Gemeinsames Üben fehlt

Auch Mühlheims Feuerwehren leiden unter dem Lockdown

Vor allem die Kameradschaft fehlt den Aktiven der Feuerwehr, sagen Reiner Nickel (links) und Lars Kindermann.
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Vor allem die Kameradschaft fehlt den Aktiven der Feuerwehr, sagen Reiner Nickel (links) und Lars Kindermann.

Der Lockdown hinterlässt Spuren. Pandemie-Regeln und Schließungen machen sich jetzt auch bei den drei Freiwilligen Feuerwehren in der Mühlenstadt bemerkbar. Stadtbrandinspektor Lars Kindermann beobachtet trotz großer Anstrengungen der Ehrenamtlichen sinkende Motivation und getrübte Stimmung. Durch fehlende Treffen nach Einsätzen oder Ausbildung „bleibt die Kameradschaft auf der Strecke“, sagt der oberste Feuerwehrmann.

Mühlheim – Etwa 150 Männer und Frauen sind in Dietesheim, Lämmerspiel sowie an der Anton-Dey-Straße aktiv. „Damit zählen wir zu den stabilsten Wehren im Kreis“, bemüht Kindermann die Statistik. „Wir haben die größte Jugendfeuerwehr, zwei Kinderfeuerwehr-Abteilungen, in allen Stadtteilen Alters- und Ehrenabteilungen sowie rege Vereine.“

Doch schon fast ein Jahr sind die Stützpunkte nahezu komplett geschlossen. Nur zu Einsätzen dürfen die Brandschützer die Häuser betreten. Schulungen laufen wie gewohnt alle zwei Wochen – allerdings online. „Das Media-Team stellt eine Plattform bereit und sucht auch Dozenten“, berichtet der Leiter. „Die Referenten unterrichten dann zu Unfallverhütung, Baukunde oder Gefahren an Einsatzstellen“, gibt er Beispiele aus den vergangenen Wochen.

„Das ist ganz schön, kann einen Präsenzunterricht aber nicht ersetzen“, schränkt stellvertretender Stadtbrandinspektor Reiner Nickel ein. „Nur im Sommer gab’s eine Unterbrechung, da durften wir zum klassischen Übungsbetrieb zurückkehren“, berichtet er, in zwei Gruppen mit nie mehr als zehn Kräften auf einem Gelände. Dort widmeten sie sich Themen wie technische Rettung nach Unfällen, das Benutzen von Leitern und Brandangriff.

„Was uns total fehlt, sind Zugübungen mit allen drei Wehren“, ergänzt Nickel. „Ohne gemeinsames Üben wird es schwieriger, einen sicheren Einsatz zu leisten und den Dienst aufrecht zu erhalten“, gibt Kindermann zu bedenken. „Wir müssen immer wieder unsere Fertigkeiten trainieren“. Sonst bestehe auch die Gefahr, dass sich die Helfer von der Feuerwehr entfremden.

Im Oktober haben sie ein neues Drehleiterfahrzeug in Dienst gestellt. Um die Maschinisten zu schulen, wurde eine Ausnahme mit einer Eins-zu-eins-Ausbildung genehmigt. „Wenn Kameraden an Covid 19 erkranken, haben wir ein richtiges Problem“, mahnt der Chef. Sie hatten bereits zwei Verdachtsfälle, bis das Testergebnis da war, durften die Betroffenen nicht am Einsatz teilnehmen.

„Wir merken schon, dass die Situation die Menschen verändert“, stellt der Inspektor fest. So gab es auch keine vorweihnachtliche Geselligkeit mit Ehrungen. Mehrere Jugendliche hätten in die Einsatzabteilung übernommen werden sollen, hängen jetzt in der Warteschleife.

Auch Aktive konnten nicht wie gewohnt mit einer Feier in die Alters- und Ehrenabteilung übernommen werden, alle Jahreshauptversammlungen wurden verschoben. Manche Kameraden seien weniger motiviert, erkennt Kindermann, „die Stimmung trübt sich“. Und Nickel ergänzt, „je länger das dauert, desto schlechter wird’s“.

Momentan sei es sehr ruhig, es gebe wenig Alarmierungen. Vielleicht, weil die Leute mehr Zeit zu Hause verbringen, vorsichtiger sind und nicht Hals über Kopf raus rennen und vergessen, den Herd auszumachen“, überlegen die Männer. Auf den Straßen seien weniger Unfälle zu verzeichnen.

Der einzige Vorteil in der neuen Ära sei, dass viele Kameraden im Homeoffice arbeiten: „Das stärkt die Tagesalarmsicherheit, es sind einfach mehr Helfer präsent“, sagt Lars Kindermann. Von Februar an plane die Leitung weitere Eins-zu-eins-Ausbildungen, vor allem, um Kenntnisse über Geräte und Fahrzeug- Ausstattung zu vermitteln. (Von Michael Prochnow)

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