Große Tische für die Wahlkabinen

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Die Stimmzettel für die Kommunalwahl in eineinhalb Wochen sind kaum zu übersehen. Damit am Wahltag alles klappt, haben Gemeindewahlleiter Tristan Gerfelder (Mitte), seine Vertreterin Gabriele Scheuermann (links) und Wahlsachbearbeiterin Anja Schöne (rechts) alle Hände voll zu tun.

Mühlheim ‐ Es ist eigentlich kein großer Akt: Wer am 27. März wählen geht, investiert eine halbe Stunde, je nach Andrang im Wahllokal vielleicht auch bis zu einer Stunde, um sein Recht auf politische Mitsprache in Anspruch zu nehmen. Von Cora Werwitzke

Dabei fällt oft gar nicht auf, wie viel Arbeit in der Vor- und Nachbereitung einer Kommunalwahl steckt. Tristan Gerfelder kann ein Lied davon singen: Als Gemeindewahlleiter laufen bei ihm alle Fäden rund um die Wahlorganisation zusammen. Seit geraumer Zeit kann sich der Experte für Wahlangelegenheiten im Rathaus definitiv nicht über zu wenig Beschäftigung beklagen. Schließlich ist die anstehende Kommunalwahl – mit paralleler Kreiswahl und Volksentscheid – nach der Ausländerbeiratswahl im November und der Bürgermeisterwahl im Januar bereits der dritte Urnengang innerhalb weniger Monate.

„Die Vorbereitungen laufen schon seit Wochen auf Hochtouren“, erzählt der Gemeindewahlleiter, der als oberstes Ziel einen reibungslosen Ablauf der Wahl ausgibt. Dass es sich dabei um kein ganz einfaches Unterfangen handelt, machen folgende Zahlen deutlich: In eineinhalb Wochen stehen den Mühlheimern 161 Kandidaten auf Kommunal- und 452 auf Kreisebene zur Auswahl. Rein theoretisch könnten knapp 21 000 Wahlberechtigte in den Wahllokalen der Mühlenstadt je 132 Kreuzchen verteilen – zuzüglich einem für die Volksabstimmung.

Zettel 42 mal 60 Zentimeter groß

Doch zu den daraus hypothetisch resultierenden über zwei Millionen Kreuzchen wird es erfahrungsgemäß nicht kommen: „Zum einen natürlich, weil man auch ganze Listen wählen kann und zum anderen, weil leider nicht jeder Wahlberechtigte auch zur Wahl geht“, erklärt Gerfelder. „In der letzten Kommunalwahl lag die Wahlbeteiligung unter 50 Prozent.“ Nichtsdestotrotz müssten ob der besonderen Anforderung der Kommunalwahl einige Extra-Vorkehrungen getroffen werden, schildert der Wahlleiter: „Wir leihen uns zum Beispiel größere Tische für die Wahlkabinen.“ Hintergrund sei, dass die Stimmzettel viel Platz bräuchten.

In der Tat dürfte das Ankreuzen der Stimmzettel den ein oder anderen an das Hantieren mit Bauplänen erinnern: Der Zettel für die Kommunalwahl weist 42 mal 60 Zentimeter auf, der der Kreiswahl misst in der Breite gar annähernd einen Meter. Wer sich nun vorgenommen hat, auch die gleichformatigen Muster mit in die Wahlkabine zu nehmen, um bereits markierte Kreuzchen zu übertragen, dürfte auch bei großen Tischen seinen Schaff haben.

„Mit den Mustern selbst kann man definitiv nicht wählen“, warnt Gerfelder. Aber für Leute, die lieber in den eigenen vier Wänden ihre Auswahl treffen wollen, hat er trotzdem einen guten Tipp parat: „Mit der Briefwahl kann man von zu Hause aus wählen.“ Bei der Kommunalwahl vor fünf Jahren hätten über 2 500 Wähler von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht.

Auszählung ist öffentliche Angelegenheit

Zum klassischen Urnengang in den Wahllokalen stehen indes insgesamt 175 Wahlhelfer in ganz Mühlheim bereit. „Das sind alles Ehrenamtler, die freiwillig mithelfen“, betont Tristan Gerfelder. Üblich sei eine Aufwandsentschädigung – „schließlich opfern diese Helfer ihre Freizeit“, so der Gemeindewahlleiter. Nach dem Schließen der Wahllokale sei die Arbeit vor allem für die Rathausmitarbeiter noch nicht getan: „Das Auszählen der Stimmen beschäftigt erfahrungsgemäß zwei Tage lang fast das ganze Rathaus.“

Was viele nicht wissen: Die Auszählung ist eine öffentliche Angelegenheit. „Jeder hat das Recht, uns dabei über die Schulter zu schauen“, so Gerfelder. Wenn über die neue Zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung dann in knapp zwei Wochen Klarheit herrscht, werden die Verantwortlichen im Rathaus auch wissen, was die Wahlorganisation den Stadtsäckel gekostet hat. Finanziell stemmt jede Kommune die Wahl größtenteils selbst. Im hiesigen Rathaus steht der Kostenpunkt nicht zur Debatte: „Demokratie ist eben nicht preiswert“, heißt es dazu.

Einen Wegweiser zum Kumulieren und Panaschieren gibt es auf der städtischen Internetseite. Hier haben Mühlheimer auch die Möglichkeit, eine Briefwahl zu beantragen. Alternativ kann der Antrag auch direkt im Rathaus gestellt werden. Rückfragen hierzu beantwortet der Zentrale Bürgerservice, der unter der Woche von 8 bis 12 sowie dienstags und donnerstags auch zwischen 14 und 18 Uhr unter Tel. 06108/ 601999 zu erreichen ist.

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