Fußballer feiern ausgiebig

TSV Lämmerspiel feiert 110. Geburtstag: Gläser hoch zur Trachtensause 

+
Stimmung in Dirndl und Krachlederner: Die Musiker der Münchner Zweitracht bringen am Eröffnungsabend die Stimmung im Zelt zum Kochen.

Oktoberfeststimmung beim TSV Lämmerspiel: Man nehme ein Festzelt für 2000 Personen, packe die Münchner Zwietracht rein und stelle das Ganze in Lämmerspiel auf.

Mühlheim – Fastnacht muss nicht zwingend sein, auch nicht Oktober oder ein südliches Bundesland in Sichtweite – die Bevölkerung kommt trotzdem in Krachledernen und Dirndln. Dieses Phänomen dient der Fußballabteilung in der Turn- und Sportvereinigung (TSV) zu Pfingsten und beschert gleich zum Auftakt des kleinen Jubiläums einen riesen Zuspruch.

2009, beim Hundertjährigen der Kicker am Offenbacher Weg, ließen die Musiker aus dem Bayerischen schon einmal das Zelt beben. Nun spielen sie Bass, Gitarre, Trompete, Akkordeon, Keyboard und Schlagzeug im schwarzen, bestickten Mantel, Lederwesten, Schottenrock und schweren Stiefeln. Dabei beschränken sich die Herren reiferer Jahrgänge keineswegs auf volkstümliche Takte, auf der Bühne wird kräftig grockt.

Vielleicht ist es diese Interpretation, die vor allem Damen jeden Alters in die ersten Reihen führt. Dahinter stehen Tracht-Träger jubelnd auf den Bänken, zu fortgeschrittener Stunde auch auf den Tischen.

Für die Eltern mancher Teenager wäre es zu ihrer Jugendzeit kaum denkbar gewesen, sich in dieser „Verkleidung“ sehen zu lassen – so ändern sich die Zeiten. Das dokumentiert auch die „Hall of Fame“, das Vorzelt, ausgestattet mit zahlreichen Devotionalien der Jubel-Kicker. Historische Trikots baumeln von der Decke, Netze mit alten Fußbällen. An Pinnwänden prangen Plakate, Mannschaftsfotos und Zeitungsausschnitte mit Berichten, die an Spielbetrieb sowie an die vielen Erfolge, Feiern und Aktionen der TSV-Fußballer erinnern.

Hoch hinaus geht es vor dem Festzelt auf der Schiffschaukel.

Am Samstag verbreitet die Sandy Showband Stimmung im nicht ganz gefüllten Zelt. Die Musiker spielen Rock und Pop, führen auch mit einem Medley der großen Abba-Hits zurück in die 70er Jahre, spielen aber ebenso die deutschen Schlager.

Für Lokalkolorit ist freilich das Duo Ohrenschmaus zuständig. Noch immer klagen sie zur Melodie von Christian Anders „Es fährt kein Zug nach Lämmerspiel“ und warnen heiter vor dem Völkchen „hinterm Wald“. Die Fans gröhlen die Hymnen aus Leibeskräften mit. Dabei ist Mitsingen erst 24 Stunden später angesagt, als Bandleader Tom Jet zum Rudel-Sing-Sang auffordert. Die Hausener Version des Karaoke erfährt mehr fürs Auge, als sie um die Muntermacher und die Formation Showtime vom benachbarten Carneval-Verein bereichert wird.

Der Pfingstsonntag beginnt mit einem ökumenischen Gottesdienst, in dem die Pfarrer Willi Gerd Kost und Peter Meier-Röhm gemeinsam predigen. Sie plädierten für Fairness auf dem Rasen wie im Leben, fordern auf, mehr miteinander und weniger gegeneinander zu spielen. Das Blasorchester des Musikvereins Dietesheim, kurzfristig und problemlos engagiert, wie TSV-Abteilungsleiter Roland Holzberger lobt, begleitet die liturgische Feier und den anschließenden Frühschoppen.

Auf dem Rasen bereichert das Team vom Abenteuerspielplatz Riederwald den Vergnügungspark mit Karussell und Schiffsschaukel um Torwandschießen, Kart-Fahren und Maxi-Brettspiele.

Drinnen musizieren derweil die Lämmerspieler Heimatsterne, der Turner-Nachwuchs von TSV und TGL zeigt, was ihn immer wieder aufs Siegertreppchen führt. Gewonnen haben vor allem aber die Veranstalter, die Fußballer rocken nicht nur den Rasen, sie engagieren sich auch, um mit ihren Anhängern gepflegt zu feiern. Insgesamt 600 Helfer sind an diesem Fest-Wochenende im Einsatz.

VON MICHAEL PROCHNOW

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare