, „uns Kindern war es immer vollkommen freigestellt, ob wir in den Gottesdienst gingen oder nicht“. Ihr Vater gehöre auch nicht dem in Schwaben verbreiteten pietistischen Zweig der Kirche an. Ein dogmatischer Glaube, der für sich postuliert: „Ich weiß, wie es ist, ansonsten gilt gar nichts“ – „das wäre nie meine Sache gewesen“, sagt Theophil. Generell sollte die Kirche ihre Türe für alle offenhalten, „auch für die Zweifler“.

Nach dem Abitur absolvierte Theophil ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ in einer Schule für mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche. In der Zeit sei ihr bewusst geworden, „ich will mit Menschen arbeiten“. Schließlich freundete sich die junge Frau doch mit dem Gedanken an, Pfarrerin zu werden.

In Tübingen begann Theophil ihr Theologiestudium, bestand die Prüfungen fürs Hebraicum und Graecum, „mir machten beide Sprachen Spaß“. Später wechselte die Württembergerin an die Universität in Marburg, „ich mochte das liberale Klima“. Auch habe es ihr gefallen, in die Fremde zu ziehen, „man kann sich selbst ein bisschen neu entwerfen“. Sie habe sich schließlich für die „Evangelische Kirche in Hessen und Nassau“ (EKHN) entschieden. In Rödermark-Urberach absolvierte Theophil in der Petrusgemeinde ihr Vikariat.

Die Pfarrerin verfügt über ein Talent, das sich bestens mit ihrem Beruf verbinden lässt. Sie spielt Klavier, nahm auf dem Gymnasium Cellounterricht, um ins Schülerorchester zu kommen, und falls die Organistin einmal ausfällt, könnte Theophil mit der kirchenmusikalischen C-Prüfung in der Tasche einspringen. Die Geistliche bedauert, schon längere Zeit in keinem Chor mehr singen zu können.

„Na klar bin ich aufgeregt“, betont Theophil, der die Landeskirche vorschlug, in der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde ihr Debüt als feste Pfarrerin zu geben. Natürlich musste der Kirchenvorstand zustimmen. Theophil weiß, die kleine Gemeinde zählt nicht gerade zu denen, um die sich die Kollegen reißen. Von Kontinuität auf der Kanzel kann keine Rede sein. Die neue Pfarrerin gehört jedoch nicht zu denen, die schon am Anfang wissen, „nach drei Jahren bin ich weg“. Im Gegenteil: „Ich kann mir vorstellen, lange hier zu bleiben“, sagt sie.

Am Sonntag, 11. Juli, wird Pröpstin Karin Held im Gottesdienst um 11 Uhr im Garten des Gemeindezentrums Markwald Annika Theophil als Pfarrerin ordinieren. (Von Stefan Mangold)

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