Gute Arbeit als Erfolgsrezept

„Schwemmler Raumausstattung und mehr“ aus Mühlheim feiert 50-jähriges Bestehen

Margarete und Robert Schwemmler feiern mit ihrer Firma 50-jähriges Bestehen.
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Margarete und Robert Schwemmler feiern mit ihrer Firma 50-jähriges Bestehen.

Es gibt nicht mehr viele Ladengeschäfte und Handwerksbetriebe, die ein halbes Jahrhundert existieren und obendrein von ein und demselben Inhaberpaar geführt werden. Im Mühlheimer Stadtteil Dietesheim ist das so, „Schwemmler Raumausstattung und mehr“ feiert morgen sein 50-jähriges Bestehen. Am 1. Oktober 1970 machten sich Robert und Margarete Schwemmler selbstständig. Er war gerade 23, sie zarte 18 Jahre jung, als sie ohne fremde Hilfe den Sprung in die Selbstständigkeit wagten.

Mühlheim – „Zum Heiraten war erst ein halbes Jahr später Zeit“, erzählt sie schmunzelnd. Das Paar hat sich auf der Dietesheimer Kerb kennengelernt. Damals lief der Tanz in der Halle der Turngemeinde. Er ist ein Mühlheimer Schwemmler, einer mit zwei „m“ in der Mitte, lehrt sie. Er hat den Beruf des Raumausstatters bei der Firma Ebert an der Offenbacher Birkenlohrstraße erlernt, gleich die Meisterprüfung abgelegt.

Sie wurde bei Sport- und Freizeit-Moden Maltner in der Frankfurter Straße in der Lederstadt zur Schneiderin ausgebildet. Durch Fort- und Weiterbildung hat Margarete Schwemmler sich für die Buchhaltung und den Verkauf qualifiziert. Bei Erkrath war sie kurze Zeit als Näherin beschäftigt, dann ging sie nach Offenbach und verkaufte bei Gerharth Textilien.

Der erste Verkaufsraum war in einem Zimmer in der Bettinastraße 5 eingerichtet, ihrem Elternhaus. 1975 zogen die jungen Schwemmlers in die Räume der ehemaligen Main-Apotheke an der Hauptstraße 20, sechs Jahre später in den Neubau Bettinastraße 7. Dort hatten sie ein altes Haus von ihren Urgroßeltern erworben und nur die Basaltsteinmauer der Scheuer stehen lassen. Zur Straße hin entstand ein Laden mit großem Schaufenster, dessen Dekoration auch jetzt noch Spaziergänger verharren lässt.

„Das Hauptgewicht des Geschäfts liegt bis heute auf dem Handwerk“, betont Margarete Schwemmler. Ihr Mann streicht, tapeziert und verlegt Fußböden – heute wie damals bei Privatkunden. „Anfangs bekamen wir kaum Architekten-Aufträge“, blickt der Meister zurück, „dann haben wir regelmäßig für die städtische Wohnbau gearbeitet“. „Viele Mühlheimer und Dietesheimer bestehen darauf, dass wir die Wohnung herrichten“, erzählt sie stolz. Der Fachmann liefere eine ordentliche Arbeit ab, sei zuverlässig, sodass viele Kunden ihm ihre Wohnungsschlüssel anvertrauen und in den Urlaub fliegen. „Früher haben die Bewohner Urlaub genommen und uns beim Renovieren zugesehen“, berichtet er. „Termine einhalten, grundehrlich und vertrauenswürdig sein, das ist die Basis für den Erfolg“, weiß der Raumausstatter aus Erfahrung.

Drei Lehrlinge haben die Schwemmlers ausgebildet, drei Gardinennäherinnen im Laufe der Jahre beschäftigt. Heute näht die Schneiderin allein, ebenso hält sie es mit der Dekoration. Neben Tischwäsche und Heimtextilien nahm sie vor zehn Jahren Wolle ins Sortiment, führt Baby-, Strumpf-, Schal- und Mützenwolle in großer Auswahl. Donnerstags leitet sie einen Strickkreis, fünf, sechs Damen lassen dann die Nadeln klappern.

Ging vor Jahr und Tag noch viel Weihnachtsdeko über die Ladentheke, hat sich Margarete Schwemmler jetzt auf maßangefertigte Tischdecken spezialisiert. Doch, „der Online-Handel macht uns zu schaffen“, sagt sie, „selbst die Wolle wird am Computer bestellt“. Vielleicht sind die besten Zeiten für das gut gehende Geschäft vorüber, „aber es macht mir nach wie vor viel Spaß“, betont Margarete Schwemmler. Als „Richtzeit“ habe sie sich vorgenommen: „Bis 80 mache ich weiter, dann nur noch halbe Tage.“

(Von Michael Prochnow)

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