Wenn die Schnitzeljagd in streng geschützte Natur führt 

Geocaching in Tabu-Ecken

Mühlheim - Damit Geocaching nur Freude bereitet und nicht Ärger, versucht die Stadt die „Verhaltensregeln“ für diese Art moderne Schnitzeljagd in die Köpfe ihrer wachsenden Akteursschar zu pflanzen. Von Marcus Reinsch 

Das soll helfen, von Satelliten auch durch streng geschütztes Grün gelotste Menschen mit Mutter Natur in Einklang zu bringen. Interessenskollisionen zwischen Erholung und Naturschutz kennt Mühlheim allzu gut. Es erweist sich aller Aufklärungsaktionen über Verbote und Strafverschärfungen der letzten Jahre zum Trotz als schwierige Mission, Menschen vom Schwimmen, Grillen, Zelten und Bootfahren in den Dietesheimer Steinbruch-Seen abzuhalten.

Die Akteure einer besonderen Form der Freizeitgestaltung bekommt man hingegen eigentlich nie zu Gesicht: Wer das sogenannte Geocaching zu seinem Hobby gemacht hat, sucht nicht auf ausgetretenen Wegen den schönsten Liegeplatz, sondern mit Hilfe des Satelliten-Navigationssystems GPS weit ab vom Schuss kleine Verstecke, deren Koordinaten andere Geocacher zum Beispiel auf einschlägigen Seiten im Internet hinterlegt haben. Aus diesen sogenannten Caches nimmt man ein kleines Geschenk und legt für den Nächsten ein neues hinein – ein großer Spaß und eigentlich harmlos.

Außer, die Caches locken in die in Mühlheim nicht seltenen besonderen Gebiete, in denen eine sehr sensible Tier- und Pflanzenwelt zuhause ist. „Solche Lebensräume und geschützten Biotope dürfen abseits der Wege nicht betreten werden“, heißt es dazu aus dem Rathaus. Querfeldeinlaufen sei zu vermeiden. Und innerhalb von Natur- und Vogelschutzgebieten sei das Anlegen von Caches sowieso nicht gestattet. Zudem sei auch im Wald das nächtliche Suchen der Verstecke, das sogenannte Nacht-Caching, abseits von Wegen verboten, um eine Störung von Wildtieren, die Behinderung der Jagd sowie die Gefährdung von Menschen durch die Jagd zu vermeiden. Ein Tabu sei aus Gründen des Fledermaus- und des Vogelschutzes auch, in Fels- oder Baumhöhlen und in der Nähe von Nistkästen und Horstbäumen Dinge zu deponieren.

Digitale Wanderführer: Wegweisende Handys oder GPS-Geräte

Eigentlich selbsterklärend – was im Netz zu findende Cache-Listen aber leider nicht immer widerspiegeln. Teils verweisen die Koordinaten auf Mühlheimer Ecken, in die sich kein Zweibeiner jemals begeben sollte. Die Stadt kann solche entsprechend gut frequentierten Verstecke als Eigentümerin des Waldes zwar entfernen. Doch nachhaltige Wirkung würde das nur zeigen, wenn dann nicht gleich neue entstehen.

Erste Stadträtin und Umweltdezernentin Gudrun Monat setzt also auf Einsicht statt auf den Einsatz der in der Naturschutz-, Wald- und Jagdgesetzgebung geschnitzte Keule. Sprich: Geocaching-Standorte im Stadtwald oder auf anderen öffentlichen Freiflächen seien im Vorfeld mit dem Sachgebiet Umwelt und Freiraum im Rathaus unter 06108/601-812 abzustimmen. Und in den Außenbereichen seien gegebenenfalls auch die Naturschutzbehörden zu fragen.

Rubriklistenbild: © dpa

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