Fremd und so vertraut

Gottesdienst in arabischer Sprache

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Zu Gast in St Markus: P. Mayas Abboud, Priester der melkitischengriechisch-katholischen Kirche.

Mühlheim - Die „Melkitische griechisch-katholische Kirche“ klingt nach Konkurrenz für die Römisch-Katholischen. Vor dem Gottesdienst in arabischer Sprache, der neben Gläubigen auch ein paar Neugierige in Mühlheims Altststadtkirche St. Markus lockt, erklärt Hausherr Johannes Schmitt-Helfferich in der Sakristei: Von Stefan Mangold 

„Unser Papst ist auch deren Kirchenoberhaupt.“ Ansonsten wirkt bei syrischen Christen, die mit Priester P. Mayas Abboud die Messe feiern, manches ungewohnt. Aber nicht alles. Die drei Jungs etwa, die als Messdiener agieren, sehen genauso aus wie ihre römisch-katholischen Kollegen. Das wundert nicht. Schließlich tragen sie die selben Gewänder und die selben Utensilien. Der Blick ins Heft mit den auch ins Deutsche übersetzten liturgischen Texten erinnert an den britischen Straßenverkehr – der Kontinentaleuropäer denkt reflexhaft: „Die fahren alle auf der falschen Seite“.

Irgendetwas scheint beim Druck des Textbuchs schief gegangen zu sein: Je weiter man nach hinten blättert, desto stärker nehmen die Seitenzahlen ab. Das wundert, bis einem einfällt, dass Araber ja von links nach rechts schreiben und lesen. Nach dem selben Prinzip gestalten sich folglich die Bücher.

Zu Zeiten des Kalten Kriegs spielte der Islam in unseren Breitengraden thematisch keine große Rolle. Spätestens seit den Anschlägen vom 11. September 2001 setzte sich jedoch vielfach in den Köpfen die falsche Gleichung fest: Arabisch gleich Islam, Islam gleich Terrorismus. Was wenige vermuten: In einem Land wie Syrien leben mit rund zehn Prozent Anteil an der Gesamtbevölkerung fast doppelt so viele Christen wie in Deutschland Muslime. Einige von ihnen flohen vor dem Krieg nach Mühlheim, wo der melkitische Pfarrer, der seinen Sitz in Regensburg hat, mit knapp 50 Besuchern den Gottesdienst in arabischer Sprache feiert.

Auch bei den Syrern sitzen Frauen, Männer und Kinder bunt gemischt beieinander. Einen Unterschied gibt es: Auf dem Plan steht 11.30 Uhr als Beginn. Der Termin steht unter den melkitischen Glaubensbrüdern eher als Eröffnung eines Zeitfensters, in dem es losgehen könnte. Der Startschuss liegt ähnlich wie bei den Vorlesungen an der Universität: Eine Viertelstunde später geht es los. Dann aber so richtig katholisch: sehr viel Liturgie, nicht weniger Weihrauch. Zum Vortrag des Priesters singt ein Männer-Trio seitlich des Altars. Die Melodien klingen durch die Halb- und Vierteltonschritte der Tonleiter ungewohnt orientalisch.

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Und der unbedarfte Beobachter erkennt kein System, wann sich die Gemeinde erhebt. Manche stehen zwischendurch auf, andere bleiben sitzen, weitere knien. Die Reaktion scheint immer dann zu folgen, wenn sich jemand liturgisch besonders angesprochen fühlt. Lediglich wann sich alle setzen sollen steht fest: Priester P. Mayas Abboud gibt dann ein Zeichen. Etwa, bevor er anfängt zu predigen.

Manchmal ist es gar nicht schlecht, am Fernsehen den Ton abzustellen, wenn jemand eine Rede hält. Gestik und Mimik sind oft aufschlussreicher als die Wortwahl selbst. In St. Markus ist zu beobachten: Die Predigt des Priesters scheint nicht zu langweilen. Einige nicken wiederholt. Der Mann spricht frei, ohne Zettel in den Händen. Und an etlichen Stellen lassen sich klassische Stilmittel der Rhetorik erkennen. Wie etwa drei kurze Sätze, die mit dem selben Wort beginnen. Im Deutschen klingt das nach „Ich kam, ich sah, ich siegte“. Die Gestik des Pfarrers passt sich seinem melodisch gesprochenen Wort rhythmisch an.

Bei den syrischen Christen geht es einen Tick weniger streng zu als bei den deutschen Glaubensbrüdern. Einem der Sänger fällt zwischendurch etwas Heiteres ein. Das teilt er den anderen mit, die das sichtlich amüsiert.

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